Kanarengirlitz

Kanarengirlitz (Serinus canaria)

Gattung: Girlitz (Serinus)
Unterfamilie: Stieglitze (Carduelinae)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00233

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Beschreibung:
Kanarengirlitze werden etwa 13 cm groß, wiegen zwischen 15 und 25 g, haben einen auffällig runden Kopf, einen recht kräftigen Schnabel sowie einen ziemlich langen gegabelten Schwanz.
Die Kopfseiten, die Umgebung der Augen, Stirn- und Nackenstreif sind lebhaft grün gefärbt. Wie bei allen Girlitzen sind Bart- und Augenstreif sowie ein Wangenfleck deutlich ausgeprägt. Der gelbgrüne Scheitel weist schwärzliche Schaftstriche auf, die sich auf der Oberseite bis zum Bürzel fortsetzen. Der Bürzel selbst ist wie die oberen Schwanzdecken gelbgrün. Schultern und der obere Rücken sind olivgrün-bräunlich gefärbt. Schwingen und die Schwanzfedern sind schwarz und weisen einen bräunlichen Rand auf. Die Unterseite des Kanarengirlitzes ist grünlich gelb. Die Unterschwanzdecken und die Kloakengegend sind weißlich, teilweise auch gelb überhaucht. Die Augenfarbe ist braun, Beine und Füße sind anthrazitfarben oder bräunlich, der Oberschnabel ist fleischfarben und zur Spitze hin schwärzlich, der Unterschnabel ist hornfarben.
Männchen und Weibchen lassen sich gut unterscheiden. Die Weibchen sind lange nicht so gelb. Bei einigen Exemplaren findet sich nur wenig Gelbanteile an den Augenstreifen, am Flügelbug, am Bürzel und an der Brust. Die Oberseite ist bräunlicher.
Der Flug ist auffällig wellenförmig.

Kanaren-Girlitz

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Der Kanarengirlitz ist eine endemische Art der Kanarischen Inseln (daher der Name), der Azoren und Madeiras und vertritt dort den kleineren Girlitz. Etwa 45.000 bis 50.000 Brutpaare umfasst der Gesamtbestand der Art. Der Bestand ist zur Zeit stabil und ungefährdet. Kanarengirlitze sind keine Zugvögel, durchstreifen aber im Winter auf der Suche nach Nahrung die Inseln, auf denen sie leben. Dabei bilden sie Schwärme von manchmal mehr als 50 Individuen.

Biotop und Nahrung:
Von der Meeresküste bis in 2000 m Höhe kommt der Kanarengirlitz bevorzugt in offenen Landschaften vor. Er benötigt Bäume und Büsche, um sein Nest bauen zu können und um Nahrung zu finden. Der immergrüne dichte Lorbeerwald wird vom Kanarengirlitz gemieden, er besiedelt aber wohl die Randzonen des Lorbeerwaldes mit Beständen der Baumheide (Erica arborea). Die Baumheide ist auch der häufigste Brutbaum und bietet dem Kanarengirlitz vorzüglich Deckung. In Madeira ist der Vogel selbst in den Parks und Anlagen der Hauptstadt Funchal anzutreffen und sucht dort vor allem auf dem Boden nach Nahrung, Er frisst Grassamen und andere Sämereien, Vogelmiere, Knöterich, Bingelkraut, Hirsesorten, auch Beeren sowie Blatt- und Blütenknospen. Durch den Verzehr von Beeren und anderen Früchten deckt der Kanarengirlitz seinen Wasserbedarf. In trockenen Lebensräumen findet er sich auch gern an Wasserstellen ein.

