Textorweber

Textorweber (Ploceus cucullatus früher: Textor cucullatus)
syn. Dorfweber engl.: Village Weaver

Familie: Webervögel (Ploceidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00254

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Allgemeines:
Zu der großen Familie der Webervögel zählen insgesamt 113 Arten, die in 34 Gattungen zusammengefasst sind. Früher wurden die Webervögel zusammen mit den Sperlingen, Witwen und Prachtfinken vereint in der Familie der Webervögel geführt. Das recht verschiedene Verhalten und die inneren und äußeren Unterschiede sprechen aber dafür, diese große Familie in verschiedene Familien aufzuteilen. Fast alle Webervögel leben in Afrika, einige in Indien, auf Ceylon und Madagaskar und von Indochina bis Sumatra, Bali und Java. Das Klima dort ist tropisch oder subtropisch. Die Temperaturen betragen 10°-39° C im Schatten.

Dorfweber

Rassen und Rasengruppen:
In ihrem riesigen Verbreitungsgebiet können Textorweber nach ihrem unterschiedlichen Aussehen in drei Rassegruppen mit zehn Rassen eingeteilt werden.
Die eigentlichen Textorweber haben einen schwarzen Scheitel, eine schwarze V-Zeichnung auf dem Rücken und im Gefieder viel Kastanienbraun. Zu dieser Rassegruppe gehören die Rassen P. cucullatus cucullatus, P. cucullatus abyssinicus, P. cucullatus bohndorffi und P. cucullatus frobenii.
Die Großen Masken- oder Layardweber haben einen schwarzen Scheitel und einen geschuppten Rücken. Die Rasse P. c. nigriceps, P. c. collaris (Halsbandweber), P. c. graueri und P. c. paroptus gehören zu dieser Gruppe.
Die Gelbscheitelweber haben neben dem gelben Scheitel einen ebenfalls geschuppten Rücken. Vertreter dieser Gruppe sind P .c. spilonotus und P. c. dilutescens.

Beschreibung:
Dorfweber werden 17 cm groß; sie haben einen schwarzen Kopf. Bei den eigentlichen Textorwebern ist der Hinterkopf gelb bis kastanienbraun. Bei den Großen Maskenwebern reicht das Schwarz bis in den Nacken und bei den Gelbscheitelwebern sind Oberkopf und Stirn gelb.
Der Rücken des Dorfwebers ist goldgelb und schwarz geschuppt, die Rassengruppe eigentliche Textorweber hat auf dem Rücken eine schwarze V-Zeichnung. Die Rasse Halsbandweber kennzeichnet eine kastanienbraune Brust, alle anderen Rassen haben eine gelbe bis orangebraune Brust.
Die Schwarzfärbung von Kehle und Kinn zieht sich keilförmig bis ins Brustgefieder. Die übrige Unterseite ist leuchtend gelb. Oberschwanzdecken, Schwanz und Bürzel sind unterschiedlich gefärbt und können gelb, aber auch olivgrün und schwärzlichgrün sein. Flügel und Flügeldecken sind schwarz und mit gelben Säumen versehen, die mal schmal oder mal breiter sind. Der Schnabel beim Dorfweber ist schwarz, die Augen sind rot, bei der Rasse Halsbandweber gelb. Die Füße sind bräunlich. Jungvögel, Weibchen und Männchen im Ruhekleid sind auf der Oberseite braun bis olivgrün; Rücken und Flügeldecken sind dunkel längsgestreift. Die Unterseite ist gelblich bis weiß.

Verbreitung und Bestand:
Dorf- oder Textorweber sind in Afrika südlich der Sahara westlich vom Senegal bis östlich nach Äthiopien verbreitet (eigentliche Textorweber). Die Großen Masken- oder Layardweber
kommen im südlichen Somalia und in Ost-Kenia vor, sind in Tansania und bis zum südlichen Zaire verbreitet und in Sambia und in Mozambique zu finden. Der Halsbandweber ist im südwestlichen Afrika von Gabun bis Angola beheimatet. Das Vorkommen der Gelbscheitelweber erstreckt sich vom Süden Mozambiques bis zur östlichen Kapprovinz. Zudem sind Textorweber noch eingebürgert worden auf Haiti, Sao Tome, Mauritius und in der Reunion.

