Senegalamarant

Senegalamarant (Lagonosticta senegala)
engl.: Red-bellied Firefinch

Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00249

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Allgemeines:
Zur Familie der Prachtfinken gehören 131 Arten, die in 49 Gattungen zusammengefasst werden. Der Senegalamarant gehört mit weiteren 8 Arten (Schwarzkehlamarant, Rosenamarant, Larvenamarant, Dunkelroter Amarant, Landana-Amarant, Schwarzbauchamarant, Pünktchenamarant und Großer Pünktchenamarant) zur Gattung der Amaranten (Lagonosticta), die alle viel Rot im Gefieder haben.

Beschreibung:
Alle Fotos stammen von der Unterart Lagonosticta senegala senegala und wurden in Gambia aufgenommen. Die Vögel dieser Unterart werden 9,5 cm groß. Kopf, Nacken, Brust und Kehle, vorderer Bauch, Bürzel und Oberschwanzdecken sind beim Männchen lebhaft rot. Auf der Brust hat Lagonosticta senegala senegala wenige kleine weiße Punkte, die mitunter ganz fehlen. Rücken und Flügeldecken sind gelblich-braun, der hintere Bauch und die Unterschwanzdecken mehr graubraun. Die Schwingen weisen schmale, gelbbraune Außensäume auf, die Schwanzfedern sind dunkel graubraun. Der Schnabel ist rot, ein schwarzer Längsstrich zieht sich durch die Mitte vom Ober- und Unterschnabel. Die rotbraunen Augen werden von einem gelben Lidring eingefasst. Die Farbe der Füße ist hell graubraun.

Die Weibchen sind gelblichgrau, haben einen roten Schnabel und rote Zügel, die in roten Oberaugenstreifen auslaufen. An den Wangen, an den Halsseiten und in der Ohrgegend können rote Federspitzen vorhanden sein. Die Oberschwanzdecken und der Bürzel sind auch beim Weibchen rot. Die weißen Punkte auf den Brustseiten und der Brustmitte sind auch beim Weibchen oft vorhanden; sie können aber auch fehlen.

Unterarten und ihre Verbreitung:
Der Senegalamarant kommt in 9 Unterarten vor.
Lagonosticta senegala senegala kommt von Mauretanien, Senegal und Gambia bis zum südlichen Mali, südwestlichen Niger und dem nordwestlichen Nigeria vor.
Lagonosticta senegala guineensis ist in Westafrika von Togo, Guinea und Sierra Leone bis zum südlichen Senegal verbreitet.
Lagonosticta senegala rhodopsis bewohnt das mittlere und südöstliche Niger, das nordöstliche Nigeria und nördliche Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, den größten Teil des Sudans und die südliche Hälfte des Tschads.
Lagonosticta senegala brunneiceps lebt in Äthiopien und im Sudan östlich des Nils.
Lagonosticta senegala somaliensis besiedelt das südliche Somalia sowie das nördliche und nordöstliche Kenia.
Lagonosticta senegala zetlitzi ist beschränkt auf das südöstliche Kenia, das östliche Tansania und den äußersten Nordosten Mosambiks.
Lagonosticta senegala rendalli ist vom südlichen Tansania durch das östliche Simbabwe bis ins nördliche Mosambik zu finden.
Lagonosticta senegala pallidicrissa kommt vom Süden Angolas und dem Norden Namibias durch den westlichen Teil Simbabwes und dem südlichen Mosambik bis weit nach Südafrika vor.
Lagonosticta senegala ruberrima ist verbreitet vom südlichen Sudan und vom Westen Kenias und Tansanias durch den Norden Malawis und Simbabwes durch Sambia und den Nordosten Angolas sowie durch Südost und Ostzaire bis Uganda.

Lebensraum:
Die Savannen und Steppen mit zum Teil dichtem Dorngebüsch sind der natürliche Lebensraum des Senegalamaranten. Besonders häufig kommen diese Prachtfinken in Galeriewäldern und Akaziendickichten vor. Als ausgesprochener Kulturfolger, der die Nähe des Menschen mit seinen Wasserstellen und Nahrungsvorräten liebt, ist der Senegalamarant heute fast überall in kleinen Ortschaften und in den Vororten großer Städte auf Höfen und Straßen anzutreffen.

