Rotkopfwürger

Rotkopfwürger (Lanius senator)

Familie: Würger (Laniidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00219

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Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Rotkopfwürger werden gut 17 cm groß und 35- 45g schwer und sind am satt rostrotbraunen Oberkopf und Nacken sowie an der breit schwarzen, über die Stirn ausgedehnten Gesichtszeichnung gut zu erkennen. Kehle und Unterseite sind rein weiß. Die Flügel und der Mantel sind schwärzlich; die weißen Schulterflecken und die kurze weiße Flügelbinde sind auffällig. Der weiße Bürzel fällt dagegen nur im Fluge besonders auf. Das Weibchen des Rotkopfwürgers ist insgesamt etwas matter als das Männchen gefärbt.
Der Gesang des Rotkopfwürgers ist ein anhaltendes, manchmal hartes Schwätzen mit Imitationen anderer Vogelarten. Die Rufe sind ratternd, hören sich hölzern an, sind oft gereiht „dsched, dsched“ „dschää, dschää“ oder knarrend „tr tr tr...“

Besonderheiten / Verhalten:
Wie Neuntöter fliegen Rotkopfwürger gewöhnlich geradlinig und gleiten und rütteln, wenn sie an Hecken entlang jagen. Meistens stürzen sie sich aber von erhöhten Warten auf Beute.
Ihre Beutetiere spießen Rotkopfwürger wie alle Würger vor dem Verzehr an Dornen von Büschen und Sträuchern auf. Aus diesem Grund war diese Vogelfamilie bei Menschen früher nicht gut angesehen, weil man sie für grausam hielt. Dazu kam noch, dass der Rotkopfwürger die Fähigkeit besitzt, den Gesang anderer Vogelarten zu imitieren. So unterstellte man ihm, er wolle damit Singvögel anlocken, um sie dann zu erbeuten.

Lebensraum, Verbreitung und Bestand:
Rotkopfwürger sind Vögel der offenen Landschaft mit lockerem Baumbestand. Sie kommen in sonnigen und trockenen Lagen vor. Die Bodenvegetation ihres Lebensraumes sollte niedrig, schütter und lückig sein oder auch ganz fehlen. Im Norden ihres Verbreitungsgebietes sind Rotkopfwürger auf extensiv genutzten Flächen anzutreffen und bevorzugen vor allem regelmäßig geschnittene Obstwiesen mit einem Bestand an alten Bäumen. Auch halb offene Waldbiotope werden besiedelt.

Verbreitet sind diese Würger in Europa mit Schwerpunkt auf den Mittelmeerländern, in Asien und in Nordafrika: In Mitteleuropa brüten nach drastischen Rückgängen nur noch etwa 20-40 Paare. Der europäische Gesamtbestand beträgt 0,5- 1,2 Millionen Paare; ein Großteil der Brutpaare ist in Spanien und Portugal anzutreffen (0,4- 1 Millionen Brutpaare). Daneben gibt es noch größere Populationen in Griechenland und vor allem in der Türkei.

Ernährung:
Die Vögel ernähren sich vor allem von Insekten. Besonders häufig werden im und am Boden lebende Arten, vor allem Käfer, erbeutet. Auch Grillen, Heuschrecken, Schmetterlinge und deren Raupen, Haut- und Geradflügler werden zahlreich gefressen, daneben auch noch Spinnen. Kleine Wirbeltiere sind eine nur selten und in Sonderfällen gegriffene Beute.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Rotkopfwürger werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Paarbildung erfolgt meistens schon vor der Ankunft am Brutplatz gegen Ende des Heimzuges, manchmal auch schon im Winterquartier. Die Reviere werden nach der Rückkehr rasch besetzt. In Mitteleuropa kehren die ersten Rotkopfwürger ab Ende März/Anfang April wieder in ihre Reviere zurück. Anfang Mai ist dann der Rückzug abgeschlossen. Rotkopfwürger leben in saisonaler Ehe zusammen. Im Folgejahr kommt es öfters zu Wiederverpaarungen, aber auch zu Umverpaarungen. Das Männchen ergreift die Initiative zum Nestbau und wählt den Nistplatz aus. Das Nest wird in Laubbäumen errichtet, in Mitteleuropa besonders in Obstbäumen in einer Höhe von 2m bis zu 10m. In Südeuropa findet man das Nest auch in geringerer Höhe in Sträuchern. Das Nest besteht aus Zweigen, Reisern und Halmen, ist recht kompakt gebaut und wird innen fein ausgekleidet oft auch mit grünen Pflanzenteilen. Beide Brutpartner errichten das Nest gemeinsam in 4-6 tägiger Arbeitszeit. In Mitteleuropa beginnt das Weibchen meistens in der zweiten Maiwoche mit der Eiablage. Ein Vollgelege besteht in der Regel aus 5-6 ovalen Eiern mit hell- oder olivgrünlicher Grundfarbe und braunen bis hell olivfarbenen Flecken. Ab dem dritten oder vierten Ei beginnt das Weibchen zu brüten und wird in dieser Zeit vom Männchen gefüttert. Die Jungen schlüpfen nach 13-16 Tagen, die ersten drei oder vier zusammen, die anderen dann zwei oder drei Tage später. Nach dem Schlüpfen der Jungen hudert das Weibchen diese in den ersten 9 Tagen und das Männchen füttert seine Familie zuerst alleine. Danach füttern beide Partner die Jungen, die im Alter von 15-18 Tagen das Nest noch nicht voll flugfähig verlassen. Nach 10 bis 14 weiteren Tagen folgen die jungen Rotkopfwürger ihren Eltern. Sie beginnen nun auch schon selbstständig Beute zu ergreifen, werden aber auch noch weitere 3-4 Wochen von den Eltern gefüttert. Der Zusammenhalt der Familie währt etwa 5-6 Wochen; manchmal schließen sich die Jungen aber auch anderen Familien an. In der Regel brüten Rotkopfwürger nur einmal im Jahr, im Mittelmeerraum selten auch zweimal. Werden die Eier zerstört, wird ein Ersatzgelege getätigt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes, Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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