Graufischer

Graufischer (Ceryle rudis)
syn: Grauliest ; eng: Pied Kingfisher

Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Ordnung:
Rackenvögel  (Coraciiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00245

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Allgemeines:
Es gibt rund 90 Arten der weltweit verbreiteten Eisvögel. Eisvögel sind kleine bis mittelgroße, meist sehr bunte und auffallende Vögel mit großem Kopf und kräftigen Schnabel. Männchen und Weibchen sind gleich groß, unterscheiden sich aber z.B. in der Schnabelfarbe (Eisvogel)oder durch die Brustbänder (Gürtelfischer). Eisvögel sind Höhlenbrüter und graben sich ihre Höhlen meist selbst in die Erde. Unter den Eisvögeln gibt es nicht nur nach Fischen stoßtauchende Arten, sondern auch Insekten- und Kleintierjäger, die Wälder bewohnen.

Graufischer im Flug

Beschreibung, Stimme und Verhalten
Graufischer sind unverwechselbare, 25 cm große Vögel und die einzigen schwarz-weißen Eisvögel Afrikas. Oberseits sind sie hauptsächlich schwarz mit reichlich eingestreuten weißen Bändern; Flügel und Schwanz sind schwarz, aber auch auffallend weiß gestrichelt. Der Kopf ist schwarz mit einer unordentlichen Haube, ein weißes Band zieht sich über das Auge. Der kräftige Schnabel ist tiefschwarz, Füße und Beine sind grauschwarz. Auf der Unterseite sind Graufischer weißlich, abgesehen von den schwarzen Brustbändern. Das Männchen hat zwei Brustbänder, das obere ist breiter und deutlicher als das untere. Das Weibchen dagegen hat nur ein unvollständiges Brustband.

Graufischer sind extrem ruffreudige Vögel, bei denen man bis zu zehn Rufe unterscheiden kann. Vor allem am Brutplatz hört man schrill tschilpende und trillernde Laute. Der Warnruf klingt wie „twig-gig“ oder auch dunkel und tief „trrr trrr trrr“. Beim Balzen rufen die Vögel hoch und wiederholt „tschike, tschiki“. Auf Ästen sitzend oder im Flug lassen sie ein quietschend plauderndes „kittle-te-ker“ vernehmen.
Die tagaktiven Vögel sind sehr zutraulich. Im Streckenflug fliegen sie weniger rasant als unsere heimischen Eisvögel. Graulieste sind gesellige Vögel, die nicht selten in lockeren Kolonien brüten.

Graufischer sitzt

Verbreitung und Bestand:
Graulieste kommen in Afrika südlich der Sahara und in Ägypten vor, darüber hinaus in Vorderasien ( Türkei, Syrien und Israel), in Vorder- und Hinterindien bis Sri Lanka und ostwärts bis Indochina und Südchina. Bestandsabnahmen gab es in Vorderasien und Ägypten.
In Europa kommen Graufischer nur in der Türkei vor; der stark abnehmende Bestand beträgt noch etwa 100 – 200 Brutpaare. In Zypern brütete ein Brutpaar 1996. beobachtet wurden Graulieste zudem noch in Montenegro und in Südrussland, der Ukraine, in Süditalien und Spanien. In Mitteleuropa ist der Graufischer ein Irrgast, der erst ein einziges Mal im August 1859 in Polen beobachtet wurde.
Weltweit ist der Graufischer nicht bedroht, sondern im Gegenteil eine der häufigsten Eisvogelarten.

Biotop und Nahrung:
Graufischer halten sich an stehenden und langsam fließenden Gewässern, an Brackwasserlagunen und Flussmündungen auf. Auch an sandigen Meeresküsten sind die Vögel zu finden. Ihre Beute ergreifen sie stoßtauchend. Entweder sitzen die Vögel auf einem Ast, bis sie ihre Beute erspäht haben, oder sie suchen diese wie ein Turmfalke im Rüttelflug. Graufischer fangen Fische von 4 - 11 cm Länge und Insekten am Wasser sowie Termiten. Sie haben einen großen Nahrungsbedarf und brauchen pro Tag 18-44 g Nahrung. Ältere Nestlinge benötigen circa 35 g Fisch täglich, wenn sie ausfliegen aber nur noch etwa 20 g.

Fortpflanzung und Brutbiologie:
Das Nest findet sich meistens in Steilufern und in Klippen, doch manchmal auch in größerer Entfernung (bis 3 km) vom Wasser in Straßenböschungen und in Sandgruben in selbst gegrabenen Röhren, die 120 – 180 cm lang sind und einen Durchmesser von 7,5 cm haben. Wenn das Substrat sehr hart ist, sind die Röhren auch kürzer. Männchen und Weibchen, die normalerweise eine lebenslange Paarbindung eingehen, wechseln sich beim Bebrüten der 4-6 weißen, kurzelliptischen Eier ab, doch die Weibchen sitzen nachts und insgesamt mehr auf den Eiern. Nach 15-19 Tagen schlüpfen die jungen Graufischer aus den Eiern. Da die Eltern direkt nach der Eiablage mit der Bebrütung beginnen, schlüpfen die Jungen asynchron über einen Zeitraum von 3 Tagen. Beide Partner hudern und füttern die Jungen, die das Nest nach 24-26 Tagen verlassen, aber noch bis zu zwei Monate lang von den Altvögeln mit Nahrung versorgt werden. In der Regel findet nur eine Jahresbrut statt, Nachgelege sind kleiner als Erstgelege. Wenn die Vögel in Afrika in lockeren Kolonien brüten, helfen die älteren Geschwister aus früheren Bruten oft bei der Fütterung ihrer jüngeren Geschwister (primäre Helfer). Mit geringem Aufwand werden von sekundären Helfern auch fremde Bruten gefüttert, wenn dies von den Altvögeln zugelassen wird. Der Bruterfolg ist deutlich höher, wenn Helfer mitfüttern: Ohne Helfer wurden nur 39 % der geschlüpften Jungen flügge, mit einem Helfer waren es 78 % und mit zwei Helfern gar 100 %.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.



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