Dunkler Wasserläufer

Dunkler Wasserläufer (Tringa erythropus)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00235

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:

Mit gut 30 cm Körperlänge und einem Gewicht von 130-180 g ist der Dunkle Wasserläufer ein recht großer Strandläufer. Er ist etwas größer als der Rotschenkel, wirkt aber durch die längeren Beine und den dünnen längeren Schnabel schlanker als dieser. Der schwarze Schnabel ist an der Basis rot. Im Brutkleid ist das Gefieder des Dunklen Wasserläufers dunkel grau-schwarz und weist eine zarte, weiße Fleckung auf der Oberseite auf. Die Beine sind dunkelrot. Weibchen und Männchen sehen gleich aus. Im Ruhekleid ist die weiß gefleckte Oberseite aschgrau und die Unterseite hellgrau. Die Beine sind nun orangerot wie beim Rotschenkel gefärbt. Im Vergleich zu diesem ist der Dunkle Wasserläufer im Ruhekleid aber heller. Im Flug hat der Dunkle Wasserläufer keine weiße Flügelbinde. Sein Schwanz ist weiß und weist dunkle Querbänder auf.. Das Weiß des Bürzels und Hinterrückens reicht keilförmig weit nach vorne. Die Beine überragen im Flug den Schwanz.

Bei der Nahrungssuche steht der Dunkle Wasserläufer oft bis zum Bauch im Wasser und schwimmt auch häufiger als andere Wasserläufer. Am Brutplatz sitzen Dunkle Wasserläufer sehr gerne auf dürren Zweigen. Dunkle Wasserläufer sind wendige und schnelle Flieger.

Ein zweisilbiges pfeifendes „dju-it“ ist die häufigstes Lautäußerung des Vogels, der bei Störungen auch ein scharfes „Tjicktjicktjick“ vernehmen lässt.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:

Dunkle Wasserläufer sind Brutvögel der Arktis und der nördlichen borealen Nadelwaldzone, die von Nord-Norwegen bis Ostsibirien mit Lücken verbreitet sind. In Europa brüten rund 19.000 – 42.000 Paare, davon in Finnland 10.000-15.000, in Norwegen 2000-6000, in Russland 2000-10000 und 5000-11.000 in Schweden.

In Mitteleuropa ist der Dunkle Wasserläufer im April und Mai und von Anfang August bis Oktober ein regelmäßiger Durchzügler im Binnenland und an der Küste. 5.000 –10.000 Vögel können sich im August an der Niederländischen Küste aufhalten und im Mai sind es bis zu 3.000-6.000 Individuen. In kleiner Zahl überwintern Dunkle Wasserläufer auch an der Küste im westlichen Mitteleuropa. Als Langstreckenzieher hat der Dunkle Wasserläufer sein Hauptwinterquartier in Afrika von der Sahelzone bis zum Sudan und bis zum ostafrikanischen Hochland. Außerdem überwintert er an der Südküste des Mittelmeeres und Vorderasiens, in Vorderindien und Südostasien.

Lebensraum und Nahrung:

Der Dunkle Wasserläufer ist ein Brutvogel der Taiga und Tundra und brütet auf trockenen oder feuchten, oft moorigen Böden in offenen oder nur mit wenigen Einzelbäumen bestandenen Landschaften. Durchzügler und Wintergäste halten sich auf Schlamm- und Schlickflächen an Süß- und Brackwasser auf. Rieselfelder oder nasse und überschwemmte Wiesen sind bevorzugte Aufenthaltsorte. An der Wattenküste halten sich die Vögel meistens in der Nähe des Landes, z.B. auf Salzwiesen auf.

Dunkle Wasserläufer nehmen im Wattenmeer Ringelwürmer, Mollusken und Crustaceen zu sich. Sonst erbeuten sie auf dem Gewässerboden sitzende und frei schwimmende Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebse, Würmer, Kaulquappen und kleine Fischchen. Aus der Luft schnappen sie sich Eintagsfliegen und Schnaken. Die langen Beine befähigen den Dunklen Wasserläufer dazu, seine Nahrung im tieferen Wasser als verwandte Arten aufzunehmen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
In ihren hochnordischen Brutgebieten treffen die Vögel nicht vor Mitte Mai ein. In Nordeuropa beginnen Dunkle Wasserläufer im letzten Maidrittel mit der Eiablage, doch die meisten Eier werden von Ende Mai bis Mitte Juni gelegt. Das Nest wird am Boden, oft auf einer kleinen Erhebung oder an einem Zwergstrauch, gebaut. Ein Vollgelege besteht aus 4 Eiern und wird fast ausschließlich das Männchen brütet. Die Weibchen, die dazu neigen in Vielmännerei zu leben, verlassen das Brutgebiet im Allgemeinen schon eine Woche vor dem Schlüpfen der Jungvögel, doch kommt es vor, dass Weibchen sich auch zumindest in den ersten Tagen an der Führung der Jungen beteiligen. Es findet nur eine Jahresbrut statt.

Der älteste wieder gefundene Ringvogel war 6 Jahre und 2 Monate alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Nicolai, Jürgen: Fotoatlas der Vögel, München.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.


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