Schwarzstorch

Schwarzstorch (Ciconia nigra)
syn. Bubulcus ibis

Gattung Ciconia
Familie: Störche (Ciconiidae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00238

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Familie, Verwandtschaft, Aussehen
Neben dem Weißstorch (Ciconia ciconia) ist der Schwarzstorch die einzige in Europa brütende Art aus der Familie der Störche; in Afrika, wo unsere Störche überwintern, leben dagegen sechs weitere Vertreter dieser Familie: Abdimsstorch, Wollhalsstorch, Marabu, Klaffschnabel, Sattelstorch und Nimmersatt. Weltweit gibt es 18 Storchenarten aus 6 Gattungen. Störche sind hochbeinige Stelzvögel mit langem, im Fluge ausgestrecktem, gerade getragenem Hals und spitzem, langem Schnabel. Die Geschlechter sehen gleich aus, aber das Männchen ist meist größer als das Weibchen.

Schwarzstörche sind mit 97 cm Körpergröße etwas kleiner als Weißstörche. Sie haben eine Flügelspannweite von 170 - 200 cm und wiegen um die 3000 Gramm. Gefärbt sind Schwarzstörche überwiegend schwarz. Das Gefieder weist dabei einen metallisch grünen und purpurnen Glanz auf. Die Unterschwanzdecken und der Bauch sind weiß. Wie beim Weißstorch sind Schnabel und Beine leuchtend rot. Um das Auge haben Schwarzstörche eine kahle rote Stelle. Die Jungvögel sind graubraun mit weißer Unterseite, Schnabel und Beine sind grünbraun. Im Vergleich zum Weißstorch fliegen Schwarzstörche mit etwas rascherem Flügelschlag. Flügel und Hals sind im Flugbild schwarz, die Achseln und der Bauch weiß. Die Schwingen sind etwas schmaler als beim Weißstorch. Im Flug können Schwarzstörche allenfalls mit den allerdings kleineren Abdimstörchen (Ciconia abdimii) verwechselt werden, mit denen sie im Winterquartier zusammen vorkommen können.

Stimme und Lautäußerungen:
Während des Segelns lassen Schwarzstörche einen melodiösen Flugruf ertönen, der wie „fuo“ klingt. Am Horst ist ein leises „huji-ji“ zu hören; bei Störungen hört man lang gezogen fauchende Rufe. Jungvögel betteln anhaltend mit zum Teil entenartig klingenden Lauten. Klappern hört man beim Schwarzstorch nur selten.


Verbreitung, Bestand und Lebensraum:
Schwarzstörche sind von West- und Südeuropa über Vorderasien bis zum Ussuri im Grenzgebiet zwischen Russland und China lückig verbreitet. Ein isoliertes Vorkommen besteht in Südafrika. Überall in seinem asiatischen Verbreitungsgebiet ist der Schwarzstorch sehr selten. Die Störche kommen vom Tiefland bis in Mittelgebirgslagen vor. Der Weltbestand besteht aus nur etwa 12.000 Brutpaaren; ein Großteil davon konzentriert sich auf Europa. Populationen von über tausend Brutpaaren gibt es nur in Polen, in der Türkei und in Weißrussland. Derzeit gibt es in ganz Mitteleuropa rund 2500 bis 3200 Schwarzstorchpaare. In Deutschland ist der Brutbestand auf etwa 330-390 Paare angestiegen, nachdem in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur noch wenige Dutzend Paare existierten und die Art in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bereits ausgestorben war. Diese erfreuliche Entwicklung ist einerseits auf Naturschutzmaßnahmen, andererseits wohl auch auf Anpassung der Art an veränderte Umweltbedingungen zurückzuführen.

Lebensraum des Schwarzstorches sind alte, reich strukturierte und nicht zu dichte Laub- und Laubmischwälder, durch die sich Fließgewässer ziehen und in denen es Teiche, Tümpel und Lichtungen gibt. Dazu benötigt der Schwarzstorch auch waldnah gelegene, extensiv genutzte feuchte Wiesen, um genügend Nahrung zu finden. Die bevorzugten Schwarzstorchreviere finden sich fast immer in geschlossenen Waldgebieten, die mindestens eine Fläche von 100 Hektar aufweisen. Da solche optimalen Brutmöglichkeiten selten geworden sind, kam es in den letzten Jahren verstärkt zu Ansiedlungen und Bruten in kleineren Waldgebieten.

Nahrung und Nahrungserwerb:
Schwarzstörche sind tagaktiv und suchen ihre Nahrung vor allem beim Abschreiten im seichten Wasser. Sie stochern im Wasser herum, um dann blitzschnell zuzustoßen. Wasserinsekten wie Schwimm- und Wasserkäfer und deren Larven, auch die Larven von Libellen und Köcherfliegen sind wichtiger Ernährungsbestandteil. Frösche und Molche sowie Fische sind ebenfalls wichtige Beutetiere. Vor allem Forellen bis zu einer Länge von 25 cm werden gefangen, gefolgt von Aalen und Groppen sowie in den ersten beiden Fütterungswochen der Jungen auch von Elritzen und Bachschmerlen. Dort wo sie vorkommen werden Neunaugen nicht verschmäht. Kröten und Mäuse wurden dagegen nur selten als Beute festgestellt.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Schwarzstörche sind im Alter von drei Jahren geschlechtsreif. Sie führen eine monogame Saisonehe und da die Vögel sehr ortstreu sind und somit immer dieselben Reviere mit denselben Brutplätzen beziehen, bleiben sich die Partner in der Regel treu. Ende März/Anfang April treffen die Vögel am Brutplatz ein. Beide Partner bauen aus Ästen ihr Nest in meist hohen Bäumen im Wald. In Spanien und im südöstlichen Mitteleuropa werden die Horste auch auf Felsen errichtet. Die Nester sind oft große Bauten, die mit feineren Polstermaterialien wie Moos ausgekleidet werden und mehrjährig bezogen werden. Mitunter werden auch Greifvogel- und Kunsthorste bezogen. Meist beginnt das Weibchen im Mai (selten ab Mitte April) mit der Ablage seiner 3-5 weißen, stumpfovalen Eier. Erst wenn das Gelege vollzählig ist, beginnen beide Partner mit dem Brutgeschäft; nach 32-40 Tagen, durchschnittlich nach 35-36 Tagen, schlüpfen die Jungen. In den ersten 10-15 Tagen bleibt immer ein Altvogel am Nest. Nach 9-10 Wochen sind de Jungen flügge und verlassen das Nest, doch kehren sie zum Füttern und Übernachten in den ersten vierzehn Tagen nach dem Ausfliegen oft zum Nest zurück. In Deutschland werden durchschnittlich 2,6 Junge je Brut flügge, in Jahren mit Kälteperioden während der Brutzeit auch weniger. Es findet eine jährliche Brut statt.
Der älteste Ringvogel lebte 18 Jahre und 7 Monate lang.

Literatur:
Bauer und Glutz, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Wiesbaden.
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas,
Nonpasseriformes- Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Stern, Horst u.a.: Rettet die Vögel... wir brauchen sie, Herbig-Verlag, München.



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