Blaumerle

Blaumerle (Monticola solitarius)

Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00220

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Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Blaumerlen werden mit gut 20 cm etwa starengroß und 37-54 Gramm schwer. Das Männchen ist leicht am blaugrauen Gefieder zu erkennen, das im Winter schwärzlich ist. Das Weibchen ist oberseits bläulichbraun gefärbt. Unterseits sind die Weibchen heller und fein graubraun gebändert. Blaumerlen sitzen bevorzugt mit hängenden Flügeln und angehobenen Schwanz auf Felsen. Der Schwanz ist relativ kurz. Nähert man sich der Blaumerle, fliegt sie sofort davon. Der Gesang der Blaumerle erinnert an Amselgesang, ist aber nicht so ausgedehnt. Meistens von einem Felsen oder auch im senkrechten Balzflug wird der laute und flötende Gesang vorgetragen.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Die Blaumerle ist Brutvogel vom Mittelmeerraum bis über den Iran, Afghanistan und die mittelasiatischen Gebirge nach China, Korea und Japan. Den südöstlichen Mittelmeerraum (Libyen und Ägypten) besiedeln Blaumerlen nicht. In Europa kommen die Vögel in Spanien und Portugal, in Südfrankreich und im gesamten nördlichen Mittelmeerraum einschließlich der Inseln außer Zypern vor. In den Alpen ist die Blaumerle bis Meran und in die Südschweiz verbreitet. An der Adria kommt sie bis Istrien vor und erreicht Süd-Bulgarien, aber nicht Rumänien. Mitteleuropa erreicht die Wärme liebende Art nur in der Südschweiz, wo 20-25 Paare brüten. Der europäische Gesamtbestand liegt zwischen 120.000- 260.000 Brutpaaren. Die größten Blaumerlen- Bestände weist die Türkei mit etwa 50.000-120.000 Brutpaaren auf. Früher waren Blaumerlen weiter nach Norden verbreitet als heute.

Blaumerlen sind an felsigen Berghängen, in Steinbrüchen und in wüsten Felsgebieten zu finden und halten sich gern in der Nähe von Wasserfällen auf. Gut besonnte Steilhänge, Felspartien mit Sträuchern und Gräsern und auch verlassene Gebäude, Ruinen und alte Gemäuer sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Selbst mitten in Großstädten kommen Blaumerlen in Südeuropa an einigen Orten vor.

Ernährung:
Neben Insekten, die auch im Flug gefangen werden, werden Tausendfüßler und Spinnen, Regenwürmer, Schnecken und kleine Reptilien erbeutet. Im späten Sommer und Herbst nehmen Blaumerlen auch vegetarische Kost wie Beeren, weiche Früchte und Sämereien zu sich.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Vermutlich werden Blaumerlen bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Partner führen eine monogame Saisonehe. Schon ab Februar kehren sie aus dem Winterquartier, das meistens in Nordafrika und Arabien bezogen wird, zurück. Manche Blaumerlen versuchen auch im Brutgebiet zu überwintern. Direkt nach der Rückkehr balzen die Vögel und bilden Paare. In Felsspalten und -höhlen, auf Felssimsen und unter überhängenden Felsen, aber auch unter Brücken und in Mauerlöchern wird das Nest errichtet. Der Nestnapf ist ein lockerer Bau auf einer Moos- oder Zweigunterlage. Er wird mit feinem Material ausgekleidet und variiert im Umfang je nach Größe des vorhandenen Nischenraumes. Das Weibchen baut alleine. Meistens beginnt es im letzten Aprildrittel mit der Eiablage. Ein Vollgelege besteht aus meist 4-5 elliptischen, glänzend hellblauen bis blaugrünen Eiern. Nach Ablage des letzten Eies beginnt das Weibchen zu brüten. Die Jungen schlüpfen nach 12-15 Tagen und werden allein vom Weibchen gehudert, aber von beiden Partnern gefüttert. Nach 15-16 Tagen endet für die jungen Blaumerlen die Nestlingszeit; sie werden allerdings danach noch weiterhin gefüttert. Meistens brüten Blaumerlen zweimal im Jahr. Nach Beendigung der Brutzeit halten die Brutpartner nicht weiter zusammen. Sie sind Einzelgänger, die sogar eigene Territorien beziehen.
In Gefangenschaft wurde eine Blaumerle 24 Jahre alt.

Verhalten:
Blaumerlen sind normalerweise scheue Vögel. Wenn sie sich beobachtet fühlen, verschwinden sie hinter Felskanten. Tauchen Luftfeinde wie Sperber und Wanderfalken auf, „springen“ die Vögel vom Sitzplatz in den Felsen nach unten


Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/1- Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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