Stimme und Gesang:
Singvogelmännchen singen, weil sie um ein Weibchen werben und um ihr Revier gegen andere Männchen derselben Art zu verteidigen. Naturgemäß ist der Gesang deshalb vor allem in der Balzzeit im Frühjahr zu hören. Auch zur Begleitung des Weibchens beim Nestbau singen die Männchen, eine „nette“ Form der Werbung.
Der Gesang des Kanarengirlitzes, der dem Gesang des von ihm abstammenden domestizierten Kanarienvogels ähnelt und auch oft im Balzflug vorgetragen wird, fängt leise mit einigen wenigen Silben an und steigert sich in eine laute, hart klingende Strophe aus absteigenden Elementen. Bis zu 400 verschiedene Klangelemente können die Männchen beherrschen. Ein Teil des Gesanges, vor allem das Gesangsschema und der Rhythmus, ist dem Kanarengirlitz angeboren, ein anderer Teil wird individuell erlernt. Individuell erworben werden einzelne Gesangssilben. Die jungen Kanarengirlitze hören den Gesang anderer Männchen und prägen ihn sich ein. Vor allem der Vater ist dabei ein wichtiges Vorbild.
Auch Kanarengirlitzweibchen beginnen nach der Brut, etwa ab Juli, spontan zu singen. Besonders im Oktober hört man sie ausdauernd singen.

Fortpflanzung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Im Februar oder März verstärken die Männchen ihre Gesangsaktivitäten. Meistens singen sie aus etwa 2-3 m hoher Baumheide und zwar aus dem Strauch, in dem sie später auch ihr Nest in eine Astgabel bauen. Unter den Männchen kommt es nun zu Schnabelgefechten und zu Verfolgungsflügen. Wenn das Männchen schließlich ein Weibchen gefunden hat, beginnt es mit Balzflügen, denen die Weibchen flügelzuckend zuschaut. Die Weibchen sind nun ständig in Bewegung und beginnen bald mit dem Nestbau. Das Nest wird aus Grashalmen und trockenem Moos errichtet. Von innen wird der napfförmige Bau mit Tierhaaren, Wolle und Federn ausgepolstert. Während das Weibchen baut, singt das Männchen ausdauernd und verteidigt den Niststrauch gegen andere Männchen und füttert immer wieder das Weibchen.

Unmittelbar nach Fertigstellung des Nestes legt das Kanarengirlitzweibchen seine 3-5 blassgrünen, rötlich-braun gefleckten Eier, beginnt aber erst zu brüten, wenn das Gelege komplett ist. Das Weibchen brütet allein und verlässt das Nest nur kurz am Morgen und Abend. Während des Brütens wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung aus dem Kropf versorgt.
Die Jungen schlüpfen nach vierzehntägiger Brutzeit und werden von beiden Eltern gefüttert. Neben Sämereien, Blättern und Feigen erhalten die Jungen auch kleine Insekten, Blattläuse, Käfer und Raupen. Ab dem 14. Lebenstag sind die jungen Kanarengirlitze soweit, dass sie bei Störungen aus dem Nest springen. Nach 16 Tagen verlassen sie das Nest, bleiben aber in der Nähe und werden auch noch weitere 14 Tagen von den Eltern gefüttert. Manchmal beginnt das Weibchen aber auch bald mit der zweiten Brut und das Männchen versorgt die herangewachsenen Jungen alleine weiter und begleitet sie auf ihren ersten Nahrungsflügen. Im Jahr finden ein bis zwei Bruten statt.
Kanarengirlitze können zehn Jahre alt werden, wenn sie zuvor nicht Katzen, Mardern und Greifvögeln zum Opfer gefallen sind.

Besonderheiten:
Schon im 16. Jahrhundert wird der Kanarengirlitz in der Literatur erwähnt und wegen seines Gesanges gerühmt. Möglicherweise haben die Ureinwohner der Kanaren den Vogel bereits zuvor als Käfigvogel gehalten. Nach der Eroberung der Kanarischen Inseln im Jahre 1496 wurde der Kanarengirlitz durch die Spanier nach Europa gebracht. Wegen ihres vorzüglichen Gesanges und ihres munteren Wesen wurden die Vögel schnell sehr beliebt und bald schon zu einem Symbol für Luxus. Die Nachfrage wurde immer größer und immer mehr Kanarengirlitze wurden von den Kanarischen Inseln eingeführt. In der Hoffnung auf eine gute Einnahmequelle für ihre Klöster begannen Mönchen bald darauf mit der Zucht der Vögel, aus der sich dann die Kanarienvögel entwickelten.

Externer Link
http://de.wikipedia.org/wiki/Kanarengirlitz



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