Knutt

Knutt (Calidris canutus)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00234

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Der Knutt ist ein auffällig plump wirkender großer Strandläufer mit kurzem Hals, einem kurzen Schnabel und kurzen Füßen. Er wird rund 25 cm groß, hat eine Flügelspannweite von 45 bis 54 cm und wiegt zwischen 110g und 160g. Während des Zuges frisst er sich Fettreserven an und kann dann bis zu 220g wiegen. Im Sommer sind Kopf und die Unterseite rostrot gefärbt, die Oberseite ist rostbraun und schwarz gefleckt. Im Winter hat der Knutt eine „schuppige“ aschgraue Oberseite und ist auf der Unterseite weiß. Bei fliegenden Knutts fallen der helle Bürzel und der helle Schwanz auf wie auch eine helle Flügelbinde. Allerdings hebt sich die helle Flügelbinde nicht so deutlich ab wie bei den kleineren Sanderlingen und Alpenstrandläufern. Die Flügel sind lang und schmal.
Besonders auf dem Zug sind Knutts sehr gesellige Strandläufer, die regelrechte Vogelwolken (siehe auch Besonderheiten) bilden. Nach der Landung in Watt verteilen sich die Vögel auf der Fläche und suchen unermüdlich nach Nahrung. Sie wirken aber nicht so hektisch wie die kleineren Alpenstrandläufer.
Der Gesang des Knutts erinnert an einen Brachvogel und ist ein melancholisch klingendes Flöten. Als Flugruf hört man ein pfeifendes „twit-wit“, vor dem Abflug ein raues „grott“ oder „gjug“. Im nahen Kontakt untereinander lassen Knutts ein weiches „wutt“ oder „knutt“ hören.

Verbreitung, Bestand und Status in Europa, Zugverhalten:
Fünf verschiedene Unterarten des Knutts leben weltweit, die sich aber nur wenig voneinander unterscheiden. Knutts kommen in der arktischen Tundrenzone im nördlichen Nordamerika, in Grönland und in Nordasien vor. Spitzbergen wird unregelmäßig besiedelt.
Der europäische Brutbestand besteht aus 15.000- 30.000 Brutpaaren, die alle (bis auf wenige in Spitzbergen) in Grönland heimisch sind. Die Brutvögel Grönlands und der hocharktischen Inseln Kanadas überwintern in Großbritannien und im Wattenmeer. Im Wattenmeer von Dänemark, den Niederlanden und Deutschland können zu Gipfelzeiten bis zu 200.000 Einzelvögel anwesend sein. In milden Wintern kann der Überwinterungsbestand dort 50.000 Individuen betragen, die in langen Kälteperioden aber auch wegziehen.

Die Brutvögel Nord- und Mittel-Sibiriens ziehen durch Westeuropa und überwintern an der Atlantikküste Westafrikas bis zum Golf von Guinea; einzelne überwintern südlich bis Südafrika. Knutts aus Nordostsibirien und Nord-Alaska ziehen nach Australien, Neuseeland und an die Pazifik-Küste Südamerikas, um dort zu überwintern. Die Brutvögel der amerikanischen Arktis schließlich überwintern in Südamerika.

Lebensraum und Nahrung:
Knutts kommen in der Moos- und Flechtentundra vor und halten sich auf steinigen, trockenen Hochflächen auf, gelegentlich auch an feuchten Hängen. Meistens brüten sie in der Nähe von reich bewachsenen Sumpfgebieten. Hier finden Knutts auch ihre Nahrung, die aus Schmetterlingsraupen, anderen Insekten und Spinnen besteht. Außerhalb der Brutzeit halten sich Knutts an den Küsten auf und leben von Muscheln, die sie im Ganzen verschlingen, und von Krebstieren; Ringelwürmer werden nur wenig gefressen, gelegentlich werden auch Insekten aufgenommen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
In steinigem und felsigem Gelände der arktischen Tundra formt der Knutt auf nacktem oder nur wenig bewachsenem Boden eine Mulde und legt diese dicht mit Flechten aus. Manchmal wird das Nest auch an einen Pflanzenhorst angelegt. Ab Anfang Juni legt das Weibchen 3 oder meist 4 ovale bis kreiselförmige Eier von blassgrüner bis olivgrüner Grundfarbe. Die Eier sind (dunkel-)braun gefleckt und gestrichelt. Erst wenn das Gelege komplett ist, beginnen beide Partner zu brüten, wobei das Männchen aber eifriger ist. Nach 21-23 Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern. Bald nach dem Schlupf werden die Jungen zum nächsten Feuchtgebiet geführt und allein vom Männchen betreut. Das Weibchen verlässt die Familie schnell. Nach 19 Tagen sind die jungen Knutts flügge und mit etwa 3 Wochen bereits selbständig. Im arktischen Sommer bleibt den Vögeln nur Zeit für eine Jahresbrut.
Der Knutt kann recht alt werden. Der älteste Ringvogel aus Großbritannien war 25 Jahre und 1 Monat alt. Andere britische Vögel waren 22, 23 und 24 Jahre alt. Ein in Südafrika beringter zweijähriger Knutt wurde 17 Jahre später in Frankreich wiedergefangen.

Besonderheiten:
Knutts fliegen oft in dichten Schwärmen und führen dabei genau koordinierte synchrone Massenschwenkungen aus. Von weitem sehen Knuttschwärme wie Wolken aus, die ständig ihre Form wechseln und sich immerzu auf und ab bewegen.

Knutt am Strand

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Nicolai, Jürgen: Fotoatlas der Vögel, München.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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