Schönbürzel

Schönbürzel (Glaucestrilda caerulescens)
engl.: Lavender Waxbill

Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00247

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Allgemeines:
Zur Familie der Prachtfinken gehören 131 Arten, die in 49 Gattungen zusammengefasst werden. Die drei afrikanischen Schönbürzel-Arten, Cinderella-Schönbürzel, Schwarzschwanz-Schönbürzel und Schönbürzel bilden zusammen eine dieser 49 Gattungen.

Beschreibung:
Schönbürzel erreichen eine Körperlänge von 10 cm. Männchen und Weibchen lassen sich optisch nicht sicher auseinander halten. Die Vögel sind überwiegend hellgrau gefärbt, die Bauchregion ist dunkler grau. Auch Füße und Beine sind dunkelgrau. Im Kontrast zum sonst grauen Federkleid stehen Bürzel und Schwanz, die weinrot gefärbt sind. Ein schwarzer Streifen zieht sich vom schwarzroten Schnabel durch das Auge bis ein wenig darüber hinaus.

Verbreitung und Bestand:
Die Heimat des Schönbürzels ist Westafrika vom Senegal und von Gambia durch den Norden Nigerias und Kameruns bis zum Südwesten des Tschads. Dort kommt er in unterschiedlicher Häufigkeit vor. In den Küstenregionen Gambias ist der Schönbürzel häufig und selbst in den Hotelgärten in Gesellschaft mit Kleinelsterchen, Senegal-Amaranten und Schmetterlingsfinken zu finden.

Lebensraum:
Halboffenes Gelände ist der ideale Lebensraum des Schönbürzels, doch bewohnen die Vögel die unterschiedlichsten Lebensräume. Sie klettern in Sträuchern und Gebüschen herum und suchen in den Grasständen nach Nahrung. Zur Nahrungssuche kommt diese Prachtfinkenart auch in die Plantagen, Felder und Gärten.

Schönbürzel

Nahrung:
Die Samen von Rispengräsern, auch keimende und halbreife Samen, sind Hauptnahrung der Schönbürzel. Daneben kann man die geselligen Vögel auch immer wieder an nektarreichen Blüten naschen sehen. Kleine Insekten bereichern zudem noch den Speisezettel. Für die Aufzucht der Jungen spielt die tierische Nahrung eine wichtige Rolle.

Stimme und Lautäußerungen:
Männchen und Weibchen haben unterschiedliche Lockrufe. Während der Lockruf des Weibchens ein in gleicher Höhe gehaltener Doppelruf ist, der wie „sie-sieh“ oder „sisi“ klingt, fällt beim Männchen der zweite Laut des Doppelrufes ab. Der Lockruf des Männchen klingt wie „sieh- tüii“. Bei Gefahr stoßen die Vögel ein schrilles „squiep“ aus, bei Aufregung hört man ein lautes „tzieeih“.

Paarbildung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Während der Balz hüpfen die Männchen mit einem Halm oder einer Feder im Schnabel auf einem Zweig. Der Schnabel ist dabei hoch erhoben und der Schwanz dem Weibchen zugekehrt. Auch Weibchen balzen manchmal mit einem Halm im Schnabel. Bald fordert das Männchen mit Schwanzzittern das Weibchen zur Paarung auf.
Männchen und Weibchen suchen dann gemeinsam einen Neststandort aus. Das Männchen trägt nun die Nistmaterialien aus der Umgebung herbei, während das Weibchen diese zu einem runden Nest zusammenfügt. Manchmal werden auch alte Nester von Webervögeln übernommen und restauriert und mit einer langen Einschlupfröhre versehen. Lange und grobe Gräser werden für die Nestbasis verwendet, feine Materialien dienen der Auspolsterung. Von außen wird das Nest mit allerlei unterschiedlichen Materialien wie Federn, Eierschalen oder Kothaufen versehen, wahrscheinlich um Feinde vom eigentlichen Nest abzulenken. Nach etwa 13-15 Tagen schlüpfen die jungen Schönbürzel aus den 3-5 Eiern. Nur etwa 16-18 Tagen bleiben die Jungen im Nest - üblich für Prachtfinken sind eigentlich genau drei Wochen. In den ersten Tagen danach kehren die Jungvögel immer wieder stundenweise ins Nest zurück.

Die Eltern füttern ihre Jungen noch weitere zwei bis drei Wochen, obwohl diese bereits zwei Wochen nach dem Ausfliegen selbstständig sind. Schon im Alter von zwei bis drei Monaten mausern die jungen Prachtfinken vom Jugendkleid ins Erwachsenengefieder. Manche Weibchen können schon im Alter von drei Monaten Eier legen. Somit entwickeln sich Prachtfinken besonders schnell.
Schönbürzel werden in freier Natur wohl selten älter als zwei Jahre alt. Tropenstürme und -gewitter können große Verluste verursachen und wirken sich wohl noch stärker aus als die vielen Feinde wie Schlangen, Echsen, Säuger oder Greifvögel. Dennoch können Einzelvögel ausnahmsweise bis zu 7 Jahren alt werden. In Gefangenschaft erreichen die meisten Vögel dieses Alter und können gar bis zu 12 Jahren alt werden.

Besonderheiten:
Ein Charakteristikum junger Prachtfinken ist die dunkle Linien- und Punktzeichnung ihres Sperrrachens. Das Grundmuster ist allen Prachtfinkenjungvögeln gemeinsam und besteht aus fünf Punkten rechts und links der Zungenbasis und einem halbmondförmigen Bogen auf der Innenseite des Unterschnabels. Bei den unterschiedlichen Prachtfinkenarten wird dieses Schema auf vielfältige Weise abgewandelt. Die Eltern können dieser Rachenzeichnung, die es –mit einer Ausnahme- nur bei Prachtfinken gibt, nicht widerstehen.
Dennoch können Prachtfinken nie ganz sicher sein, dass sie nur ihre eigenen Jungen füttern. Eine Vogelfamilie, die der Witwen, hat sich nämlich darauf spezialisiert, ihre Eier in die Nester von Prachtfinken zu legen und ihre Jungen von Prachtfinken aufziehen zu lassen. Im Unterschied zu Kuckucken schmeißen Witwenjunge ihre Stiefgeschwister nicht aus dem Nest, sondern werden gemeinsam mit diesen aufgezogen. Möglich wird das dadurch, dass die jungen Witwen vollkommene Kopien der jungen Prachtfinken sind und über dasselbe Rachenmuster verfügen.

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Bielfeld, Horst: Das Prachtfinkenbuch, Stuttgart, 1996.
Schleussner, Günther: Prachtfinken, Stuttgart, 2001.



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