Papageitaucher

Papageitaucher (Fratercula arctica)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Alken (Alcidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00224

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Beschreibung und Verhalten
Papageitaucher sind im Brutkleid durch ihre dreieckigen, seitlich abgeflachten, bunten rot-blau-gelben Schnäbel, durch ihre gedrungene, dickköpfige Gestalt und durch ihr schwarz-weißes Gefieder und die leuchtend orange-roten Füße unverwechselbar. Im Ruhekleid ist der Schnabel zwar etwas kleiner, aber immer noch als Papageitaucherschnabel erkennbar. Die Jungen haben einen viel kleineren, schwärzlichen Schnabel, aber auch die typische Gesichtszeichnung der erwachsenen Papageitaucher. Papageitaucher sitzen aufrecht, ruhen aber waagerecht und erscheinen im Flug sehr dickköpfig. Sie wiegen zwischen 320 und 480 g, werden 26-29 cm lang, haben eine Flügelspannweite von 47-63 cm und sind somit deutlich kleiner als Tordalk oder Trottellumme, zwei andere Vertreter der Alkenfamilie.
Papageitaucher fürchten den Menschen nicht. Sie bleiben seelenruhig sitzen, wenn Fotografen sich ihnen in der Brutkolonie auf Armlänge nähern und sie fotografieren. Ihre Zutraulichkeit wurde den Vögeln früher häufig zum Verhängnis, denn man fing die Puffins, wie sie in Schottland heißen, zu Tausenden in Netzen, um sie zu verspeisen oder zu Tran zu verarbeiten. Noch heute werden z.B. auf den Westmännerinseln in Island Puffins gefangen und verspeist.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Papageitaucher sind Brutvögel im Nordatlantik und im nördlichen Polarmeer und kommen an der Atlantikküste Nordamerikas, Grönlands, Islands und Spitzbergens vor. Im Osten kommen sie bis zur Murmanskküste vor und erreichen Südnorwegen, Großbritannien und Irland und Nordwest-Frankreich. Papageitaucher sind häufige Vögel mit einem geschätzten Weltbestand von rund 8 Millionen Brutpaaren. Etwa 60 % des Weltbestandes brütet in der borealen und 40 % in der arktischen Zone. In Europa brüten über 90 % des Weltbestandes; am häufigsten ist der Papageitaucher in Island mit einer Population von 3-4 Millionen Paaren, in Norwegen und Spitzbergen mit 1,5 bis 2,1 Millionen Paaren und in Großbritannien mit rund 621000 Paaren. Die Färöer sind Brutheimat von mehr als einer halben Millionen Brutpaaren. Auf Helgoland waren die Vögel früher auch Brutvögel, heute übersommern gelegentlich einzelne Exemplare dort.
Noch mehr als die anderen Alken Tordalk und Trottellumme sind Papageitaucher Meeresvögel, die sich im Winter ausschließlich in nordatlantischen bis subtropischen Gewässern auf offener See aufhalten.

Fortpflanzung, Jungenaufzucht und Lebenserwartung:
Papageitaucher brüten frühestens im 5. oder 6. Lebensjahr zum ersten Mal. Jüngere Vögel erscheinen zwar an den Kolonien, sie haben aber keine Brutchance. Die Partner leben während der Brutsaison monogam zusammen; da sie den Brutplätzen sehr treu bleiben, bleiben auch die Partner zusammen. Die Vögel graben sich entweder selbst eine Höhle auf der Oberkante grasbewachsener Klippen oder nutzen vorhandene Höhlen in Geröll- oder Blockfeldern. Auch Bauten von Kaninchen werden bezogen.

Die selbst gegrabenen Höhlen haben meistens einen Durchmesser von 12 – 15 cm und variieren in der Länge von wenigen cm bis zu einem Meter. Die Nestkammer ist 30-40 cm breit. Papageitaucher legen ihr einziges kurzspindelförmiges Ei von frühestens Mitte April bis Ende Mai, im Norden auch bis Ende Juni, auf dem bloßen Boden ab. Beide Partner bebrüten das weißliche, sparsam gefleckte Ei 35-38 Tage lang. In den ersten 9 Lebenstagen wird das Küken von beiden Eltern gehudert. Nach 37-41 Tagen endet die Nestlingszeit der Küken. Gut entwickelte Küken fliegen dann aufs Meer, andere laufen oder springen hangabwärts, meistens in der Nacht, um potentiellen Feinden wie Möwen und Raubmöwen zu entgehen. Der Bruterfolg hängt stark vom Nahrungsangebot ab. In manchen Jahren kommen kaum Jungvögel hoch, in anderen Jahren liegt der Aufzuchterfolg bei 90 %.
Die Jungensterblichkeit bei Papageitauchern ist sehr hoch. Die Sterblichkeit nimmt bei Altvögeln ab 20-25 Jahren deutlich zu; in diesem Alter vermehren sich die Vögel auch kaum noch.

Nahrung:
Papageitaucher ernähren sich von kleinen Schwarmfischen wie Sandaalen, Sprotten, Heringen oder kleineren Dorschverwandten. Die Fischchen, die sie fangen, sind meistens 10-15 cm lang und bis 33 g schwer. Im Winter erbeuten sie daneben auch noch Borstenwürmer, Crustaceen und Mollusken. Der Nahrungsbedarf von jungen Papageitauchern beträgt bis zum Ausfliegen durchschnittlich 84 g pro Tag.
Durch Überfischung der Meere sind Papageitaucher vielerorts gefährdet, weil sie nicht mehr genügend Nahrung finden. In manchen Kolonien verhungerten Jungvögel zu Tausenden.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1I: Charadriiformes (3. Teil), Sternidae- Alcidae, Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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