Häherkuckuck

Häherkuckuck (Clamator glandarius)

Gattung: Clamator
Unterfamilie : Altweltkuckucke (Cuculinae)
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Ordnung: Kuckucke (Cuculiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00218

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Beschreibung, Verhalten und Stimme
Mit fast 40 cm Länge ist der Häherkuckuck deutlich größer als ein Kuckuck. Häherkuckucke sind unverkennbar durch ihre auffallende Haube, den langen, gestuften, dunkelbraunen Schwanz mit breiten weißen Säumen und durch die braune, kräftig weiß gefleckte Oberseite. Die Kopfseiten und die Unterseite sind rahmfarben, die Kehle ist gelblich gefärbt. Aus der Nähe betrachtet fällt der leuchtend orangefarbene Augenring auf. Junge Häherkuckucke haben noch keine Haube, einen schwärzlichen Kopf und kastanienbraune Handschwingen. Häherkuckucke sind recht auffallende und lärmende Vögel, die gern auf Zäunen sitzen; in der Haltung wirken sie manchmal elsterartig. Sie fliegen wie Kuckucke mit raschem Flügelschlag und kurzen eingelegten Gleitstrecken. Auf dem Boden und im Gezweig hüpfen sie mit etwas angehobenem Schwanz.
Häufigster Alarmruf ist ein krähenartiges „kark“. Daneben hört man oft scheppernde, seeschwalbenartige „kitterä, kitterä, kitterä“ Rufe, denen gurgelnde Töne folgen. Auch ein raues und ansteigendes „sri“ gehört zu den Lautäußerungen, die man wahrnehmen kann.
Die Vögel sind wenig scheu und nach der Brutzeit recht gesellig. Junge und mehrere Altvögel bleiben dann in Trupps zusammen. Auch auf dem Zug bilden Häherkuckucke Trupps.

Verbreitung und Bestand:
In Mitteleuropa ist der Häherkuckuck ein nur selten nachgewiesener Gastvogel. Die Beobachtungen beziehen sich fast nur auf ein- oder zweijährige Individuen. Verbreitet sind Häherkuckucke in Afrika südlich der Sahara, im Mittelmeergebiet Nordafrikas, wo sie selten sind und von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, Griechenland nach Osten bis zum Westiran und bis Oberägypten. Der europäische Brutbestand beträgt 58.000-77.000 Brutpaare. Die meisten Brutpaare leben in Spanien (55.000 – 65.000), in der Türkei (2.000-6.000), in Portugal (500-1500) und auf Zypern (400-4000).

Biotop und Nahrung:
Häherkuckucke besiedeln in Europa abwechslungsreiches Kulturland mit Baumbestand. Gern kommen sie in der Nähe menschlicher Siedlungen vor, wo sie aber abhängig vom Vorhandensein ihrer Wirtsvögel Krähen und Elstern sind. Wie der Kuckuck ernähren sich auch Häherkuckucke überwiegend von Raupen. Daneben erbeuten sie auch größere Insekten und kleine Reptilien.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Häherkuckucke sind Brutschmarotzer, die ihre Eier gezielt auf verschiedene Wirtsvogelarten verteilen. Dazu werden diese länger beobachtet. Meistens legen Häherkuckucke in die Nester von Blauelstern und Elstern 1-2 Eier. In die Nester von Krähen legen sie häufig mehrere Eier. Eichelhäher, Dohle, Kolkrabe und Turmfalke sind in Europa seltenere Wirte. Das Männchen lenkt die potentiellen Wirtsvögel ab und ermöglicht dem Weibchen so, sein Ei in das Nest des Wirtvogels zu legen. Ein oder zwei Wirtsvogeleier werden meistens dabei entfernt. Insgesamt kann ein Häherkuckucksweibchen im Laufe einer Brutsaison bis zu mindestens 18 Eier im Abstand von jeweils zwei Tagen legen. Die Eier kann man mit Elstereiern verwechseln, sie sind aber heller. Im Wirtsnest schlüpfen die Häherkuckucksküken nach 12-14 Tagen, während junge Elstern erst nach 16-24 Tagen schlüpfen. Nach 8 Tagen haben die Junghäherkuckucke die Augen ganz offen und im Alter von 14 Tagen sitzen sie bereits auf dem Nestrand. Nach 19-21 Tagen, frühesten Ende Mai, verlassen die Häherkuckucke das Nest. Sie werden noch lange gefüttert (25-59 Tage). Nur die Wirtseltern kümmern sich um die fremden Jungen. Die echten Jungen der Wirtsvögel werden von den Häherkuckucken zunächst geduldet, doch bleiben sie im Wachstum zurück und verschwinden allmählich. Nur bis zu 5-6 Tage vor den Häherkuckucken schlüpfende Wirtsjunge haben die Chance, auch flügge und selbstständig zu werden. Häherkuckucksgeschwister im Nest haben nur eine Überlebenschance, wenn sie bis zu 3 Tagen nach dem ersten Häherkuckuck geschlüpft sind.

Häherkuckucke leben monogam zusammen und erscheinen von März bis Mai in ihrem Brutgebiet. Etwa Dreiviertel der in Elsternestern abgelegten Eier werden von den Elstern auch angenommen. In unvollständigen Wirtsgelegen mit 1-3 Eiern werden 92 % der Jungen flügge, in vollständigen Wirtsgelegen nur 10 %. In Spanien überleben 63% der flügge gewordenen Jungen bis zur Selbstständigkeit. Über das Höchstalter von Häherkuckucken gibt es kaum Aussagen.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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