Zippammer

Zippammer (Emberiza cia)

Familie: Ammern (Emberizidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00228

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Beschreibung und Verhalten:
Mit 16 cm Größe ist die Zippammer geringfügig kleiner als die allbekannte Goldammer. Kehle und Kopf sind bei dieser Ammernart aschgrau gefärbt und weisen dünne schwarze Streifen auf dem Scheitel und an den Kopfseiten auf. Wenn Zippammern auf dem Boden nach Nahrung suchen, spreizen sie häufig den Schwanz, in dem dann das Weiß auffällt. Die Oberseite der Zippammer ist kastanienbraun und schwarz gestreift. Die Unterseite ist zimtbraun und ungestreift. Ungestreift ist auch der kastanienbraune Bürzel. Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Äußeren kaum, das Weibchen ist nur etwas matter gefärbt. Durch die hell aschgraue Kehle unterscheiden sich Zippammern von allen anderen europäischen Ammern; junge Zippammern sind streifig und unterscheiden sich durch die rostbräunliche Unterseite und den kastanienbraunen Bürzel von jungen Ortolanen und Grauortolanen.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Zippammern sind nur regional verbreitete und wenig häufige Brutvögel der gemäßigten, mediterranen und Steppenzone sowie in Gebirgsregionen der Paläarktis von Nordwestafrika bis Südwestsibirien und über Afghanistan bis zum Altai. In Mitteleuropa kommt die Zippammer außerhalb der Schweiz, in der 4000-8000 von 5000-10000 mitteleuropäischen Brutpaaren zu Hause sind, nur inselartig vor. In Europa ist die Zippammer im Bestand mit 1,3 bis 4,1 Millionen Brutpaaren stabil. Davon kommen 0,8- 2Millionen Brutpaare in Spanien, 0,3 bis 1,0 Millionen Paare in der Türkei, 50.000 – 500.000 in Portugal, 20.000 bis 100.000 in Frankreich und 22.000 - 90.000 in Italien vor.

Im 19. Jahrhundert war die Zippammer in Mitteleuropa noch viel weiter verbreitet, doch vermutlich klimabedingt erloschen viele Brutvorkommen. Der Bestandsrückgang hielt bis in jüngerer Zeit an.
Zippammern brüten an trockenen und warmen, gern felsigen und südexponierten Hängen, in aufgelassenen Steinbrüchen sowie in Geröll- und Blockhalden und Lawinenkegeln und –runsen. Daneben besiedeln sie auch extensiv genutzte Kulturflächen mit noch lückiger und kurzer Rasenfläche und Flächen, die von Wald- zu Freiflächen übergehen und nur locker mit Büschen und Bäumen bestanden sind und eine Pflanzengesellschaft aufweisen, die Wärme und Wintermilde anzeigt.

Fortpflanzung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Zippammern werden bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif; sie sind monogam und ihrem Partner z. T. treu (bis drei Jahre wurden belegt). Es kommt nur selten zu Umverpaarungen.
Die Reviere werden je nach Witterung frühestens ab Ende Februar, häufiger erst in der zweiten Märzhälfte besetzt. An ihren Revieren halten die Vögel meistens ein Leben fest. Männchen und Weibchen machen sich gemeinsam auf die Suche nach einem Nistplatz, aber das Weibchen wählt ihn dann alleine aus. Das Nest wird am Boden in Stauden oder Sträuchern, in dichten Ranken oder in kleinen Koniferen, auch in Felshöhlen und –spalten, in Weinbergsmauern und im Geröll errichtet. Fast immer ist es durch Pflanzen gut gegen Sicht geschützt und in einer Höhe von 0- 1,8 m über dem Grund zu finden. Als Nistmaterial für den Unterbau dienen grobe Halme und Stängel, auch Blätter, Farnwedel und Rindenstückchen. Innen ist das Nest mit feineren Halmen und Gräsern und oft einigen Tierhaaren ausgepolstert. Nur das Weibchen baut am Nest und ist damit 4-12 Tage, durchschnittlich 7 Tage, beschäftigt. Ab Mitte April beginnt das Weibchen mit der Eiablage. 2-5 glanzlose, grauweiße, mit vielen braunschwarzen Flecken und Kritzeln versehene Eier legt es im Abstand von jeweils einem Tag zueinander. Gelege im April und Mai sind größer als spätere oder zweite Gelege. Das Weibchen beginnt erst nach Ablage des letzten Eies zu brüten. Die Jungen schlüpfen nach 12-15 Tagen gemeinsam. Das Weibchen hudert die Jungen bis zu 11 Tage lang. Bevor die Jungen voll flugfähig sind, verlassen sie schon das Nest nach 10-13 Tagen und verstecken sich in der Bodenvegetation. Einige Tage später sitzen sie dann erhöht. Die Jungen werden noch 2-3 Wochen von den Altvögeln gefüttert und geführt. Kommt es zu einer zweiten Brut, verkürzt zumindest das Weibchen die Führungszeit der Jungen.
Der älteste wieder gefundene Ringvogel war 8 Jahre alt.

Nahrung:
Zippammern füttern ihre Jungen ausschließlich mit tierischer Nahrung. Die Größe der Beutetiere nimmt mit der Entwicklung der Jungen zu. Die Altvögel selbst fressen eine Vielzahl von Sämereien und Insekten und nehmen manchmal auch vegetative Pflanzenteile zu sich.

Besonderes: Zippammern sind sehr Wärme liebend. Klimaveränderungen können dazu geführt haben, dass die Art aus Mitteleuropa weitgehend zurückgedrängt wurde.
Heute ist die Zippammer auch dadurch gefährdet, dass sich ihr Lebensraum durch das Aufgeben traditioneller Nutzungsformen wie z.B. extensive Beweidung von steilen Hängen zu ihrem Nachteil verändert. Radikale Entbuschungen, Aufforstungen, Herbizid- und Insektizideinsatz sowie Störung der Brutplätze infolge von Freizeitnutzung an Steinbrüchen und in alpinen Bereichen sind weitere Gefährdungsursachen.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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