Witwenpfeifente (Dendrocygna viduata)
syn. Witwenpfeifgans
eng: White-Faced Whistling Duck

Unterfamilie: Pfeifgänse (Dendrocygninae)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00243

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Durch den Kontrast zwischen dem dunklen Körper und dem weitgehend weißen Kopf sind Witwenpfeifenten unverwechselbar. Der vordere weiße Kopfabschnitt ist scharf gegen den schwarzen Hinterkopf abgesetzt. Brust, Hals und Vorderrücken sind kastanienbraun, Bauch und Schwanz schwarz und die Flanken sind dicht bräunlich weiß und schwarz gebändert. Die übrige Körperoberseite ist dunkel gelblichbraun gefärbt und weist hellere Federsäume auf. Junge Witwenpfeifenten sind weniger kontrastreich gefärbt, haben schwarze Oberschwanzdecken und einen schwarzen Oberkopf und eine matt rotbraune Brust, wodurch sie sich von den ähnlichen Jungen der Gelbbrustpfeifente und der Rotschnabelpfeifente unterscheiden. Sie sind blasser als die Altvögel und haben einen hellgrauen (nicht weißen) Vorderkopf und einen schwarzgrauen (nicht schwarzen) Hinterkopf.
Männchen und Weibchen der langbeinigen und hochhalsigen Witwenpfeifenten sehen gleich aus, wiegen zwischen 600 und 740g und werden etwa 48 cm groß. Witwenpfeifenten sind sehr ruffreudig. Am häufigsten hört man einen dreiteiligen klaren Pfiff (Name!), der sich anhört wie „wishiwishiwishi“.
Tagsüber halten sich die Vögel in dichten Schwärmen auf offenen Gewässern auf. Sie schwimmen gut, tauchen gelegentlich und sind gut zu Fuß, also gleichermaßen auf dem Wasser wie auf dem Lande zu Hause. Vorwiegend nachts sind Witwenpfeifenten auf Nahrungssuche. Saisonal unternehmen Witwenpfeifenten abhängig von den jeweiligen Ernährungsbedingungen und Wasserständen Wanderungen. Dabei betragen die Zugentfernungen nicht mehr als 500 km.

Verbreitung und Bestand:
Witwenpfeifenten haben ein weites Verbreitungsgebiet sowohl in Südamerika als auch in Afrika. In Afrika sind sie südlich der Sahara vom Senegal bis nach Ostafrika und über die ganze Ostseite des Erdteils anzutreffen. Auch auf Madagaskar und den Komoren ist die Art zu finden. An der Westseite Afrikas von Zaire bis zum Kap fehlt sie hingegen.
In Südamerika ist die Witwenpfeifente lücken- und fleckenhafter verbreitet und kommt von Costa Rica an südwärts bis Nordargentinien vor. Weitgehend hält sie sich in den tropischen Niederungen auf. Im Südosten gibt es Witwenpfeifenten-Vorkommen bis nach Paraguay und Uruguay und im Westen bis in die Amazonasregion Kolumbiens. Trotz der räumlichen Trennung gibt es keine Unterschiede zwischen der Südamerika- und der Afrika- Population.

In Europa werden aus Spanien manchmal Irrgäste gemeldet, was möglicherweise darauf hindeutet, dass einzelne Witwenpfeifenten nordwärts ziehen. Da diese Art aber auch häufig von Liebhabern gehalten wird, kommen auch immer wieder Gefangenschaftsflüchtlinge in die freie Natur.
Die anpassungsfähige Witwenpfeifente ist in Afrika lokal oft sehr häufig. Auch künstlich geschaffene Gewässer werden gern besiedelt. Vor allem aus manchen südamerikanischen Regionen sind Rückgänge zu konstatieren, doch ist die Art insgesamt in ihrem Bestand gesichert.

Biotop und Nahrung:
Lebensraum der Witwenpfeifente sind nahrungsreiche Süßwasserseen, Sümpfe, große Flüsse, Flussmündungen und Überschwemmungsgebiete sowie künstliche Wasserbecken. Offene Gewässer werden dichter bewachsenen immer vorgezogen. Pflanzennahrung wird im seichten Wasser watend von der Oberfläche abgesammelt oder im tieferen Wasser gründelnd, selten auch tauchend erworben. Neben pflanzlicher Kost nehmen Witwenpfeifenten auch Wasserinsekten, Weichtiere und Krebstiere zu sich.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Mit zwei Jahren werden Witwenpfeifenten geschlechtsreif. Sie brüten im Allgemeinen in Afrika in der für sie günstigen Regenzeit, die je nach geographischer Lage unterschiedlich beginnt. In Südafrika ist Brutzeit von Oktober bis März, in nördlicheren Gebieten von Juli bis August, im Senegal auch im September. Das Nest wird in hohem Gras am Boden errichtet, seltener im Röhricht und ganz gelegentlich in Bäumen über dem Wasser oder in Baumhöhlen (Südafrika). Das Gelege besteht aus 8 bis 12 Eiern und wird von beiden Partnern, die in monogamer Dauerehe zusammenleben, 28-30 Tage bebrütet, bis die Jungen schlüpfen. Beide Partner führen auch die Jungvögel.

Literatur:
Barlow, Clive und Wacher, Tim: Birds oft the Gambia and Senegal, London 2005.
Madge, Steve und Burn, Hilary: Wassergeflügel. Ein Bestimmungsbuch der Schwäne, Gänse und Enten der Welt, Hamburg und Berlin.


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Witwenpfeifente

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