Eissturmvoegl

Eissturmvogel (Fulmaris glacialis)
Fulmar (engl.)

Gattung Pterodroma
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00239

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Allgemeines, Beschreibung und Verhalten:
Eissturmvögel gehören zur Ordnung Procellariiformes (Röhrennasen). Röhrennasen sind Hochseevögel, die nur zur Brutzeit an Land kommen und deren äußere Nasenöffnungen röhrenförmig verlängert sind. Oberhalb der Augen haben Röhrennasen Salzdrüsen, mit denen sie überschüssiges Salz über den Schnabel ausscheiden.
Auf den ersten Blick ähneln Eissturmvögel Möwen, obwohl sie nicht näher mit ihnen verwandt sind. Allerdings kann man Möwen leicht am Flug von Eissturmvögeln unterscheiden. Während Möwen im Ruderflug daherfliegen und zwischendurch Segelpassagen einlegen, hält der Eissturmvogel die Flügel beim Segeln starr ausgebreitet und neigt den Körper mal zur einen, dann zur anderen Seite. Seine Flügelschläge sind kurz und rasch.
Eissturmvögel werden etwa 47 cm groß, wiegen rund 800 Gramm und haben eine Flügelspannweite von etwa 112 cm. Es gibt zwei unterschiedliche Farbphasen: Die Vögel sind entweder unterseits weiß und auf dem Rücken und den Flügeldecken silbergrau oder auch einfarbig dunkelgrau.
Auf dem Wasser schwimmen Eissturmvögel fast leicht wie Korken und erheben sich nach kurzem Anlauf mühelos von der Wasseroberfläche.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Eissturmvögel sind Brutvögel des Nordatlantiks und Nordpazifiks. Mitteleuropa liegt am äußersten Ostrand der Verbreitung und weist nur in Helgoland einen Brutplatz auf. Früher waren Eissturmvögel ausschließlich hochnordische Vögel, die selbst noch bis dicht an die Packeisgrenze an der Nordspitze Grönlands vorkommen. Seit gut hundert Jahren hat sich die Art stark vermehrt und immer mehr nach Süden ausgebreitet. Infolge dieser Arealausweitung wurde die Bretagne 1960 besiedelt.

In der Normandie gab es 1972 die ersten Bruten. Der Eissturmvogel gehört heute zu den am häufigsten vorkommenden Vögeln des Nordmeeres. Der Weltbestand wird auf etwa 5,4- 7,1 Millionen Brutpaare geschätzt. Davon entfallen 2,7- 4,4 Millionen Brutpaare auf die atlantische Population. In Europa finden sich die größten Eissturmvogelbestände in Island (1-2 Millionen Brutpaare), auf den Färöern (600.000 Brutpaare), in Norwegen (0,5 – 1 Millionen Paare) und in Großbritannien (506.000 Brutpaare). Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland weist einen Brutbestand von rund 100 Paaren ( im Jahre 2003 waren es sogar 113 Brutpaare) auf.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Frühestens im Alter von 6 Jahren, manchmal erst mit 12 Jahren, brüten Eissturmvögel zum ersten Mal. Das Durchschnittsalter von Erstbrütern beträgt dabei 9,2 Jahre. Lange vor Brutbeginn tauchen Eissturmvögel schon im Winter am Brutplatz auf. Sie gehen aber erst noch nicht an Land. Zuerst sind die Männchen da, die auf dem Wasser balzen und dabei rhythmisch den Körper hochreißen, mit den Flügeln schlagen und Schreie ausstoßen. Das Weibchen legt das einzige Ei im Mai auf einem Felsband in einer seichten Mulde in der Vegetation ab. Es ist größer als ein Hühnerei, langoval, weiß und dünnschalig und wird von beiden Partnern abwechselnd bebrütet. Eissturmvögel brüten in oft riesigen Kolonien zusammen mit anderen Meeresvögeln wie Dreizehenmöwen, Papageitauchern oder Trottellummen. Meistens befinden sich die Kolonien in Felswänden über der Brandung bis in Höhen von mehreren hundert Metern.

Die Eissturmvögel beziehen in der Regel die oberen Etagen der Felskolonie. Nach 49-53 Tagen, ab Ende Juni bis Anfang Juli, schlüpft das Junge, das in den ersten beiden Lebenswochen dauernd von einem Brutpartner beaufsichtigt wird und von beiden Partnern gefüttert wird. Im September endet dann die Brutperiode, wenn die letzten Jungen nach 46-51 Tagen Nestlingszeit ausfliegen. Geht das Ei frühzeitig verloren, kommt es nicht zu Nachgelegen. Aus rund 45 % der Eiern schlüpfen keine Jungen, weil die dünnschaligen Eier z.B. schon bei Ablage auf dem Fels zerbrechen oder weil sie von Möwen und anderen Predatoren erbeutet werden. Zudem kommt es noch zu einem Verlust von etwa 15 % der Jungen, sodass ein Eissturmvogelpaar je nach Jahr nur zwischen 0,16- 0,52 Junge aufzieht. Doch haben die Vögel eine hohe durchschnittliche Lebenserwartung, die bei Männchen 34 Jahre und bei Weibchen sogar 35,5 Jahre beträgt. Der älteste lebend kontrollierte Ringvogel war sogar 43 Jahre und 10 Monate alt.

Nahrung und Nahrungserwerb:
Eissturmvögel tauchen nur selten. Überwiegend nehmen sie ihre Nahrung von der Wasseroberfläche auf. Die Nahrung besteht aus Fischen, Krebsen, Schnecken, Aas und vielfach Fischereiabfällen. Eingeweide von Fischen werden gern gefressen; um an diese zu gelangen, reißen Eissturmvögel großen an der Wasseroberfläche treibenden Fischen den Bauch auf.
Eissturmvögel folgen den Schiffen und können sich unter Umständen zu Tausenden an ergiebigen Nahrungsquellen aufhalten. Oft zeigen sie mit ihren Verhalten Fischern günstige Nahrungsgründe auf.

Besonderheiten:
Eissturmvögel bespucken ihre Feinde, Großmöwen oder selbst Seeadler, mit einem öligen Sekret aus dem Magen. Auch die halbwüchsigen Nestjungen verfügen schon über diese ekelhaft stinkende Spuckwaffe. Auch Konkurrenten um den Nestplatz wie Papageitaucher und Dreizehenmöwe werden bespuckt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Nonpasseriformes, Wiebelsheim.
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1: Gaviiformes - Phoenicopteriformes, Wiesbaden.
Sauer, Frieder: Wasservögel, München.



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