Regenbrachvogel

Regenbrachvogel (Numenius phaeopus)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00236

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Sämtliche Fotos: Juli 2006, Island.


Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Der Regenbrachvogel ist mit 40-46 cm deutlich kleiner als der Große Brachvogel (53-58 cm). Seine Flügelspannweite beträgt 76-89 cm. Mit 330-600 g Gewicht ist der Regenbrachvogel auch deutlich leichter als der große Brachvogel, der 550-1000g schwer wird. Die Oberseite ist dunkler und kontrastreicher gefärbt. Im Vergleich zum Großen Brachvogel hat der Regenbrachvogel einen kürzeren, etwas dickeren und weniger gebogenen Schnabel. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist auch der kräftig dunkelbraun-hell längsgestreifte Scheitel. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nur dadurch, dass die Männchen etwas leichter und kleiner als die Weibchen sind. Die Jungen wirken durch die stärkere Fleckung dunkler als die Altvögel.

Regenbrachvögel rufen ganz anders als Große Brachvögel und schlagen im Flug schneller mit den Flügeln. Im Winterquartier sind sie weniger gesellig als Große Brachvögel, doch bilden auch sie große Schlafplatzversammlungen oft gemeinsam mit der anderen Brachvogelart. Der Flugruf ist ein schnell trillerndes „tititi...“, das man auch vor dem Abflug am Boden hört. Der Gesang wird durch ein flötendes „uit-uit“ eingeleitet. Diese Flötenrufe können bis zu 20mal wiederholt werden. Nach der Einleitung hört man eine Reihe von Flötentönen und Trillern wie „dürr...“.Insgesamt hört sich der Gesang des Regenbrachvogels kichernder und nicht so weich an wie der des Großen Brachvogels.

Verbreitung, Bestand und Status in Mitteleuropa:
Der Regenbrachvogel ist Brutvogel der Tundra und der borealen Taigazone im Norden Eurasiens. Große Verbreitungslücken innerhalb dieses Areals gibt es in Mittel- und Ost-Sibirien. Außerdem kommt die Art noch in Nord- und West- Alaska und in Nordwest-Kanada vor. In Europa brüten etwa 160.000- 360.000 Paare. In Island ist die Art am häufigsten, allein dort gibt es 100.000 bis 250.000 Brutpaare. Mehr als 8000 Regenbrachvogel-Brutpaare beheimaten ferner noch Finnland, Norwegen, Russland und Schweden. Regenbrachvögel sind Zugvögel und überwiegend Langstreckenzieher, die an den Küsten Afrikas von Mauretanien an überwintern, ferner noch am Persischen Golf, am Indischen Ozean, in Südost-Asien und Australien.

Einzelne Regenbrachvögel überwintern auch an der Nordseeküste, z.B. auf den Niederländischen Watteninseln. Schon ab Juli ziehen die ersten Regenbrachvögel aus ihrem Brutgebiet in Island ab, Nichtbrüter und Männchen vor den Weibchen. Bis Ende August/ Anfang September haben alle Regnbrachvögel Island verlassen. Der Höhepunkt des Durchzuges an den Küsten West- und Mitteleuropas wird schon Ende Juli erreicht.

Lebensraum und Nahrung:
Der Regelbrachvogel ist ein Brutvogel offener borealer, subarktischer und arktischer Heide- und Grasflächen. Man findet Regenbrachvögel in relativ trockenen bis feuchten Tundren, in Hochmooren und auf Strandwiesen. Die Durchzügler halten sich an sandigen, schlammigen und felsigen Küstenabschnitten auf. Im Binnenland findet man die Vögel nur selten auf Schlammflächen oder an nassen Stellen von Mooren und Heideflächen. Im Winter halten sich die Vögel an der Meeresküste auf Sand- und Schlammböden auf. Dort fressen sie vor allem Krebse, Ringelwürmer und Mollusken. In ihrem Brutgebiet ernähren sich Regenbrachvögel von allerlei Kleintieren wie großen Insekten, Käfern und Libellenlarven. Gelegentlich werden auch Regenwürmer und Spinnen gefressen; aber auch Beeren, vor allem Krähenbeeren und Moosbeeren, und andere Pflanzenteile werden aufgenommen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Regenbrachvögel werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Mitunter bleiben die Partner aber auch länger zusammen.
Das Nest ist eine bescheidene Mulde in niedriger Vegetation und wird mit Moosen und Flechten, mit Wollgras, Heidekraut und Zwergbirkenblättern ausgepolstert. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes werden die ersten Eier in der ersten Maihälfte, sonst ab Mitte Mai und im Nordosten erst ab Mitte Juni gelegt. Meistens besteht das Gelege aus vier ovalen Eiern, die dunkelbraune Kleckse und Flecken auf olivgrünen Grund aufweisen. Männchen und Weibchen bebrüten abwechselnd das Gelege, bis nach 27 oder 28 Tagen die Jungen schlüpfen. Diese sind Nestflüchter und werden nach 35-40 Tagen selbständig. Im Jahr findet nur eine Brut statt. Bei Verlust des Geleges kommt es aber zu Ersatzbruten. Der älteste Ringvogel stammte aus Großbritannien und war 13 Jahre alt. Ein dänischer Vogel wurde 12 Jahre und 2 Monate alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Nicolai, Jürgen: Fotoatlas der Vögel, München.



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