Grauammer

Grauammer (Emberiza calandra)

Familie: Ammern (Emberizidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00225

► mehr Vögel


Beschreibung und Verhalten:
Mit knapp 18 cm Länge und einem Gewicht von rund 50 g sind Grauammern die größten und schwersten Ammern Europas. Sie wirken plump und gedrungen, sind oberseits graubraun gefärbt, unterseits heller und am ganzen Körper dunkelbraun längsgestrichelt. An Flügeln und Schwanz findet sich keinerlei Weiß. Im Vergleich zu Lerchen und Piepern haben Grauammern einen viel derberen und kürzeren Schnabel und einen großen runden Kopf. Schnabel und Beine sind gelblich, Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Die Jungvögel sind stärker als die Altvögel gestrichelt. Im Flug wirken Grauammer schwerfällig, häufig lassen sie die Beine hängen. Grauammern singen von erhöhten Warten wie Telefondrähten, Pfählen, Zäunen und aus den Spitzen von Sträuchern. Außerhalb der Brutzeit sind sie recht gesellig und bilden kleinere und mittelgroße Trupps, mitunter auch größere Schwärme.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Grauammern sind Brutvögel in fast ganz Europa mit Ausnahme des Nordens (Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Nordrussland) und in Vorderasien und Nordwestafrika und sind in den landwirtschaftlich genutzten Tiefländern sowie in feuchten Flächen zu finden. Leider ist der Bestand aber stark abnehmend und die Art heute bereits nur noch sehr lückenhaft und z.T. inselartig verbreitet.

Der Bestandseinbruch war ab 1960 in weiten Teilen Europas zu verzeichnen und wurde durch Beeinträchtigung oder Zerstörung der Lebensräume und vor allem durch die Intensivierung der Nutzung von Agrarlandschaften ausgelöst. 50 % des Weltbestandes der Art ist in Europa zu finden. Noch immer beträgt dieser etwa 8-22 Millionen Brutpaare. Aber nur noch 340.000 – 680.000 Brutpaare sind in Mitteleuropa zu finden und nur etwa 13.000 bis 32.000 Paare brüten in Deutschland. Die meisten Grauammern brüten heute noch in der Türkei (3-9 Millionen BP), in Spanien (1,4-4,3 Millionen BP) und in Bulgarien, Rumänien und Polen.

Fortpflanzung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Grauammern werden bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif; da die jungen Männchen aber oft erst spät Reviere besetzen, kommen sie meist nicht mehr zu Brut oder Bruterfolg. Einjährige Weibchen dagegen sind fortpflanzungsfähig. Grauammern bilden nicht dauerhaft Paare und die Weibchen halten sich weder an Reviergrenzen noch zeigen sie anderen Weibchen gegenüber Aggressionen. Die Männchen balzen jedes Weibchen an, unabhängig vom eigenen Verpaarungsstatus. So finden bisweilen mehrere Bruten in einem Revier statt.

Da Grauammern aber sehr ortstreu sind, sind auch immer wieder Wiederverpaarungen in den nächsten Jahren möglich.
Ab Februar halten sich Grauammern in Mitteleuropa in ihren Brutgebieten auf, ohne jedoch gleich feste Reviere zu bilden. Ab Ende März, meistens aber erst ab Mitte April werden dann die Brutreviere besetzt. Das Weibchen sucht den Nistplatz aus und versteckt das Nest, das es in 2-4 Tagen alleine baut, sehr gut in der Vegetation. Meist findet sich das Nest unmittelbar am Boden in baum- und strauchfreier Umgebung. Das Nest wird aus vorjährigen Grashalmen fest gefügt, obgleich es recht locker aussieht. Von innen wird es mit feinem Material ausgekleidet. Die Nester haben einen Muldendurchmesser von 70 bis 100 mm und eine Muldentiefe von 40-70 mm. Die meisten Nester findet man im Dauergrünland und auf Ackerflächen.

In Mitteleuropa beginnt das Weibchen nur selten vor Mitte Mai mit der Eiablage, die sich bis spätestens Mitte Juli hinzieht. Nestlinge kann man bis in den August hinein finden. Ein volles Gelege besteht aus 4-5 Eiern. Die ovalen, meist matten Eier haben eine rötlichgraue, weißlich-blaue oder rötlichgelbe Grundfarbe und sind mit braunen bis schwarzen Kritzeln besetzt, die sich meistens am stumpfen Pol konzentrieren. Nach 11-13 Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern. Die Eier werden nur vom Weibchen bebrütet, das mit Ablage des letzten oder vorletzten Eies zu brüten beginnt. Die Jungen schlüpfen innerhalb von 1 bis 2 Tagen und werden in den ersten Lebenstagen ausschließlich vom Weibchen gehudert, das auch zu Beginn alleine füttert. Später füttert das Männchen unter Umständen auch mit, vor allem nach dem Ausfliegen der Jungen. Die Jungen verlassen ihr Nest bevor sie voll flugfähig sind im Alter von 9-12 Tagen und werden noch zwei Wochen von den Eltern betreut.

Da Grauammern meistens spät mit der Brut beginnen, finden Zweitbruten nicht häufig statt. Die Weibchen bauen dann aber stets ein neues Nest. Wenn die Eier verloren gehen, kommt es in der Regel zu Ersatzgelegen.
Je älter Weibchen werden, desto erfolgreicher brüten sie und desto mehr Jungvögel fliegen durchschnittlich aus einem Gelege aus. Es kommt aber häufig auch zu Totalverlusten durch die Witterung, durch Prädatoren wie Wiesel oder Krähen und durch menschliche Einflüsse.
Die ältesten wieder gefundenen Ringvögel waren 10 Jahre und 5 Monate bzw. 9 Jahre und 10 Monate alt.

Nahrung:
Samen von allerlei Wildpflanzen sowie Getreide sind Ernährungsgrundlage der Grauammer. Daneben fressen sie die Ammern im Frühjahr und Sommer auch vielerlei Insekten wie Käfer und Heuschrecken, ferner Spinnen. Junge Grauammern werden hauptsächlich animalisch mit Schmetterlingen, Heuschrecken, Käfern und Spinnen gefüttert, sie erhalten aber auch Samen von Wildkräutern.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Grauammer

Natur-Lexikon.com