Steinadler

Steinadler (Aquila chrysaetos)

Gattung : Adler (Aquila)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00229

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Kennzeichen, Beschreibung und Stimme
Steinadler zeigen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus- Männchen und Weibchen unterscheiden sich in Größe und Gewicht. Während ein Männchen im Durchschnitt 3,7 kg schwer ist, bringt es das Weibchen auf durchschnittliche 5 kg. Die Flügelspannweite beim Männchen ist mit 2 m auch um gut 20 cm geringer als beim Weibchen. In der Größe variieren die Vögel von 77cm bis 90 cm.
Ausgewachsene Steinadler sind einfarbig dunkelbraun mit goldgelben Tönen an Kopf und Nacken. Die Jungen sind an den Wurzeln der Handschwingen auffallend weiß, außerdem haben sie auch einen weißen Schwanz mit breiter dunkler Endbinde. Mit zunehmendem Alter nimmt das Weiß im Gefieder ab. Die verschiedenen Kleider nicht ausgewachsener Steinadler können zu Verwechslungen mit anderen Adlern führen.
Die Flügel sind beim Steinadler lang und schmal und an den Enden aufgefingert. Sie weisen einen Knick im Handgelenk auf. Während des Segelns werden die Flügel leicht v-förmig angehoben, was Steinadler von anderen Adlern unterscheidet. Von Nahem kann man erkennen, dass die Füße bis zu den Läufen befiedert sind. Die Schnabelspitze ist schwarz, die Basis des Schnabels grau, die Wachshaut gelb. Erst mit 5-6 Jahren hat der Steinadler sein endgültiges Alterskleid.
Die ruffreudigen Steinadler haben ein großes Repertoire und lassen am Brutplatz lange, an- und abschwellende Rufreihen ertönen, die ein wenig an Rotschenkelrufe erinnern. Der Erregungsruf ist bussardähnlich.

Verbreitung und Bestand:
Der Steinadler kommt in abgelegenen Gebirgen Europas und Asiens (bis Japan und Korea) vor, außerdem in Nordafrika bis zur Sahara und in Nordamerika von Alaska bis Mexiko. In Tieflagen Europas und Amerikas wurde der Steinadler weitgehend ausgerottet. In Deutschland ist das Vorkommen des Steinadlers auf den Alpenraum begrenzt. Der Bestand in Europa beträgt etwa 8.400- 11.000 Brutpaare mit Schwerpunkten in der Türkei, in Russland und Spanien sowie Skandinavien. In Mitteleuropa brüten 730-860 Paare überwiegend in den Alpen, davon 250 – 360 in Österreich, 300-310 in der Schweiz und 45-50 in Deutschland.

Steinadler Flugbild

Lebensraum und Ernährung:
Im Hochgebirge kommen Steinadler an steilen Wänden und Hängen vor und jagen dort am liebsten über der Waldgrenze, im Winter aber auch tiefer. Die Horste, für die der Adler einen freien Anflug benötigt, werden an steilen Wänden errichtet. In Nordeuropa kommt der Steinadler in Gebirgs- und Hügellandschaften vor, die auch offene Flächen aufweisen dürfen. Je nach Biotop sind verschiedene Säugetiere und Vögel die Grundlage der Ernährung des Steinadlers. So können Murmeltiere, Ziesel, Raufußhühner, Füchse, junge Paarhufer wie Gämse, Reh, Hirsch, Schaf oder Hasen Hauptbeute des Steinadlers sein. Vor allem im Winter nimmt der Steinadler auch Fallwild an.

Verhalten:
Steinadler jagen sowohl aus dem Suchflug als auch vom Ansitz. Beim Suchflug erscheint der Adler plötzlich über einem Felsgrat und überrascht und erschrickt seine potentielle Beute.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Erst mit 4-5 Jahren werden Steinadler geschlechtsreif. Am einmal gefundenen Partner halten die Vögel meist ein Leben lang fest. Auch ihrem Revier bleiben sie treu. In den Alpen brüten Steinadler in Felswänden, meistens auf Felsbändern und Vorsprüngen. In der Schweiz brütet jedes 9. Steinadlerpaar auf Bäumen und auch in den waldreichen Mittelgebirgen Polens und der Slowakei sind die Adler Baumbrüter. Die Horste werden wiederholt genutzt und sind dann bei einem Durchmesser von 3 m oft mehr als 2 m hoch. Die Horstmulde wird von den Adlern mit Gras und grünen Zweigen ausgekleidet. Mit dem Horstbau wird ab Februar von beiden Partnern begonnen. Meist haben die Paare mehrere Horste, die sie im Wechsel bewohnen. Am Horst sind Steinadler sehr störungsempfindlich, was sich vor allem auf die Horstwahl im Folgejahr auswirkt. Legebeginn ist meistens im März, gelegentlich erst Anfang Mai. Das Weibchen legt zwei Eier im Abstand von 3-5 Tagen. Es bebrütet die glanzlos schmutzigweißen, rundovalen, violett oder braun gefleckten Eier jeweils 43-45 Tage überwiegend allein. Nach dem Schlüpfen hudert das Weibchen die Küken, bis sie etwa 14 Tage alt sind. In den ersten drei Lebenswochen trägt das Männchen das Futter herbei und das Weibchen füttert die Jungen. Danach schlägt auch das Weibchen wieder Beute. Ab der 5. Lebenswoche erhalten die Jungen die Beute unzerlegt und ungerupft. Nach sechs Wochen beginnen die Jungadler mit ersten Flugübungen und klettern nach zwei weiteren Wochen in der Nestumgebung herum. Insgesamt verbringen junge Steinadler 65-80 Tage im Nest und werden danach noch Monate lang von den Eltern umsorgt. In den Alpen werden die Jungen meist im Spätherbst aus dem elterlichen Revier vertrieben, manchmal auch erst im Januar.
Steinadler haben im Jahr durchschnittlich 0,97 flügge Junge pro Paar (Schweiz), und 0,52 in Großbritannien. Bei zunehmender Adlerdichte nimmt der Bruterfolg noch weiter ab. In weniger als 30 % der Horste werden auch zwei Junge flügge, in Großbritannien in noch deutlich weniger Horsten. Der Bruterfolg hängt stark von der Adlerdichte, der Nahrungsgrundlage, der Mithilfe anderer nicht ausgewachsener Adler bei der Brut, der Witterung und von menschlichen Störungseinflüssen ab.
Nur etwa ein Drittel bis ein Viertel der Jungadler erreicht die Geschlechtsreife. Danach nimmt die Sterblichkeit stark ab; in Deutschland wird die Mortalität pro Jahr auf 7,5 % geschätzt. Der älteste beringte Vogel war 32 Jahre alt. In Gefangenschaft werden Steinadler älter als 40 Jahre.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Nonpasseriformes, Wiebelsheim.
Glutz von Blotzheim, Urs (Hg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4 Falconiformes, Wiesbaden.



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