Teichwasserläufer

Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00242

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Mit 23 cm Körperlänge ist der Teichwasserläufer der kleinste Wasserläufer. Auffälligstes Merkmal des Teichwasserläufers ist der sehr dünne, spitze, nadelartige, gerade Schnabel. Die Oberseite ist graubraun, dunkel gefleckt und gestrichelt. Im Ruhekleid ist der Teichwasserläufer wie der größere Grünschenkel heller. Die Beine sind beim Teichwasserläufer olivgrün, die Kehle und die Stirn sind weiß. Die Flügel sind gleichmäßig dunkel. Beim fliegenden Vogel wird wie beim Rotschenkel der weiße Hinterrücken sichtbar; die Beine ragen im Flug weit über das Schwanzende hinaus.
Der Teichwasserläufer ist ein sehr lebhafter Vogel, der oft unermüdlich über Schwimmblattfluren oder Algenwatten herläuft, wohin ihm die größeren Wasserläufer wie Rot- und Grünschenkel nicht folgen können. Gern schließen sich die Vögel größeren Limikolen wie Stelzenläufern oder Grünschenkeln oder sogar kleineren Reihern an.
Die Rufreihen des Teichwasserläufers ähneln denen der Grünschenkel, sie klingen aber weicher. Einzelrufe sind kurz und klingen wie „tsiui“ oder bei Gefahr „kjück“.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
In Mitteleuropa ist der Teichwasserläufer ein sehr seltener Brutvogel, der nur in Polen einen Brutbestand von 3-5 Paaren aufweist. Insgesamt gibt es in Europa etwa 12.000 bis 32.000 Brutpaare vor allem in Russland. In anderen europäischen Ländern gibt es keine nennenswerte Populationen. Zahlreicher ist der Teichwasserläufer noch in Asien zu finden, wo er örtlich an Steppenseen häufig vorkommt. Auf dem Zuge dagegen kann man den Teichwasserläufer immer wieder in Süd- und auch in Mitteleuropa antreffen.

In Spanien und Frankreich sind Teichwasser Durchzügler, die gelegentlich auch überwintern. Überwiegend sind die Vögel Langstreckenzieher, die in fast allen Tropenzonen der alten Welt an flachen Binnenseen, an Meeresküsten und an Salzseen überwintern. Viele Teichwasserläufer überwintern südlich der Sahara in Afrika, wo sie zum Teil auch übersommern, ohne dann allerdings zu brüten. Im Winterquartier bilden sich oft große Trupps.

Lebensraum und Nahrung:
Teichwasserläufer sind Brutvögel offener Steppengebiete mit niedriger Vegetation, die auf flache Wasserstellen angewiesen sind. So findet man sie häufig in Flusstälern und Niederungen. Auf dem Zug sind die Vögel an schlammigen Tümpeln und Teichen, auf überschwemmten Reisfeldern, auf Rieselfeldern und an anderen seichten Gewässern zu finden. An der Küste findet man sie am ehesten an im Land gelegenen Seichtwasserstellen. Dort ernähren sich die Teichwasserläufer von zarten Kleintieren wie Crustaceen, Mollusken und Wasserinsekten, die sie zumeist von der Wasserfläche aufpicken oder aus den Algenteppichen herausstochern.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Schon im ersten, spätestens im 2. Lebensjahr werden Teichwasserläufer geschlechtsreif. Sie treffen am Brutplatz ab Mai ein. Dann balzen die Männchen und zeigen einen Singflug, der an Lerchen erinnert mit einem abschließenden Sturzflug zum Weibchen. Bald darauf legt das Weibchen meistens vier Eier, selten drei Eier, in einem Bodennest ab. Dieses wird auch an kleinsten Flecken mit Sumpfvegetation errichtet oder ist an den Ufern von Seen und Flüssen und in Flachmooren zu finden. In günstigen Lebensräumen liegen die Nester kolonieartig zusammen. Eindringlinge ins Brutgebiet werden von den eintönig schreienden Altvögeln umflogen. In den ersten Lebenstagen bleiben die jungen Teichwasserläufer in der Ufervegetation, später erscheinen sie dann an offenen Uferstellen.
Ein in Frankreich beringter Vogel wurde 7 Jahre und 1 Monat alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Nicolai, Jürgen: Fotoatlas der Vögel, München.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Sauer, Frieder: Die farbigen Naturführer: Wasservögel, München.


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