Rohrweihe

Rohrweihe (Circus aeruginosus)

Gattung : Weihen (Circus)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00226

► mehr Vögel


Allgemeines:
Weltweit gibt es 9 Weihenarten, 3 davon sind in Europa weit verbreitet (Rohr-, Korn- und Wiesenweihe) und eine, die Steppenweihe, erreicht Europa nur im äußersten Osten und Südosten. Weihen sind mittelgroße Greife mit schlankem Körper, langen schmalen Flügeln und einem recht langen Schwanz. Sie fliegen meist niedrig in gaukelndem Flug über ihr Jagdrevier.

Rohrweihe im Flug

Kennzeichen und Beschreibung:
Im Vergleich zu anderen Weihen sind Rohrweihen kräftiger und größer und haben breitere Schwingen. Ihnen fehlt das kennzeichnende Weiß am Bürzel. Mit 48-56 cm erreichen sie Bussardgröße, sie sind aber schlanker. Rohrweihenweibchen erreichen ein Gewicht von 540 bis 800 g, Männchen werden 405 –667 g schwer. Die Flügelspannweite beträgt 110 – 130 cm.
Männchen und Weibchen sehen unterschiedlich aus. Die Weibchen sind ziemlich einfarbig dunkelbraun gefärbt und haben einen rahmfarbenen Kopf und rahmfarbene Schultern. Bei den Männchen sind Rücken und z.T. die Oberflügel braun, die Flügelspitzen sind schwarz und die restlichen Flügelpartien grau; auch der Schwanz ist grau. Die Unterseite des Körpers ist rostbraun, Kopf und Hals sind hellgelb mit dunkler Strichelung. Junge Rohrweihen ähneln den Weibchen, sind im ersten Winter dunkel schokoladenbraun und haben einen leuchtend dottergelben Scheitel und eine dottergelbe Kehle.

Verbreitung und Bestand:
Rohrweihen sind von Nordafrika, Spanien und den Mittelmeerländern bis nach Südskandinavien und in einem breiten Band bis zum Pazifik verbreitet. Auch in Australien, Neuseeland und Neuguinea kommen Rohrweihen vor. In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Verbreitung in Schleswig-Holstein, Niedersachsen sowie in Ost- und Mitteldeutschland.

Schwerpunkte der Verbreitung in Europa sind die Niederungsgebiete Russlands, Weißrusslands und der Ukraine; hier brüten rund 60.000-93.000 Paare des europäischen Gesamtbestandes von 93.000 bis 140.000 Paaren. In Mitteleuropa gibt es insgesamt ca. 20.000-25.000 Brutpaare (davon Deutschland 5.500-6.630, Ungarn 5.200-6.700, Polen 6.500-8.000, Tschechien 1.300-1.700 und Niederlande 1.300-1.450). Nach starken Bestandseinbußen infolge von Verfolgung und Lebensraumzerstörung wächst die Rohrweihenpopulation seit einigen Jahren wieder. Jagdverbot, Rückgang der Pestizidbelastung und Schutz ihres Lebensraumes führten zu einer Arealausweitung und zu einem offensichtlichen Populationsdruck, der auch zur Besiedelung landwirtschaftlicher Flächen führte.

Lebensraum und Nahrung:
Dichte und weite Röhrichtbestände an Seen und Flüssen werden besonders gern als Neststandort gewählt und Teiche, Seen, Verlandungszonen und Moore sind auch bevorzugtes Jagdgebiet. Allerdings werden in den letzten Jahren immer mehr Rohrweihenhorste in Getreidefeldern und Rapsschlägen gefunden. Nach Weihenart suchen die Greife in niedrigem gaukelndem Flug ihr Jagdgebiet ab. Hauptbeute sind Singvögel und Vögel wie Blässrallen, Enten und Haubentaucher und besonders deren Junge; auch Eier ab Elsterneiergröße werden erbeutet. Daneben ergreifen Rohrweihen auch Kleinsäuger wie Mäuse, junge Kaninchen und Hasen (besonders auf den Nordseeinseln) sowie Reptilien, Amphibien und Fische. In Mäusejahren kann der Anteil der Vögel in der Nahrung von 80 % auf 20% zurückgehen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Rohrweihen brüten im Alter von zwei oder drei Jahren zum ersten Mal. Sie führen eine monogame Saisonehe. Zuweilen haben Männchen auch mehrere Weibchen. Die meisten Nester werden im dichten Röhricht über Wasser erbaut. Seltener findet man die Nester im Raps oder im Getreide sowie auf Wiesen. In Schleswig-Holstein brüten Rohrweihen auch in verschilften Gräben.
Der Unterbau des Nestes besteht aus Altschilf und aus Reisig, die Nestmulde wird aus feinerem Material geformt. Den Großteil der Arbeit der Arbeit beim Nestbau übernimmt das Weibchen, das Männchen trägt aber Material ein.
In Mitteleuropa kehren die Vögel Ende März, Anfang April aus dem Winterquartier zurück und beginnen gleich mit der Balz, bei der die Männchen spektakuläre Flüge ausführen. Legebeginn ist meist Ende April, in den Niederlanden ab Anfang April. Das Gelege besteht aus meistens 4-5 glanzlos weißen oder bläulich-weißen, selten rötlich gefleckten Eiern. Die rundlich ovalen Eier sind klein und werden in einem Abstand von 2-3 Tagen gelegt. Das Weibchen beginnt mit der Bebrütung ab dem 1. oder 2. Ei. Die Jungen schlüpfen dann nach 31 bis 36 Tagen pro Ei asynchron ab Ende Mai/ Anfang Juni. Nach dem Ausschlüpfen der Jungen bringt das Männchen die Nahrung herbei und das Weibchen füttert. Später jagt auch das Weibchen. Im Alter von 26-30 Tagen verlassen die Jungen ihr Nest, bleiben aber in Nestnähe im Schilf. Erste Flugversuche unternehmen die Jungen ab 30 Lebenstagen, mit 38-40 Tagen fliegen sie dann frühestens und betteln die Eltern noch bis zu drei Wochen um Nahrung an. Erst nach 8 Wochen sind junge Rohrweihen voll flugfähig uns selbständig.
Es findet nur eine Jahresbrut statt, es gibt aber Nachgelege mit bis zu 5 Eiern. Durchschnittlich fliegen pro Jahr und Paar etwa 2,5 Junge aus.
Die Sterblichkeit junger Rohrweihen beträgt im ersten Lebensjahr 48-54 %, in späteren Jahren geht sie auf 22-38 % zurück. Der älteste Ringvogel in Deutschland war 16 Jahre und 8 Monate alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Nonpasseriformes, Wiebelsheim.
Glutz von Blotzheim, Urs (Hg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4 Falconiformes, Wiesbaden.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Rohrweihe

Natur-Lexikon.com