Felsenschwalbe

Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris)

Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00227

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Schwalben sind elegante und anmutige Flieger mit stromlinienförmigem Körper und schmalen und langen Flügeln und zumeist gegabeltem Schwanz, die Insekten im Fluge fangen. Sie haben winzige Füße und einen kurzen Schnabel mit sehr weitem Rachen. In Europa kommen 5 Arten, weltweit 74 Arten vor. Nur die Felsenschwalbe ist kein ausgesprochener Zugvogel.

Felsenschwalbe Seitenansicht

Beschreibung, Stimme und Gesang:
Felsenschwalben werden 14,5 cm groß, haben eine Flügelspannweite von 32-34,5 cm und wiegen durchschnittlich etwa 25 g. Sie ähneln Uferschwalben, haben aber eine dunklere Unterseite und kein Brustband und wirken insgesamt plumper als die kleineren Uferschwalben. Aus der Nähe kann man weiße Flecken an der Schwanzspitze erkennen. Der Schwanz ist ungegabelt.
Am häufigsten hört man von der Felsenschwalbe schnurrende Rufe, die wie „zrrrr“ „trt“ „ tr tr tr“ klingen, manchmal auch mit durchklingendem „i“ wie „tschrip“ „prrit“ und einzeln oder gereiht vorgetragen werden. Warnrufe sind ein hartes „trek trek“ und ein weicheres „zi-üh-tii-üh“. Der Gesang wird im Flug vorgetragen und besteht aus kehligen, leise schwätzenden bis trillernden Tönen, die an Rufe erinnern.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Verbreitet sind Felsenschwalben von Nordwestafrika und Südwesteuropa über die Mittelmeer- und Balkanländer lückenhaft bis an die Westküste des Schwarzen Meeres. Im Norden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis zu den Mittelasiatischen Gebirgen und bis zur Mongolei, im Süden über Kleinasien bis Palästina, Süd-Iran, Nordwest-Pakistan und bis Südwest- und Nordost-China.
In Mitteleuropa ist die Felsenschwalbe ein seltener Brutvogel der Alpen und des Alpenvorlandes. Die tiefsten Brutvorkommen in der Schweiz liegen bei 210 und 274 m, die höchsten bei 2620 m. In der Sierra Nevada in Spanien brüten Felsenschwalben ebenfalls noch in 2500 m Höhe.

Der europäische Gesamtbestand liegt bei 120.000 – 370.000 Brutpaaren, davon sind die meisten in Spanien, Portugal und der Türkei zu finden. 5.500-8.000 Brutpaare brüten in Mitteleuropa, davon 4.000-5.000 in der Schweiz und 1.500-3.000 in Österreich. In Liechtenstein gibt es noch 10-15 Brutpaare und in Bayern 30-50.
Alle Schwalben sind ausgesprochene Zugvögel und Langstreckenzieher- mit der Ausnahme Felsenschwalbe. Diese ist im Süden sogar Standvogel und im Alpenraum Kurzstreckenzieher. Ihr Winterquartier bezieht sie im Mittelmeerraum und Nordafrika. Regelmäßig überwintern Felsenschwalben auch in Südfrankreich und in kleiner Anzahl im südlichen Alpenraum.

Biotop und Nahrung:
Felsenschwalben sind an Gebirgsschluchten und Felsen im Binnenland und an der Küste zu finden. Ihre Brutplätze liegen bevorzugt an sonnenbeschienenen und windgeschützten Felswänden. Nordwände werden gemieden. Gerne haben die Vögel Wasser in der Nähe.
Neuerdings kommen Felsenschwalben auch in Städten vor und brüten dort an Brücken und Gebäuden. Außerhalb der Brutzeit jagen Felsenschwalben über Flüssen, Seen und Kleingewässern.
Felsenschwalben erbeuten im Flug Insekten und fangen häufiger als andere Schwalben auch Schmetterlinge. Neben Insekten sammeln sie auch Spinnen auf.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Die Vögel werden wohl im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Je nach Wetterlage kommen die ersten Felsenschwalben manchmal schon Ende Februar an ihrem Brutplatz an, in anderen Jahren aber ab Mitte März oder gar erst im April. Ihr Nest legen die Vögel unter schützenden Überhängen in Felsen oder in Höhlen an. Auch unter Brücken kann man die Nester finden, oft an dunklen und schattigen Plätzen. Nach oben ist das Nest völlig offen. Die Schwalben bauen es aus Lehm und Schlamm und arbeiten auch schon mal Halme mit ein. Von innen wird das Nest mit Federn und feinem Pflanzenmaterial ausgekleidet. Eine oder manchmal mehrere Wochen ist ein Felsenschwalbenpärchen mit dem Nestbau beschäftigt. Während der Brutzeit bessern die Brutpaare ihr Nest auch immer wieder aus. Sie benutzen es oft mehrere Jahre. In Mitteleuropa beginnen Felsenschwalben frühestens im Mai mit der Eiablage, meist erst im Juni. Im Abstand von jeweils einem Tag legen die Weibchen ihre 2-5 (in der Schweiz durchschnittlich 3,2) Eier. Diese sind weiß, glänzen leicht und weisen einige rote und graue Flecken auf. Überwiegend bebrüten die Weibchen ihre Eier und nach 14-15 Tagen schlüpfen die Jungen gleichzeitig. Beide Elternteile hudern und füttern ihre Jungen, die 24-28 Tage im Nest bleiben und nach dem Ausfliegen noch einige Tage lang zum Nest zurückkehren. Nach dem Ausfliegen werden die Jungschwalben noch etwa weitere zwei Wochen von den Altvögeln gefüttert und betreut. Im Allgemeinen brüten Felsenschwalben nur einmal im Jahr; nur bei sehr günstigen Bedingungen kommt es zu Zweitbruten, die sich dann bis in den Oktober hinziehen.
Das bisher bekannt gewordene Höchstalter einer Felsenschwalbe betrug 9 Jahre.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Perrins, Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.



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