Goldregenpfeifer

Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria)

Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00231

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Goldregenpfeifer werden 28 cm groß. Im Brutkleid sind die Vögel durch die ausgedehnte schwarze Unterseite und das schwarze Gesicht unverkennbar. Gesicht und Unterseite sind zudem noch durch einen weißen Streifen sauber von der Oberseite getrennt. Aber auch in anderen Kleidern ist der Goldregenpfeifer durch die dunkle, reich goldgelb gefleckte Oberseite gut gekennzeichnet. Früher trennte man Goldregenpfeifer in zwei Rassen; die im Süden brütenden Vögel (GB/IRL und DK sowie D/Niedersachsen) haben im Unterschied zu den im Norden brütenden Vögel nicht die scharf abgegrenzte Schwarz-Weiß Zeichnung. Diese Unterschiede haben aber mit der Mauser zu tun und variieren auch innerhalb der Populationen und sind zudem geschlechtsabhängig.

Verbreitung, Bestand und Status in Mitteleuropa:
Goldregenpfeifer bewohnen ein geschlossenes Areal in Nordeuropa und Nordasien von Island und Großbritannien/ Irland reichend bis nach Zentralsibirien. Die Südgrenze der Verbreitung liegt bei etwa 60° nördlicher Breite, isolierte Vorkommen in Höhenlagen gibt es auch weiter südlich.
Der Brutbestand in Europa besteht aus 480.000 bis 740.000 Paaren. Davon leben die meisten (250-310 Tausend) in Island. Große Populationen gibt es noch in Norwegen (50-100 Tausend), Schweden (50-90 Tausend), in Finnland (40-80 Tausend) und in Russland (24-95 Tausend). In Mitteleuropa brütet der Goldregenpfeifer nur noch in Niedersachsen; jedoch ist die Population unbedeutend (12 Paare im Jahre 2003).

Als Durchzugs-, Rast- und Überwinterungsgebiet ist Mitteleuropa aber von herausragender Bedeutung für den Goldregenpfeifer, 50 % des Bestandes hält sich im Winterhalbjahr in Küstenregionen der Niederlande und Norddeutschlands auf. In den Niederlanden nehmen die Winterbestände aufgrund einer durchgesetzten Jagdverschonung noch weiter zu. Auch im mitteleuropäischen Binnenland sind Goldregenpfeifer regelmäßige Durchzügler und Gastvögel.

Lebensraum und Nahrung:
In Nordeuropa brüten Goldregenpfeifer in nassen Heiden und auf moorigen Grasflächen der Niederungen und der Bergtundra von der Waldtundra bis zur arktischen Tundra. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes sind Goldregenpfeifer Brutvögel der Hochmoore. Die Vögel benötigen Flächen mit niedriger Vegetation. Weite ebene Flächen ohne Straßen, Hecken und Baumreihen sind wichtig. Ihre Nahrung suchen Goldregenpfeifer auf angrenzenden Weiden, in extensiv genutzten kurzrasigen Wiesen, auch auf Äckern. Die Durchzügler und Wintergäste halten sich auf abgeernteten Ackerflächen, auf Viehweiden und Mähwiesen und in anderen offenen Landschaften auf, wo sie Insekten und deren Larven, kleine Schnecken, Spinnen und Würmer aufnehmen. Auch pflanzliche Kost nehmen die Vögel zu sich, vor allem Beeren. An der Küste sind sie auch auf Sandbänken und im Watt anzutreffen, wo sie vor allem Ringelwürmer fressen..

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Goldregenpfeifer werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Da die Vögel nistplatztreu sind, bleiben sie dem Partner oft jahrelang treu (6 Jahre wurden nachgewiesen). Gleich nach der Ankunft im Brutgebiet werden die Reviere gegründet. Das Männchen formt mehrere Nestmulden und durch die Eiablage entscheidet das Weibchen über den endgültigen Nistplatz. Das Nest befindet sich meistens auf trockenem Untergrund und wird offen und frei angelegt, gern auf einer etwas erhöhten Bülte. Pflanzliches Nistmaterial wird nur wenig eingetragen. Im Norden des Verbreitungsgebietes legen Goldregenpfeifer ab Ende Mai ihre 3-4 länglichen kreiselförmigen Eier ab. Beide Partner bebrüten die Eier 27-30 Tage lang. Der Vogel, der gerade nicht brütet, bewacht oft das Nest. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen oft noch ein bis eineinhalb Tage im Nest. Die Küken werden mindestens eine Woche gehudert, manchmal zwei Wochen. Beide Partner führen die Jungen und nicht selten teilt sich die Familie, bis die Jungen mit 30 bis 35 Tagen flügge sind.
Die Sterblichkeit bei Goldregenpfeifern liegt im ersten Winter bei 41 %, in den Folgewintern bei 22 % (Zahlen aus GB, wo die Vögel Teilzieher sind) . In den Niederlanden betrug die Sterblichkeit im ersten Winter 53 % und in späteren Jahren 39 %. Der älteste Ringvogel, der gefunden wurde, war 12 Jahre und 9 Monate alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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