Kleinelsterchen

Kleinelsterchen (Spermestes cucullatus syn. Lonchura cucullata)
engl.: Bronze Mannikin

Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00250

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Allgemeines:
Die Familie der Prachtfinken, zu der das Kleinelsterchen gehört, besteht aus 131 Arten, die in 49 Gattungen zusammengefasst werden (nach Wolters). Das Kleinelsterchen gehört mit dem Glanzelsterchen (Spermestes bicolor) und dem Riesenelsterchen (Spermestes fringilloides) zur Gattung der Elsterchen (Spermestes). Alle drei Elsterchen sind afrikanische Prachtfinkenarten, die südlich der Sahara vorkommen.
Prachtfinken sind nur in den wärmeren Gebieten der Alten Welt verbreitet. In Amerika kommen sie ebenso wenig vor wie in Europa. Die meisten Arten leben in Afrika, insgesamt 63. In Süd- und Südostasien einschließlich der Inseln Indonesiens und der Philippinen, in Australien und auf den Inseln Neuguineas sowie auf vielen Inseln des Westpazifiks leben weitere Prachtfinkarten.

Die Jungen aller Prachtfinken haben bemerkenswerte Rachenzeichnungen. Bei fast allen Arten haben die Jungen dunkle Flecken oder Striche im gelb, rötlich, weißlich oder hellblau gezeichneten Rachen. Auch auf der Zunge finden sich diese Flecken. Diese Rachenzeichnungen lösen wahrscheinlich erst den Fütterungstrieb der Eltern aus. Neben den Rachenzeichnungen haben Prachtfinkenjunge häufig auch hirsekorngroße Warzen in den Schnabelwinkeln, die Papillen. Diese sind zu zweit oder dritt angeordnet und bilden oft einen Farbkontrast zu ihrer Umgebung. Auch sie scheinen den Zweck zu erfüllen, „den Weg in den Rachen zu weisen“. Die Rachenzeichnungen bleiben auch im Erwachsenenalter erhalten, die Papillen schrumpfen dagegen und verschwinden.

Prachtfinken sind beliebte Brutwirte der Witwen, einer Vogelfamilie, die mit den Webervögeln nahe verwandt ist. Die jungen Witwen weisen die gleichen Rachenzeichnungen auf wie die Jungen der Wirte. Witwen legen jeweils nur ein Ei in das Nest ihres Wirtes. Das Ei gleicht dem Wirtsei völlig, ist nur etwas größer. Die jungen Witwen wachsen gemeinsam mit den Prachtfinken auf, sie werfen also ihre Stiefgeschwister nicht wie die Jungen unseres Kuckucks aus dem Nest. Die meisten Witwenvögel sind spezialisiert auf nur eine oder wenige Prachtfinkenarten.

Unterarten und ihre Verbreitung:
Kleinelsterchen kommen in drei Unterarten vor. Die Unterart Spermestes cucullatus cucullatus hat ein riesiges Verbreitungsgebiet und kommt vom Senegal und von Gambia ostwärts bis zum südlichen Sudan und bis nach Uganda vor, südwärts bis zum südwestlichen Kenia, nordwestlichen Tansania und nördlichen und östlichen Zaire. Außerdem wurde diese Unterart auf den Komoren eingebürgert wie auch in Puerto Rico. Die hier veröffentlichten Fotos stammen von dieser Unterart und wurden in Gambia aufgenommen.
Die Verbreitung der Unterart Spermestes cucullatus tessellatus reicht am weitesten in den Süden Afrikas. S. c. tessellatus ist in Angola, im südlichen Zaire, in Sambia, in Simbabwe, im westlichen und südlichen Mosambik und im Osten von Südafrika zu finden. Bei dieser Unterart ist der Übergang vom schwarzen Kopfgefieder zum braunen Rückengefieder fließend. Der lila Glanz von Kehle und Vorderbrust ist weniger ausgeprägt und die Querwellung von Oberschwanzdecken und Bürzel ist feiner.
Die dritte Kleinelsterchen-Unterart Spermestes cucullatus scutatus kommt im östlichen Afrika vor und ist vom Osten des Sudans und Äthiopiens durch den Nordosten Ugandas, durch Kenia und Tansania bis Malawi, dem östlichen Sambia und bis nach Mosambik zu finden.
Bei dieser Unterart sind die Vorderbrust und die Kehle brauner und glänzen auch nicht so stark.

