Odinshuenchen

Odinshühnchen (Phalaropus lobatus)

Familie: Wassertreter (Phalaropodidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00222

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Das Odinshühnchen gehört zur Familie der Wassertreter, die oft als Unterfamilie der Schnepfenvögel, Scolopacidae, angesehen werden. Neben dem Odinshühnchen gehören nur der Wilsonwassertreter (Phalaropus tricolor) und das Thorshühnchen (Phalaropus fulicarius) dieser Familie an.

Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Mit knapp 18 cm Größe ist das Odinshühnchen gut zwei cm kleiner als das seltene Thorshühnchen. Es hat einen dunkel gemusterten Rücken und eine helle Unterseite und ist im Ruhekleid leicht mit dem Thorshühnchen zu verwechseln, wenn auch die Oberseite dunkler ist. Bei beiden Arten weisen die Flügel eine helle Querbinde auf. Diese fällt besonders im Flug auf. Der Schnabel des Odinshühnchen ist schwarz (beim Thorshühnchen gelb mit schwarzer Spitze) und deutlich länger und dünner als beim Thorshühnchen. Im Brutkleid hat das Weibchen ein geschlossenes rostrotes, das Männchen ein vorne offenes rostrotes Halsband.

Verbreitung und Bestand:
Das Odinshühnchen brütet zirkumpolar in der Subarktis und Arktis Eurasiens und Nordamerikas. In Europa dringt es im Süden bis in die boreale Zone Großbritanniens, Irlands und Skandinaviens vor.
Der Brutbestand in Europa beträgt zwischen 85.000 und 220.000 Brutpaaren, wobei die größten Populationen in Grönland und vor allem Island (zur Zeit etwa 50.000 Brutpaare) beheimatet sind.
In Mitteleuropa ist das Odinshühnchen ein regelmäßiger Durchzügler, der aber nur in kleiner Zahl auftritt. Von August bis Oktober liegen die meisten Nachweise vor.

Lebensraum und Nahrung:
Odinshühnchen brüten im Binnenland und in Küstennähe an kleinen Tümpeln und Teichen und geschützten Buchten größerer Seen. Umgeben sind die Gewässer von feuchten Wiesen oder Tundren- und Hochmoorflächen. Ihre Nahrung finden die Vögel auf flachen Süß-, Brack- und Salzgewässern. Durchzügler halten sich an flachen Meeresküsten oder auf Binnengewässern wie Klärteichen oder flachen Seen auf. Im Winter leben Odinshühnchen pelagisch in tropischen Meeren, die ein hohes Angebot an oberflächlichem Plankton aufweisen. Sie leben von Kleintieren wie Larven, Puppen und Imagines von Mücken; daneben nehmen sie auch viele weitere kleine Insekten auf, seltener auch Spinnentiere, Ringelwürmer und Mollusken. Pflanzliche Nahrungsanteile sind nur äußerst gering. Odinshühnchen suchen ihre Nahrung vor allem schwimmend, aber auch im Wasser watend und an land laufend.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Beim Odinshühnchen ist das übliche Verhalten der Geschlechter vertauscht. Das Weibchen trägt das farbenprächtigere Brutkleid, balzt um das Männchen und überlässt dem Männchen den Nestbau und die Bebrütung des Geleges. Auch die Jungen werden ausschließlich vom Männchen geführt.
Die Vögel werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Die monogame Paarbindung hält nur kurz an. Das Männchen geht eine Bindung mit einem Weibchen ein, das gerade Eier gelegt hat, verpaart sich bei frühem Gelegeverlust aber schnell mit einem 2. Weibchen. Es kommt auch zu Begattung von mehreren Weibchen durch das Männchen.

Das Nest wird fast immer in Wassernähe oder auf kleinen Inseln errichtet. Die Nestmulde ist meist gut in der Vegetation versteckt. Das Männchen kleidet die Nestmulde meist mit wenig Nistmaterial, das es nach Ablage des ersten Eies herbei trägt, aus. Das Weibchen legt ab Ende Mai bis Mitte Juli 3-4 stark kreiselförmige gefleckte Eier mit hell- bis olivbrauner Grundfarbe. Das Männchen brütet die Eier in 17 bis 21 Tagen aus und führt die Jungen etwa 2 Wochen lang; mit 3 Wochen sind die jungen Odinshühnchen flügge, sie werden also bereits früh vom Männchen verlassen und müssen alleine auf Nahrungssuche gehen. Im Allgemeinen brüten Odinshühnchen nur einmal im Jahr. Bei Überschuss an Männchen kommt es manchmal zu zwei, mehr oder weniger ineinander verschachtelten Bruten pro Weibchen.
Das älteste lebend kontrollierte Weibchen war mindestens 5 Jahre alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Sauer, Frieder: Wasservögel, München.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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