Bestand:
Fast überall in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet sind diese Vögel häufig. In den küstennahen Regionen Gambias ist der Senegalamarant oft mit Schönbürzeln, Schmetterlingsfinken und Kleinelstern vergesellschaftet, von allen Prachtfinken ist er aber wohl die häufigste Art.

Nahrung:
Senegalamaranten fressen alle möglichen Grassamen auch in gekeimten Zustand. Besonders Hirse mögen sie. Auch Samen anderer Art nehmen sie auf. Neben pflanzlicher Nahrung nehmen diese Prachtfinken auch tierische Nahrung zu sich. Vor allem an die Jungen werden kleine Insekten verfüttert.

Stimme und Lautäußerungen:
Ein weiches „dii“ oder „wui“ ist der Lock- und Stimmfühlungslaut. Mit einem oft wiederholtem „zeck“, oder „tack“ warnen sich die Vögel. Ein melodisches, lang gezogenes und mehrfach wiederholtes „tsäwied“ macht den Gesang des Senegalamaranten aus. Dieser Gesang wird auch vom Weibchen vorgetragen.

Fortpflanzung:
Der Senegalamarant brütet gern in der Nähe des Menschen in Gartenhecken, unter Strohdächern und selbst in Gebäuden. Auch in dichten Büschen und zwischen Grasbüscheln am Boden bauen diese Prachtfinken ihre Nester, die die Form von kleinen Kugeln haben. Der seitliche Einschlupf wird mit überstehenden Grashalmen verdeckt. Zum Auspolstern des Nestes verwenden Senegalamaranten kleine Federn, Tierhaare und Pflanzenwolle. Meistens legt das Weibchen 3-4 Eier, aus denen die Jungen schon nach 11 Tagen schlüpfen. Beide Eltern brüten. Mit 18 Tagen sind die Jungen flügge, werden aber noch etwa zwei Wochen von den Altvögeln gefüttert. Die Brutzeit fällt in die Regenzeit, die je nach der Verbreitung in unterschiedliche Jahreszeiten fällt. Als Kulturfolger ist der Senegalamarant heute aber vielerorts auch zum Dauerbrüter geworden, der nicht mehr an die Regenzeit gebunden ist.

Besonderheiten:
Ein Charakteristikum junger Prachtfinken ist die dunkle Linien- und Punktzeichnung ihres Sperrrachens. Das Grundmuster ist allen Prachtfinkenjungvögeln gemeinsam und besteht aus fünf Punkten rechts und links der Zungenbasis und einem halbmondförmigen Bogen auf der Innenseite des Unterschnabels. Bei den unterschiedlichen Prachtfinkenarten wird dieses Schema auf vielfältige Weise abgewandelt. Die Eltern können dieser Rachenzeichnung, die es –mit einer Ausnahme- nur bei Prachtfinken gibt, nicht widerstehen.
Dennoch können Prachtfinken nie ganz sicher sein, dass sie nur ihre eigenen Jungen füttern. Eine Vogelfamilie, die der Witwen, hat sich nämlich darauf spezialisiert, ihre Eier in die Nester von Prachtfinken zu legen und ihre Jungen von Prachtfinken aufziehen zu lassen. Im Unterschied zu Kuckucken schmeißen Witwenjunge ihre Stiefgeschwister nicht aus dem Nest, sondern werden gemeinsam mit diesen aufgezogen. Möglich wird das dadurch, dass die jungen Witwen vollkommene Kopien der jungen Prachtfinken sind und über dasselbe Rachenmuster verfügen.
Der Senegalamarant ist Wirtsvogel für die Rotfuß-Atlaswitwe (Hypochera chalybeata).

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bielfeld, Horst: Das Prachtfinkenbuch, Stuttgart, 1996.
Schleussner, Günther: Prachtfinken, Stuttgart, 2001.



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