Beschreibung:
Kleinelsterchen werden mit 9- 10 cm so groß wie Goldhähnchen. Kopf und Kehle sind schwarz mit grünlichem Glanz am Kopf und lila Glanz an der Kehle. Der Rücken, die Flügeldecken und die Schwingen sind dunkel braun. An den Schultern fällt ein schmaler glänzender, grünlicher Fleck auf. Die Oberschwanzdecken und der Bürzel sind weißlichgrau und schwarzbraun quergebändert und gefleckt. Dunkle Querbänder weisen auch die Flanken und die Unterschwanzdecken auf. Brust und Bauch sind weiß. Der Schnabel ist auf der oberen Seite schwarz, der Unterschnabel dagegen ist hell blaugrau. Die Augen sind schwarzbraun, die Füße hellgrau.
Die Geschlechter sind sich sehr ähnlich und weisen die gleichen Farben im Gefieder auf. Allerdings schillern die Weibchen weniger grünlich als die Männchen. Jungvögel sind oberseits mattbraun und auf der Unterseite heller graubraun als die Altvögel. Der ganze Schnabel ist zudem graubraun.


Lebensraum und Häufigkeit:
Steppen, Savannen, lichte Waldgebiete, Gebüsche sowie Flussläufe und Sümpfe in Galeriewäldern werden ebenso bewohnt wie Plantagen, Felder und verwilderte Gärten. In den Ortschaften sind Kleinelsterchen oft sehr zutraulich und lassen Menschen auf wenige Meter an sich herankommen. In Gambia begegneten mir Kleinelsterchen neben Senegalamaranten und Schönbürzeln von allen Prachtfinken am zahlreichsten. Mehr oder weniger häufig sind Kleinelsterchen in ihren gesamten riesigen Verbreitungsgebieten anzutreffen.

Nahrung:
Die Hauptnahrung der Kleinelsterchen sind Grassamen, die sie vor allem am Boden auflesen oder kletternd aus den Rispen klauben. Auch halbreife Rispen werden geerntet. Termiten gehören zur Lieblingsnahrung und werden besonders im Fluge erbeutet. In der Trockenzeit fallen die geselligen Vögel bisweilen in Hirsefeldern, die nicht bewacht werden, ein und richten auch größere Schäden an.

Stimme und Lautäußerungen:
Ein kurzes, flüchtiges Trillern wie „rreep-trreep“ hört man von allen Mitgliedern des Schwarms, wenn dieser vorbeifliegt. Rufe, die wie „tsek“ und „tschick, tschik“ klingen, lassen Vögel auf Zweigen und Ästen sitzend vernehmen. Der Gesang des Männchen ist ein leises und schnelles Zwitschern, das sich wie „tschi-tschu, tschiritzie, tschiri-tschu“ anhört. Zur Warnung werden ein paar harte Laute ausgestoßen, die wie „tschiep-tschiep“ klingen.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht:
Kleinelsterchen bauen ein rundes Nest mit einem engen seitlichen Einschlupf. Man findet es oft in dichtem Gebüsch in der Nähe eines Wespennestes. Auch in Astquirlen sind die Nester in einer Höhe von mindestens 2 m zu finden. Weitere Neststandorte können Blattquirle von Palmen, Dächerüberstände, Löcher in Hauswänden und Rankpflanzen sein. Beide Partner bauen am Nest. Der eine Partner trägt frische Grashalme und Blätter herbei, der andere verarbeitet das Material. Manchmal werden auch die überall vorhandenen Nester der Webervögel ausgebaut.
Durchschnittlich aus 4-6 Eiern besteht das Vollgelege. Männchen und Weibchen brüten beide. Nach 12- 13 Tagen schlüpfen die Jungen, die frühestens nach 21 Tagen, spätestens nach 28 Tagen und meistens nach 25-26 Tagen ausfliegen. Nach dem Ausfliegen übernachten die Jungen erst noch weiter im Nest. Noch 2-3 Wochen werden sie von den Eltern umsorgt.

Lebenserwartung:
Die durchschnittliche Lebenserwartung des Kleinelsterchens und weiterer Prachtfinken dürfte geringer als zwei Jahre sein. In der Natur sind sie sehr vielen Gefahren ausgesetzt. Schlangen, Echsen, Greifvögel und Säugetiere stellen ihnen nach, aber auch schwere Unwetter, die in den Tropen gewaltig sein können, kosten oft zahlreichen Prachtfinken das Leben. In Gefangenschaft werden Kleinelsterchen aber wesentlich älter und erreichen fast immer ein Alter von mindestens 7 Jahren, was bisweilen auch in Freiheit erreicht wird.

Besonderheiten:
Kleinelsterchen sind beliebte Stubenvögel und werden wie viele Prachtfinken auch gerne von Liebhabern in Volieren gehalten. Schon um 1860 kamen die ersten Vögel nach Europa und wurden bald darauf –erstmals 1867- gezüchtet. Kleinelsterchen können leicht eingewöhnt werden und sind nicht ganz so wärmebedürftig wie andere Prachtfinken. Allerdings sollten auch sie nicht unter 15° C gehalten werden.

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bielfeld, Horst: Das Prachtfinkenbuch, Stuttgart, 1996.



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