Schmarotzerraubmöwe

Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus)

Familie: Raubmöwen (Stercorariidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00256

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Allgemeines:
In der nördlichen Hemisphäre gehören vier Arten zur Gattung Stercorarius: Schmarotzer-, Falken- und Spatelraubmöwe sowie der größere Skua. In der südlichen Hemisphäre gibt es noch drei weitere Arten, die dem Skua sehr ähneln. Raubmöwen sind mittelgroße bis große möwenähnliche Vögel, die hauptsächlich dunkel gefärbt sind und ihr Leben als Jäger und Beuteparasiten verbringen.

Beschreibung und Stimme:
Schmarotzerraubmöwen sind schlanke, ungefähr sturmmöwengroße Vögel mit falkenartiger Flugweise. Sie werden etwa 45 bis 46 cm groß. Zwei schlanke Schwanzspieße überragen bei Altvögeln den keilförmigen Schwanz. Diese Schwanzspieße enden spitz (bei der Spatelraubmöwe stumpf). Schmarotzerraubmöwen kommen in zwei unterschiedlichen Farbvarianten vor. Es gibt eine einfarbig dunkelbraune Phase und eine helle Phase mit dunkler Kopfkappe, weißlichem Hals und weißlicher Brust. Da auch Übergänge zwischen der hellen und der dunklen Phase vorkommen, sind die Vögel sehr variabel in der Färbung. Die schmalen Flügel weisen helle Stellen auf. Diese hellen Stellen finden sich auch bei unausgefärbten Schmarotzerraubmöwen.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Die Schmarotzerraubmöwe brütet zirkumpolar in Küstensümpfen und Tundren Nordamerikas und Eurasiens. Gebietsweise kommt sie auch im Inland, z.B. in nasser Tundra und in Mooren sowie auf feuchten Viehweiden und in Heideflächen vor. Das Brutgebiet reicht weiter nach Süden als bei der Spatelraubmöwe. Im Winter leben Schmarotzerraubmöwen pelagisch, allerdings sind sie stärker an die Küsten gebunden als Spatel- und Falkenraubmöwen. In Europa gibt es 40.000 bis 120.000 Brutpaare, davon leben die meisten in Russland (20.000 bis 100.000).

Große Populationen gibt es noch in Spitzbergen (10.000-16.000), in Island (5.000 bis 10.000), in Grönland  (1.000 bis 10.000) und in Großbritannien (2.100 Brutpaare). Während die Spatelraubmöwe in Finnland im Bestand zunimmt, wird aus Norwegen und Großbritannien ein langfristig abnehmender Bestand verzeichnet. Insgesamt fluktuiert der Bestand der Art stark.

In Mitteleuropa ist Stercorarius parasiticus die häufigste durchziehende Raubmöwenart, die  außer in Liechtenstein in allen Ländern nachgewiesen wurde. Vor allem im Herbst ziehen Schmarotzerraubmöwen in erheblicher Zahl an und vor den Küsten der Niederlande.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Geschlechtsreif werden Schmarotzerraubmöwen mit 3-7, meist jedoch mit 4-5 Jahren. Sie sind monogam und da sie sehr brutplatztreu sind, bleiben auch die Partner meist lebenslang zusammen. Mit der Eiablage beginnen die Vögel im Süden ihres Verbreitungsgebietes (Schottland) in der zweiten Maihälfte, im Norden nicht vor Juni. Das Gelege besteht aus zwei birnenförmigen, olivbraunen Eiern, die unterschiedlich hell oder dunkel sind. Auch die Punkt- und Fleckenzeichnung der Eier ist sehr variabel. Die Eier werden in eine einfache, nur spärlich ausgekleidete Mulde gelegt, die oft auch nur in die Vegetation gedrückt wird. Der Legeabstand zwischen den Eiern beträgt 48-72 Stunden. Die Eier werden von beiden Partnern von der Ablage des erstens Eies an bebrütet. Die Jungen schlüpfen nach 24-28 Tagen und bleiben etwa zwei Tage im Nest. Danach verstecken sie sich in der Umgebung des Nestes in der Vegetation. Meistens bewacht ein Altvogel die Jungen, während der andere Futter herbeischafft. Beide Partner füttern. Im Alter von 27-30 Tagen sind die Jungen flügge, sie werden dann noch etwa 2-5 Wochen versorgt, bevor sie unabhängig sind.

In größeren Seevogelkolonien brüten Schmarotzerraubmöwen kolonieartig mit bis zu 200 Brutpaaren je Quadratkilometer. Sonst haben die Territorien einen Durchmesser von 0,3 – 1,0 km. 

Der älteste Ringvogel, der gefunden wurde, hatte ein Alter von 25 Jahren und 10 Monaten; eine Generationslänge beträgt 11 Jahre.

Nahrung:
In der Brutzeit ernähren sich Schmarotzerraubmöwen sehr vielseitig von den unterschiedlichsten Tieren. Vor allem im Inland brütende Einzelpaare betreiben Kleinsäuger- und Kleinvogeljagd. Sie fangen auch Insekten und Fische, plündern Gelege und fressen selbst Beeren sowie Aas und Abfälle. Außerhalb der Brutzeit ernähren sich Schmarotzerraubmöwen hauptsächlich von Fischen, die sie anderen Seevögeln  (kleinen Möwen, Seeschwalben, Alken) abjagen. Sie verfolgen ihre Opfer hartnäckig im Flug und  bedrängen sie solange, bis diese ihre Beute fallen lassen oder wieder auswürgen.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Nonpasseriformes, Wiebelsheim.
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden


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