Rotbrust-Samenknacker

Rotbrust-Samenknacker (Spermophaga haematina)
engl.: Western Bluebill

Gattung: Samenknacker (Spermophaga)
Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00248

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Allgemeines:
Zur Familie der Prachtfinken gehören 131 Arten, die in 49 Gattungen zusammengefasst werden. Die drei afrikanischen Samenknacker-Arten, Grantsamenknacker (Spermophaga poliogenys), Rotbrust-Samenknacker (Spermophaga haematina) und Rotkopf-Samenknacker (Spermophaga ruficapilla) bilden eine Gattung.

Verbreitung und Bestand:
Rotbrust-Samenknacker kommen in drei Unterarten vor. Die Unterart Spermophaga haematina haematina ist im Westen Afrikas vom südlichen Senegal und von Gambia über Guinea-Bissau, Guinea und die Elfenbeinküste bis nach Ghana verbreitet; die Unterart Spermophaga haematina pustulata kommt vom Südosten Nigerias durch Kamerun und Gabun und durch große Teile Zaires südlich bis zum Norden Angolas vor. Die dritte Unterart Spermophaga haematina togoensis gilt als Mischform der beiden anderen Unterarten und lebt vom Süden Togos bis zum Südwesten Nigerias.
Örtlich sind Rotbrust-Samenknacker relativ gut vertreten, da sie aber versteckt leben und scheu sind, sieht man die Vögel nur sehr selten. In Gambia und im Senegal sind Rotbrust-Samenknacker seltene Vögel dichter Wälder (Barlow).

Beschreibung der Unterart Spermophaga haematina haematina :
Rotbrust-Samenknacker werden 14-15 cm groß. Das Männchen ist ganz schwarz gefärbt, nur
Brust, Kinn und Kehle sowie Teile der vorderen Flanken sind purpurrot. Der Schnabel ist stahlblau gefärbt (englischer Name!), an der Spitze und an den Schnabelseiten ist er rötlich. Bei jungen Männchen fehlt die rote Spitze, auch sind sie roten Anteile insgesamt schwärzlicher. Die Augen sind braun und haben weiße bis bläulichweiße Lidringe. Die Füße sind schwarzbraun.. Weibchen ähneln den Männchen, doch ist das Gefieder nie glänzend schwarz, sondern höchstens mattschwarz oder bräunlich. Am Bauch sind Weibchen tropfenförmig weiß gefleckt. Diese Fleckung ist bei allen Unterarten zu finden.

Die Unterart Spermophaga haematina pustulata unterscheidet sich dadurch, dass das Männchen rot verwaschene Wangen, rote Oberschwanzdecken und ausgedehnt rote Flanken hat. Das Weibchen hat ein rötlichbraunes Kopfgefieder und rote Oberschwanzdecken.
Die Fotos zeigen ein Weibchen der Unterart Spermophaga haematina haematina in Gambia.
Die Männchen der Unterart Spermophaga haematina togoensis liegen in ihrer Färbung zwischen den Farben der beiden anderen Unterarten. Die Oberschwanzdecken sind rötlich schwarz vermischt.
Wie bei allen Prachtfinken haben auch die Nestlinge der Rotbrust-Samenknacker besondere Punktmuster im Rachen. Auf dem gelben Gaumen sind drei schwarze Punkte und an der Innenseite des Oberschnabels finden sich an den Wülsten in den Schnabelwinkeln zwei weitere etwas längliche schwarze Gaumenpunkte. In der Spitze des Oberschnabels verlaufen zwei kräftige schwarze Striche. Im Unterschnabel befindet sich eine schwarze halbmondförmige Zeichnung.

Rotbrust-Samenknacker

Lebensraum:
Rotbrust-Samenknacker sind Vögel des Dickichts und in Gebüschen an Waldrändern und auf Lichtungen zu finden. Gern halten sie sich in der Nähe von Wasser oder von sumpfigem Gelände auf.

Nahrung:
Rotbrust-Samenknacker ernähren sich trotz des recht klobigen Schnabels in erster Linie von kleinen Kräuter- und Gräsersamen. Auch frische Triebe und Knospen werden gefressen. Sowie Insekten und Spinnen.

Stimme und Lautäußerungen:
Der typische Kontaktruf ist ein knappes „chip“ oder „tsik“. Als Warnruf ist ein hartes „tzeck“ zu hören. Sowohl Männchen als auch Weibchen singen. Der Gesang besteht aus einer schnellen Folge von pfeifenden, trillernden, flötenden, quietschenden und knarrenden Lauten. Beim Männchen dauert der Gesang länger als beim Weibchen und überschlägt sich manchmal fast in seinem Tempo. Nestjunge Vögel betteln „zipp-zipp-zipp“.

Paarbildung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Das Männchen schleppt Nistmaterial an, das das Weibchen zu einem umfangreichen, dickwandigen Nest zusammenfügt Es besteht vor allem aus Laub, trockenen Gräsern und trockenen Kräuterstängeln. Das Nest hat einen seitlichen Einschlupf mit einer kurzen Röhre oder ganz ohne Röhre. Das Nest wird in Bodennähe im dichten Gebüsch errichtet. Meist legt das Weibchen vier Eier, die von beiden Partnern ausgebrütet werden. Nachts brütet allein das Weibchen, tagsüber brüten die Männchen mehr. Die Vögel brüten in der jeweiligen lokalen Regenzeit. Nach etwa 17-19 Tagen schlüpfen die Jungen und werden danach in den ersten 5-6 Tagen gehudert. Nach weiteren 23 Tagen fliegen die Jungen aus. Sie werden noch etwa zwei Wochen weiter von den Altvögeln betreut, bevor sie völlig selbstständig sind.

Besonderheiten:
Wie die meisten Prachtfinken werden auch Rotbrust-Samenknacker von Liebhabern gepflegt.
In größerer Zahl kamen diese Vögel 1878 durch den Importeur Fockelmann nach Deutschland.

Prachtfinken:
http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/003/00247-Schoenbuerzel/HWG00247-Schoenbuerzel.html

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bielfeld, Horst: Das Prachtfinkenbuch, Stuttgart, 1996.



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