Grünschenkel

Grünschenkel (Tringa nebularia)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00241

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Mit gut 30 cm Körperlänge, einem Gewicht von 130-270 g und einer Flügelspannweite von 68-70 cm ist der Grünschenkel ein recht großer Wasserläufer, deutlich größer als der sonst recht ähnliche, seltenere Teichwasserläufer und wesentlich heller als der kaum kleinere Dunkle Wasserläufer. Der graue Schnabel ist in der vorderen Hälfte etwas aufgebogen, die langen Beine sind grünlich gefärbt; sie überragen den Schwanz im Flug deutlich.
Im Brutkleid ist der Grünschenkel oberseits graubraun und hat helle Federsäume. Im Ruhekleid ist er heller und weniger gefleckt. Grünschenkel haben kein Weiß in den Flügeln und sind dadurch im Flug auf den ersten Blick vom Rotschenkel unterscheidbar. Im Flug fällt ein ausgedehnter weißer Rückenkeil auf. Die Flugrufe „kjück kjück kjück“sind sehr markant, meist vier- oder fünfsilbig und überschlagen sich bei überraschtem Abfliegen zunächst. Die weiteren Rufe ähneln den Rufen der Rotschenkel, sind aber meist lauter und haben härtere Anlaute. Der Gesang des Grünschenkels ist sanft flötend.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Der Grünschenkel ist ein Brutvogel der borealen Zone Eurasiens von Schottland über Skandinavien bis in die Tundrenzone Ostsibiriens.
Der in Europa stabile Brutbestand hat eine Population von 75.000 bis 160.000 Brutpaaren. Finnland beherbergt mit 30.000-40.000 Brutpaaren die meisten Grünschenkel, auch Norwegen (15-30 Tausend BP), Schweden (15-25 Tausend BP) und Russland (14- 65 Tausend Paare) haben gute Bestände. Rund 1000 Brutpaare sind zudem noch in Großbritannien zu finden und einige sehr kleine Bestände im Baltikum, in Weißrussland und in der Ukraine. In Mitteleuropa ist der Grünschenkel kein Brutvogel (erst eine sichere Brut 1997 in Bayern), doch sind Grünschenkel an der Küste und im Binnenland regelmäßige Durchzügler. Im Wattenmeer kommt es auch zu großen Ansammlungen mit im Mai bis zu 3000 und im Juli bis September bis zu 8000 Vögeln. Selbst Übersommerer finden sich aber nur wenige im Wattenmeer. Grünschenkel sind überwiegend Langstreckenzieher, die im atlantischen Westeuropa, im Mittelmeergebiet, in Vorderasien, in Sri Lanka, Hinterindien, im tropischen Afrika und in Australien überwintern. Vor allem in Afrika übersommern auch viele Grünschenkel. Bereits im Juli sammeln sich Tausende Grünschenkel im Wattenmeer und ziehen bis in den Oktober hinein weiter.

Lebensraum und Nahrung:
Grünschenkel halten sich zur Brutzeit im moorigen Gelände oder offenem Gras- und Heideland mit niedriger Vegetation und eingestreuten Bäumen auf. Erhöhte Plätze sind geeignete Ruf- und Sichtwarten. Meistens sind Gewässer nicht weit vom Brutplatz entfernt. Durchzügler halten sich am liebsten auf Wattflächen an den Küsten, an flachen Strandlagunen, in Salzmarschen und an Ufern von Binnengewässern auf. Die Vögel ernähren sich von Ringelwürmern und Crustaceen, von Insekten und deren Larven. Manchmal erbeuten sie auch schnabellange Fischchen, kleinere Fischchen häufiger. Kleine Amphibien und Kaulquappen werden ebenso gefressen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
In seinem Brutgebiet führt das Männchen einen beeindruckenden Balzflug vor und zeigt Kapriolen wie Sturzflug, Längsrollen und Segelflug. Dazu singt es flötend und jodelnd „Dahüdl...dahüdl...“. Schon kurz nach dem Brutbeginn im Mai stellt das Männchen die Balzflüge ein und beide Partner bebrüten die vier 51 mm langen Eier. Nach 24 oder 25 Tagen schlüpfen die Jungen, die schon am ersten Tag gut laufen können. Sie werden etwa 14 Tage lang vom Männchen und vom Weibchen gehudert. Danach teilt sich die Familie oft auf oder ein Partner verlässt die Familie. Mit 25 bis 31 Tagen sind junge Grünschenkel flügge.

Grünschenkel führen eine monogame Saisonehe und beginnen meist im zweiten Lebensjahr mit der Brut. Das Männchen gründet das Revier und verteidigt es auch. Weit vom Nest entfernt werden auch Nahrungsreviere beansprucht. Das Nest wird in einer maximalen Entfernung von bis zu 6 km zum Nahrungsplatz in der Nähe eines Steines, eines Pfahls, einer Bülte oder einer anderen markanten Struktur errichtet. Es ist eine flache Mulde, die mit feinen Materialien der Umgebung ausgelegt wird. Nur das Weibchen baut das Nest, das es manchmal auch im darauf folgenden Jahr nutzt.
Ein in den Niederlanden beringter Vogel wurde 24 Jahre und 5 Monate alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Nicolai, Jürgen: Fotoatlas der Vögel, München.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.


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