Schmetterlingsfink

Schmetterlingsfink (Uraeginthus bengalus)
engl.: Red-cheeked Cordon- bleu

Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00252

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Allgemeines:
Zur Familie der Prachtfinken gehören 131 Arten, die in 49 Gattungen zusammengefasst werden. Der Schmetterlingsfink gehört mit weiteren 2 Arten (Angola-Schmetterlingsfink und Blaukopf-Schmetterlingsfink) zur Gattung Uraeginthus, Blauastrilde, die in der Blaufärbung einiger Gefiederpartien miteinander ähnlich sind, doch im Punktemuster der Rachenzeichnung und in den Lautäußerungen stark voneinander abweichen.

Beschreibung:
Sämtliche Fotos stammen von der Unterart Uraeginthus bengalus bengalus und wurden in Gambia aufgenommen. Die Vögel dieser Unterart werden 12 cm groß. Gesicht, Kehle, Kinn, Brust, Flanken und Bürzel sowie die Oberschwanzdecken und Schwanzfedern sind hellblau. Entlang der Schäfte und zum Ende hin sind die Schwanzfedern dunkler blau gefärbt. Der Oberkopf, die Stirn, der Nacken, der Rücken, die Flügel, der Bauch und die Unterschwanzdecken sind rötlich graubraun gefärbt. Die Unterseite ist etwas heller. In der Ohrgegend befinden sich beim Männchen große, blutrote ovale Flecken (englischer Name!). Der rötliche Schnabel hat auf der oberen Hälfte eine schwarze Spitze und schwärzliche Schneiden. Gelbliche Lidringe zieren die rotbraunen Augen. Die Füße sind hell fleischfarben.
Die Weibchen sind gefärbt wie die Männchen, allerdings ist das Blau etwas matter und weniger ausgedehnt. Die roten Wangenflecke fehlen.

Schmetterlingsfink am Boden

Unterarten und ihre Verbreitung:
Der Schmetterlingsfink kommt in 8 Unterarten vor.
Uraeginthus bengalus bengalus kommt von westlichen Senegal bis zum südlichen Sudan und bis ins nördliche Zaire vor.
Uraeginthus bengalus perpallidus ist vom Südosten der Republik Niger und von den nordöstlichen Teilen Nigerias und dem Norden Kameruns durch den Tschad und den Sudan bis zum Norden Äthiopiens verbreitet.
Die oberen Gefiederpartien sind nicht rötlich-graubraun, sondern gelblich-grauer graubraun.
Uraeginthus bengalus schoanus bewohnt den größten Teil Äthiopiens und den Nördlichen Teil Kenias.
Oberseits ist diese Unterart reiner braun gefärbt, das blaue Gefieder leuchtet mehr und ist ausgedehnter.
Uraeginthus bengalus ugandae lebt in Uganda, in angrenzenden Gebieten des Sudans und in Zaire.
Die Männchen sehen sehr unterschiedlich aus, weil sie mit drei anderen Unterarten zusammenstoßen. Sie bilden mehr oder weniger Mischpopulationen. Die Weibchen zeigen braune Wangenstreife.
Uraeginthus bengalus brunneigularis besiedelt das Hochland des südwestlichen Kenia.
Die Männchen ähneln der Unterart U. u. schoanus, haben eine mittelbraune Oberseite, sind an Bauch und Unterschwanzdecke etwas heller und ihr Blau leuchtet intensiv. Bei den Weibchen sind Kopfseite, Kehle und Kinn völlig braun.
Uraeginthus bengalus littoralis ist vom äußersten Süden Somalias durch die Küstengebiete Kenias bis zum Norden Tansanias anzutreffen.
Diese Unterart ist mit 11 cm etwas kleiner. Die Männchen sind in allen Farben blasser und die roten Ohrflecken sind merklich kleiner.
Uraeginthus bengalus ugogoensis kommt von Ruanda und Burundi bis zum südwestlichsten Teil Kenias vor und dringt südwärts bis zum mittleren und südwestlichen Tansania vor.
Bei dieser Unterart sind die braunen Gefiederpartien am meisten gelblichgrau. Die Weibchen haben zudem einen gelblichgrauen Streifen vom Schnabelwinkel bis zu den Kehlseiten.
Uraeginthus bengalus katangae hat ein Verbreitungsgebiet, das sich vom Südwesten Zaires durch den nordwestlichen und nordöstlichen Teil Sambias erstreckt.
Die Männchen haben dunkelrote Ohrflecken. Die Weibchen haben die blaue Färbung nur im Gesicht, an Kinn und Kehle. Das Blau kann sehr intensiv sein.

Lebensraum:
Die anpassungsfähigen Schmetterlingsfinken kamen ursprünglich wohl vor allem in der Trockenbuschsavanne mit Dornbuschdickichten, im lichten Akazienwald und dornigem Ufergebüsch vor. Heute findet man sie häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen, wo sie sich in Gartenhecken und an Weg- und Feldrändern aufhalten und recht zutraulich werden.

Bestand:
Überall in seinem Verbreitungsgebiet scheint der Schmetterlingsfink häufig zu sein. In den küstennahen Regionen Gambias ist der Schmetterlingsfink oft mit dem Senegalamarant, mit Schönbürzeln und Kleinelstern vergesellschaftet, erreicht diese aber an Anzahl nicht.

Nahrung:
Schmetterlingsfinken fressen alle möglichen Grassamen auch in gekeimten Zustand. Besonders Hirse mögen sie. Auch Samen anderer Art nehmen sie auf. Neben pflanzlicher Nahrung nehmen diese Prachtfinken auch Insekten, besonders Termiten, zu sich. An die Jungen wird in den ersten Lebenstagen fast ausschließlich tierische Nahrung verfüttert.

Stimme und Lautäußerungen:
Häufig hört man ein hohes, kurzes „sit“ oder „sitt-sitt“ als Kontaktruf der Art. Der Warnruf „tjäck-tschäck-tschäk“ kann sich zu einem schnarrenden Schimpfen steigern. Der kurze heisere Gesang ist eine gequetscht klingende Strophe, die oft variiert wird und sich anhört wie „sii-didürü-zrü“ oder ähnlich. Auch das Weibchen singt vor allem während der Balz und wenn es noch keinen Partner hat.

Fortpflanzung:
Der Schmetterlingsfink brütet mit Vorliebe in der Nähe von Wespen- oder Hornissennestern, die Schutz vor Feinden gewähren. Das birnenförmige Nest wird im dichtesten Dorngebüsch oder im Dorngezweig von Bäumen aus weichen Gräsern, die netzartig verflochten werden, von beiden Eltern errichtet. Das Nest hat einen seitlichen Eingang und einen röhrenartigen Vorbau. Mit Rispen und Federchen wird die Nestmulde ausgepolstert. Beide Elternteile bebrüten die meistens 4-5 Eier, aus denen die Jungen nach elf Tagen schlüpfen. In den ersten 8 Tagen werden die kleinen Jungen noch gehudert; nach 16-19 Tagen fliegen sie aus; sie bleiben aber noch lange bei den Eltern. Nach der Brutzeit halten die Familien zusammen und bilden kleine Fluggruppen, nicht große Schwärme wie manche anderen Prachtfinken oder Webervögel.

Besonderheiten:
Der Schmetterlingsfink wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts exportiert und als Volieren- oder Käfigvogel gehalten. Er dürfte bei Haltern einer der beliebtesten Prachtfinken sein.

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bielfeld, Horst: Das Prachtfinkenbuch, Stuttgart, 1996.

Weitere Fotos: Naturschule

Weitere Fotos von Prachtfinken:



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