Spornammer

Spornammer (Calcarius lapponicus)
engl: Lapland Bunting

Familie: Ammern (Emberizidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00255

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Status in Mitteleuropa
Die Spornammer ist in Mitteleuropa ein regelmäßiger Durchzügler und Wintergast im Küstenbereich. In Deutschland ist die Spornammer am ehesten an der Küste Schleswig-Holsteins zu finden. An der Küste Niedersachsens ist die Spornammer ein seltener Gast; mehr als 18 Vögel wurden noch nie in einem Jahr nachgewiesen. Höchstens 80 Vögel wurden als Gastvögel in Mecklenburg-Vorpommern festgestellt, nur wenige davon im Binnenland. In den Niederlanden treten Spornammer alljährlich fast nur an der Küste als Durchzügler und Wintergäste von September bis April auf. In Belgien ist die Spornammer ein seltener, aber jährlich auftretender Gastvogel (im Oktober 1980 mit der Rekordzahl von 21 Individuen). In Österreich und in der Schweiz ist diese Ammernart ein unregelmäßiger und seltener Durchzügler und Wintergast ( in der Schweiz gab es 15 Nachweise bis 1998). Im ungarischen Donau-Theiß-Tiefland können Spornammer in manchen Wintern (mit bis zu 210 - 480 Einzelvögeln) in recht großer Zahl auftauchen. Vor allem an der Küste können Spornammern in Polen als alljährliche aber seltene Vögel in Trupps von bis zu 50 Individuen auftreten. In Tschechien und in der Slowakei gab es insgesamt 23 anerkannte Nachweise dieser Art.

Spornammer seitlich

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Spornammern sind Brutvögel in den nördlichsten Tundrenzonen und in der Hocharktis sowie zum Teil in der borealen Zone von Süd-Norwegen, Nord-Schweden, Nord-Finnland und Nordwest-Russland über den nördlichen Ural bis Ost-Sibirien. Außerdem kommen Spornammern in Nordamerika von Nordwest-Alaska über Nord-Kanada bis West-Grönland vor. Die südlichsten Brutgebiete liegen in der Hudsonbucht und auf den Aleuten.

Weltweit hat die Art hohe Bestandszahlen. Insgesamt schwanken die Bestandszahlen zwar stark, sie sind aber stabil. In Europa beträgt der Gesamtbestand der Art etwa 5,8- 11 Millionen Brutpaare, davon entfallen auf Russland 5- 9 Millionen, auf Grönland 0,5- 1, auf Norwegen 0,2-0,5 und auf Schweden 0,1- 0,4 Millionen. In Finnland nimmt der Bestand der Art ab und beträgt noch etwa 20.000 – 50.000 Brutpaare.
Spornammer sind Zugvögel, die offenbar hauptsächlich in östlich - südöstliche Richtung in die südliche Ukraine bis zum Kaukasusvorland, vielleicht auch nach Süd-, Mittel- und Vorderasien ziehen.

Beschreibung:
Mit 15 cm Größe und einem Gewicht von etwa 25 g sind Spornammer in etwa so groß wie Haussperlinge. Sie ähneln Rohrammern. Die Männchen haben im Brutkleid einen schwarzen Kopf und eine schwarze Kehle, aber keinen weißen Bartstreif. Der Nacken leuchtet rostbraun. Oberseits sind die Vögel dunkelbraun gestreift. Der Bauch ist weißlich mit gestreiften Flanken. Die Schwanzseiten sind auffallend weiß. Die Weibchen haben keine schwarze Zeichnung. Ihre Kehle ist weißlich, der Scheitel gestreift. Im Winterhalbjahr sind Spornammer unauffälliger gefärbt. Sie sind streifig gelblichbraun und haben zwei schmale weiße Flügelbinden. Auf den Flügeldecken sind sie kastanienbraun gefärbt, an den Flanken finden sich einige dunkle Streifen, am Nacken sind sowohl Männchen als auch Weibchen rötlichbraun gefärbt. An der Vorderbrust hat das Männchen häufig einen schmutzig streifigen Fleck.

Spornammer

Lebensraum und Nahrung:
Spornammer brüten auf kargen, freien Flächen mit höchstens niedrigem Bewuchs jenseits der Baumgrenze in der Tundra und in der hohen Fjällregion südlich der nördlichen Nadelwaldgrenze. Auf dem Durchzug halten sie sich auf kurzrasigen oder beinahe vegetationsfreien Flächen auf. An der Küste sind sie meistens im Deichvorland oder in der Salzmarsch zu finden. Sie fressen Sämereien von kleinwüchsigen Kräutern und von Gräsern. Im Sommer werden zur Brutzeit auch Insekten, vor allem Dipteren (Zweiflügler wie Mücken und Fliegen) gefressen.

Brut und Lebenserwartung:
Spornammer werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Die Männchen kommen vor den Weibchen, bei verzögerter Schneeschmelze auch gleichzeitig mit ihnen ab Ende Mai am Brutplatz an. Die Paarbildung erfolgt entweder unmittelbar vor oder während der Brutplatzbesetzung. Das Nest wird windgeschützt am Boden in der Vegetation, gern in der Nähe eines kleinen Busches, errichtet. Höhere Vegetation wird gemieden. Es besteht außen aus Halmen, Zweigen, Moos und Flechten. Die Nestmulde wird mit Haaren von Säugetieren und mit Federn ausgekleidet. Das Weibchen baut das Nest, das einen Muldendurchmesser von 6-7 cm und eine Muldentiefe von 3-5 cm hat, in durchschnittlich dreitägiger Arbeit alleine. Die Weibchen legen die 4 bis 7 ovalen, mattglänzenden, auf gelblichweißen Grund sehr variabel gefleckten Eier, meist wenige Tage nach der Ankunft ab Ende Mai/Anfang Juni bis Mitte Juli. Nur das Weibchen brütet und beginnt mit der Bebrütung vor der Ablage des letzten Eies. Nach 11- 13 Tagen schlüpfen die Jungen innerhalb von 1-2 Tagen. Beide Partner füttern die Jungen, doch nur das Weibchen hudert sie. Schon nach 10 bis 11 Tagen , bei Störungen nach früher, verlassen die Jungen das Nest und werden bald danach unter den Eltern aufgeteilt. 2- 5 Tage nach dem Verlassen des Nestes sind die Jungen flugfähig und nach 7- 10 Tagen selbstständig. Es findet nur eine Jahresbrut statt.
Die ältesten Ringvögel waren in Alaska über 6 Jahre alt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.

Sämtliche Fotos vom Männchen und Weibchen im Winterkleid: Helgoland 9/2007.



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