Schwarzmilan

Schwarzmilan (Milvus migrans)

Gattung : Milvus
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00217

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Kennzeichen und Beschreibung:
Schwarzmilane sind überwiegend braun gefärbt; die Unterseite ist etwas heller und hat einen rostbraunen Anflug. Der Kopf hebt sich durch eine feine Strichelung und durch eine heller graubraune Färbung vom Körper ab, doch wirken Schwarzmilane im Flug insgesamt ziemlich gleichmäßig dunkelbraun. Die Jungen Schwarzmilane erscheinen etwas heller und haben Auflichtungen an der Unterseite der Flügel. Die Greife sind ungefähr bussardgroß bis etwas größer, haben ziemlich lange, breite Flügel und einen langen, nur schwach gekerbten Schwanz. Im Flug sieht dieser fast immer eckig und abgeschnitten aus.
Männliche Schwarzmilane wiegen zwischen 630 und 930, Weibchen zwischen 750 und 940 Gramm. Der Oberschnabel ist beim Schwarzmilan schwarz, der Unterschnabel ist heller gelblich. Während die Iris beim Jungvogel gräulich braun erscheint, ist sie beim Altvogel rostbraun. Der manchmal ähnlich wirkende Rotmilan hat dagegen eine gelbliche Iris.

Verbreitung, Vorkommen und Bestand:
Der Schwarzmilan kommt in Nordwest-Europa nicht vor und besiedelt Großbritannien und Skandinavien nicht. Verbreitet ist er in gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen Eurasiens, in Afrika ohne die Sahara, in Teilen Südostasiens und in Neuguinea und Australien. Der Bestand ist in Europa stark rückläufig und beträgt ca. 64.000 – 100.000 Brutpaare. Schwerpunkte der Verbreitung finden sich in Russland (30.000-50.000 Brutpaare), in Frankreich und in Spanien. In Mitteleuropa brüten nur noch rund 4.400-6.400 Brutpaare und diese sind vor allem in der Schweiz und in Süddeutschland zu finden.

Zu starken Bestandsrückgängen kam es Ende des 19. Jahrhunderts durch direkte Verfolgung und durch Verschlechterungen im Habitat, in Schleswig-Holstein und Hamburg erloschen die Bestände völlig. Etwa ab 1930 nahm die Art im Bestand wieder leicht zu, u.a. weil die direkte Verfolgung nachließ..
Schwarzmilane brüten in Wäldern und größeren Feldgehölzen und ziehen dabei Gewässernähe vor. Auch die Nahrung suchen sie gern an Gewässern. Gebrütet wird besonders oft an Waldrändern und in lückigen Beständen, im Bergland bevorzugt an steilen Hängen und in schmalen Auwaldstreifen. In Asien und Nordafrika brüten und leben Schwarze Milane auch in Städten.

Ernährung:
Schwarzmilane sind Beuteschmarotzer, die anderen Greifvögeln, Krähen oder Reihern ihre Beute abjagen und dabei ihr ganzes fliegerisches Können demonstrieren. Daneben stoßen sie auch blitzschnell aus ihrem Streckenflug nach unten, wenn sie etwas entdeckt haben. Kleinsäuger, Amphibien und Reptilien, Jungvögel und Regenwürmer, auch Insekten werden ebenso - meistens aus einem langsamen Suchflug heraus- gegriffen wie kranke oder tote Fische, die auf der Wasseroberfläche treiben. Außer an lebender Beute sind Schwarze Milane auch an Aas interessiert, das sie häufig auf den Straßen und an den Straßenrändern finden.

Verhalten:
Dort wo genügend Nahrung vorhanden ist, können Schwarzmilane sehr gesellig zusammenleben. Sie bilden regelrechte Schwärme aus oft mehreren Dutzend Vögeln.
Schwarzmilane sind Zugvögel, die das Mittelmeer in breiter Front überqueren und ihr Winterquartier südlich der Sahara vom Senegal und Kenia bis nach Südafrika beziehen. Deutschland verlassen sie im August/September; Ende März/Anfang April sind die Vögel dann wieder im Lande.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Erst gegen Ende des 3. Lebensjahres bzw. im 4. Lebensjahr werden Schwarzmilane geschlechtsreif. Da die Vögel sehr reviertreu sind, kommt es oft zu Dauerehen. Im Allgemeinen führen sie aber eine monogame Saisonehe. Ende März, Anfang April erscheinen die Milane in ihren Brutrevieren. Ihre Nester errichten sie einzeln oder auch in Gruppen von bis zu 30 Brutpaaren auf Bäumen, die einen freien Anflug haben. Meistens wird das Nest in 8-15 m Höhe erbaut. Auch Nester von anderen Greifvögeln werden angenommen wie überhaupt alte Nester bevorzugt werden. Häufig brüten die Vögel in der Nähe von Reihern oder Kormoranen. Das Nest wird aus dürren Zweigen aufgeschichtet und die Nestmulde wird mit Papier, Plastik und anderem Müll, mit Laub und Gras ausgelegt. Je älter ein Nest ist, desto größer wird es im Umfang. Beide Partner benötigen 3-5 Tage, um ein neues Nest zu bauen. Die meist 2-3 Eier werden von Mitte April an gelegt und in durchschnittlich 32 Tagen ausgebrütet. Vom ersten Ei an wird gebrütet und die Jungen schlüpfen in ungefähr 24 Stunden Abstand. Zuerst bringt das Männchen die Nahrung zum Nest und das Weibchen füttert damit die Jungen; nach 2-4 Wochen kröpfen die Jungen aber bereits selbstständig. 42-45 Tage halten sich die jungen Milane im Nest auf, sie werden aber nach dem Ausfliegen noch weitere 40-50 Tage von den Altvögeln versorgt. Ab Ende Juli bis Anfang September lösen sich dann die Schwarzmilan-Familien auf.
Jedes Jahr sterben durchschnittlich etwa. 30-35 % eines jeden Jahrganges, das festgestellte Höchstalter von Schwarzmilanen betrug aber 23 Jahre und 9 Monate und 23 Jahre und 1 Monat. In Gefangenschaft wurden einzelne Vögel schon 28 Jahre alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Nonpasseriformes, Wiebelsheim.
Glutz von Blotzheim, Urs (Hg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4 Falconiformes, Wiesbaden.



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