Lebensraum:
Die anpassungsfähigen Dorfweber kommen in vielen Lebensräumen vor. Man findet sie besonders in der Nähe von Dörfern (Name!) in der Kulturlandschaft. Daneben sind sie in der Nähe von Gewässern, an Ufern, Waldrändern, in der Savanne und an der Küste anzutreffen.

Nahrung:
Wie fast alle Webervögel sind Dorfweber überwiegend Körnerfresser, die von Grassamen, Hirse und anderen mehlhaltigen Sämereien leben. Da sie
in Anbaugebieten des Menschen auch über Weizen, Reis, Hirse und Glanz in oft gewaltigen Schwärmen herfallen, können sie große Ernteschäden anrichten und werden deshalb in manchen Regionen entsprechend verfolgt. Außer Sämereien fressen Dorfweber auch süße Früchte. Die Jungen werden mit Insekten großgezogen.

Stimme und Lautäußerungen:
Der Dorfweber ist sehr lautfreudig, vor allem in der Nähe der Brutkolonien. Das Gekreisch ist schon aus größerer Entfernung wahrzunehmen. Die Vögel schnarren, quietschen, kreischen und zischen und hören sich nicht angenehm an. Der Flugruf hört sich an wie „cluck“.

Fortpflanzung:
Textorweber leben oft in großen Kolonien zusammen und brüten gern auf Affenbrotbäumen, auf Palmen, aber auch auf anderen Bäumen und im Gebüsch. Die Brutkolonien sind das ganze Jahr hindurch von vielen Dutzenden und manchmal auch Hunderten von Vögeln besetzt, die von früh bis spät durch lautes Gezwitscher auf sich aufmerksam machen. Das runde Nest wird aus Streifen von Palmblättern, aus Fasern und Gräsern hergestellt und mit Rispen gepolstert. Die Nester sind wie bei allen Webervögeln extrem haltbar und kunstvoll. Beim Nestbau beginnt das Männchen mit dem Flechten eines aufrecht stehenden Ringes zwischen dem Gezweig. Dieser Ring ist die Basis für die weitere Arbeit am Nest. Auf der einen Seite des Beutelnestes wird eine Brutkammer gebaut, auf der anderen der Einschlupf geformt. Der Einschlupf ist von unten im Nest erreichbar und wird oft durch grüne Gräser getarnt. Oben ist das Nest mit einer kürzeren Röhre versehen, an der es aufgehängt wird. Die Männchen bauen oft eine ganze Reihe von Nestern, die die Weibchen schließlich auspolstern. Die Weibchen legen 2-4, meistens 3 Eier, die sehr unterschiedlich gefärbt sind. Nach 14 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach 3 weiteren Wochen ausfliegen. Nur die Weibchen brüten und auch das Füttern der Jungen übernimmt fast ausschließlich das Weibchen, während die Männchen das Nest bauen und ausbessern und bewachen.

Besonderheiten:
Der Goldkuckuck (Chrysococcyx caprius) ist ein Brutparasit, dessen Weibchen jeweils ein einzelnes Ei in die Nester von Dorfwebern legt. Die Eier des Dorfwebers werden aus dem Nest entfernt. Nach 14 bis 15 Tagen schlüpfen die jungen Goldkuckucke und werden dann von den Elternvögeln der Webervögel aufgezogen. Nach rund 20 bis 22 Tagen ist der Jungvogel flügge.
Auf den Brutparasitismus des Goldkuckucks haben sich Dorfweber im Laufe der Evolution immer besser einzustellen gelernt und eine Abwehr entwickelt. Sie legen individuell markierte, gefärbte oder gefleckte Eier und können diese von den Goldkuckuckseiern unterscheiden. Auf Inseln wie Mauritius, auf denen es keine Goldkuckucke gibt und Dorfweber eingeführt wurden, entwickeln sich die individuellen Markierungsmuster der Dorfwebereier zurück. Die Eier sind nicht mehr so stark gefleckt und gefärbt wie die Eier der Dorfweber aus Gambia oder anderen Ländern mit Goldkuckucksvorkommen.

Sämtliche Fotos entstanden in Gambia und zeigen Vögel der Rassegruppe der eigentlichen Textorweber.


Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Bielfeld, Horst: Weber, Witwen, Sperlinge, Stuttgart.

Weitere Fotos vom Textorweber: Naturschule

Weitere Fotos des Autos von Webervögeln: Alektoweber Blutschnabelweber Oryxweber



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