Rötelschwalbe

Rötelschwalbe (Cecropis daurica)

Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00230

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Schwalben sind schlanke, stromlinienförmige Vögel mit schmalen und langen Flügeln und zumeist gegabeltem Schwanz. Sie sind wendige und elegante Flieger, die im Flug Insekten fangen. Sie haben winzige Füße und einen kurzen Schnabel mit sehr weitem Rachen. Bis auf die Felsenschwalbe sind alle Schwalben ausgesprochene Zugvögel. In Europa kommen 5 Arten, weltweit 74 Arten vor.

Beschreibung, Stimme und Gesang:
Mit 16-17 cm Länge, von denen 5-6 cm auf die Schwanzspieße entfallen, sind Rötelschwalben etwas kleiner als Rauchschwalben. Sie wiegen durchschnittlich rund 22 g und haben eine Flügelspannweite von 32-34 cm. Rötelschwalben ähneln unseren Rauchschwalben, sie haben aber kein Brustband, dafür jedoch ein rotbraunes Nackenband und einen rotgelben Bürzel. Die Kehle ist rahmfarben, Scheitel und Rücken sind dunkel und metallisch blau glänzend. Der Schwanz ist etwas kürzer als der der Rauchschwalbe und weist keine weiße Flecken auf. Die Schwanzspieße sind gröber und die Flügelspitzen stumpfer.
Rötelschwalben haben einen verhaltend schwätzenden Gesang, deutlich tiefer und kürzer als der Gesang der Rauchschwalben. Ihren Gesang schließen diese Schwalben häufig mit einem Roller ab. Der häufigste Ruf ist ein „zwäit“ „djüit“, auch ein lang gezogenes „djüüi“ und hört sich weicher an als bei der Rauchschwalbe. Das Männchen lässt daneben auch noch ein feines bussardähnliches Miauen hören.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Das Brutgebiet der Rötelschwalbe (Unterart rufula) erstreckt sich von Maghreb über die Iberische Halbinsel mit größeren Lücken am Nordrand des Mittelmeeres nach Osten bis Israel und in einem schmalen Band über Nord-Syrien und Nord-Irak nach Süd-Iran bis Mittelasien. Es gibt mehrere weitere Unterarten in Indien, Ostasien und Jemen.

Der Gesamtbestand der Art beträgt in Europa zwischen 100.000 bis 430.000 Brutpaaren. Die größten Populationen der Rötelschwalbe weisen die Türkei (30.000-90.000), Spanien (20.000-100.000), Portugal (10.000-100.000), Griechenland (10.000-50.000) und Albanien (10.000-30.000) auf. In Mitteleuropa tauchen die Vögel fast alljährlich in der Schweiz auf; Nachweise gibt es auch aus vielen weiteren Ländern, so auch aus Deutschland (z.B. Helgoland).
Die Rötelschwalben Europas sind Zugvögel, die südlich der Sahara überwintern. Das genaue Winterquartier ist nicht bekannt, vermutlich überwintern die Vögel aber in den Savannen des tropischen Nordafrikas. Ab Ende August verlassen Rötelschwalben ihr Brutgebiet, doch die Masse der Vögel zieht oft erst im Oktober fort. Der Heimzug ins Brutgebiet beginnt im Februar, ist Mitte Mai abgeschlossen und weist ein Maximum Mitte April auf. Sie ziehen tagsüber und fliegen ruhiger als Rauchschwalben.

Biotop und Nahrung:
Rötelschwalben sind Brutvögel sommerwarmer Klimate, die bevorzugt in felsigen Schluchten brüten; daneben sind sie auch in Hügelland und Ebenen, stets in der Nähe von Gewässern und
meist an Brücken und an Gebäuden brütend, zu finden. Z.B. in Ostasien kommen sie auch mitten in Großstädten vor.
Rötelschwalben erbeuten im Flug Insekten; sie jagen meistens in unmittelbarer Nähe ihrer Brutplätze.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Die Vögel werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Rötelschwalben mauern ihre Nester selbst aus Schlamm und kleben sie von unten an einen Vorsprung von Sand-, Lehm- und Felswänden; auch unter Brücken und andere Gebäuden errichten sie die Nester, indem sie 0,7 bis 1,2 g schwere Lehmteilchen zusammenkleben. Das Nest ist eine Halbkugel mit enger Eingangsröhre, wird von beiden Partnern gemeinsam erbaut und mit Federn und feinen Pflanzenteilchen von innen gepolstert.
8-18 Tage nimmt der Nestbau die Altvögel in Beschlag, die auch oft tagelange Pausen einlegen. Nester aus dem Vorjahr bessern die Vögel aus.
In Südspanien beginnen Rötelschwalben in der zweiten Aprilhälfte mit der Eiablage. Von Mai bis September wird meist noch ein Zweit- und manchmal noch ein Drittgelege getätigt. Mit der Ablage des letzten Eies beginnen beide Altvögel zu brüten. Das Weibchen sitzt dabei häufiger als das Männchen auf den länglich elliptischen, reinweißen Eiern. Nach 13-16 Tagen schlüpfen alle Jungen synchron.
Die Jungen werden von beiden Altvögeln gefüttert und erscheinen nach 16-17 Tagen am Röhreneingang des Nestes. Nach 22-26 Tagen fliegen sie aus und werden noch weitere 8-9 Tage auf Sitzwarten gefüttert. In Südspanien hatten 86% der Rötelschwalben Zweitbruten und 22% auch Drittbruten. Die Erstgelege hatten eine durchschnittliche Größe von 4,5 Eiern, die Zweitgelege von 3,8 Eiern und die Drittgelege von 3,6 Eiern.
Der älteste in Israel wieder gefundene Ringvogel war 9 Jahre alt.


Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.



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