Silberreiher

Silberreiher (Casmerodius albus)

Gattung Casmerodius
Familie: Reiher (Ardeidae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00215

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Aussehen, Kennzeichen und Stimme
Mit einer Größe von 90 cm und einer Spannweite von 190 cm ist der am tage aktive Silberreiher etwa so groß wie der Graureiher. Silberreiher haben ein rein weißes Gefieder. Die Schnabellänge variiert etwas. Im Brutkleid ist der Schnabel schwarz mit gelben Schnabelgrund, im Jugendkleid und im Winter ist der Schnabel gelb. Silberreiher haben schwarze Beine mit grünlichschwarzen Zehen. Die Iris ist schwefelgelb, die Haut um die Augen grünlichgelb.
Es gibt zahlreiche Unterarten, die sich zum Teil deutlich in Körpergröße, Bein- und Schnabelfärbung zur Balzzeit und sogar im Balzverhalten voneinander unterscheiden.
Silberreiher sind schweigsame Vögel; am Brutplatz hört man ein tiefes und heiseres „rha“, wenn sich die Partner begrüßen ein „rroool rrroooo“.

Verbreitung und Bestand:
Silberreiher haben ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das weite Teile Ost- und Südeuropas, Amerikas, Asiens und Afrika umfasst. Um die Jahrhundertwende (19./20.) waren Silberreiher in den meisten Brutgebieten Europas durch direkte menschliche Verfolgung so gut wie ausgerottet. Nach einer langsamen Bestandserholung und erneuten Rückgängen kam es ab Ende 1980 zu einer kontinuierlichen Zunahme in den meisten Brutgebieten.

Heute besteht der europäische Bestand aus rund 11.000 bis 24.000 Brutpaaren; in Ungarn, in der Ukraine und in Russland sind Silberreiher am häufigsten. In Mitteleuropa ist der Silberreiher außer in Ungarn schon lange in Österreich Brutvogel und neuerdings auch in zunehmender Anzahl in den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Deutschland. Diese Arealausdehnung hält zur Zeit noch an. Der Bestand in Mitteleuropa beträgt zur Zeit rund 2500 – 3900 Brutpaare. Außerhalb Europas sind Silberreiher zum teil sehr häufig.

Lebensraum und Nahrung:
Silberreiher brüten in großen Schilfgebieten, z.B. am Neusiedler See. Sie suchen ihre Nahrung am Schilfrand, auch in vegetationsfreien Stellen im flachen Wasser und auf überschwemmten Wiesen. Mancherorts kann man sie auch auf Äckern, Wiesen und Weiden wie Graureiher auf der Jagd nach Mäusen beobachten. Meistens fangen Silberreiher Fisch, sie stellen aber auch Wasserinsekten und Amphibien nach. Neben Mäusen jagen sie an Land auch Insekten und Reptilien.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Silberreiher werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Sie brüten einzeln oder in Kolonien, auch mit anderen Reiherarten, wobei sich die Nester zum Teil gegenseitig berühren. Das Nest ist kleiner als beim Graureiher und erreicht einen Durchmesser von etwa 100 cm. Männchen und Weibchen erbauen das Nest gemeinsam aus alten Schilfhalmen oder Zweigen im hohen Röhricht. Vor allem in Südeuropa werden die Nester bisweilen auch in niedrigen Kiefern und auf Weiden errichtet. Je nach Brutgebiet beginnen die Reiher ab April mit der Eiablage. Ein Vollgelege besteht aus 3-5 blassblauen ovalen Eiern, die im Abstand von 2 Tagen gelegt werden. Beide Partner bebrüten die Eier von der Ablage des ersten Eies an. Nach 25 bis 26 Tagen schlüpfen die jungen Silberreiher, die von beiden Eltern gefüttert werden. Mit 40 – 50 Tagen sind die Jungen flügge, doch verlassen sie das Nest oft schon im Alter von erst drei Wochen. Zehn Tage nach dem Flüggewerden verlassen die jungen Silberreiher manchmal schon die Kolonie, doch können die Familien auch länger zusammen bleiben. Wenn Silberreiher ihr Gelege verlieren, kann es zu sie ein Nachgelegen kommen.
Silberreiher können recht alt werden; so wurde der älteste Ringvogel in den USA 22 Jahre und 9 Monate. Doch ist die Jungensterblichkeit hoch und etwa drei Viertel der Vögel sterben im ersten Lebensjahr.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Literatur und Anhang, Wiebelsheim 2005.
Sauer, Frieder: Die farbigen Naturführer- Wasservögel, München.



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