Alpendohle

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)

Familie: Krähen (Corvidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00212

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Kennzeichen und Aussehen:
Alpendohlen werden 38 cm groß, wovon 12-14 cm auf den Schwanz entfallen. Durchschnittlich wiegen männliche Vögel 258 Gramm und weibliche Vögel 227. Durch ihren viel kürzeren und geraderen gelben Schnabel unterscheiden sich die Alpendohlen von der Alpenkrähe, die einen gebogenen roten Schnabel hat. Alpendohlen haben rote Beine und ein durchgehend schwarzes, kaum glänzendes Gefieder. Junge Alpendohlen wirken matter und haben schwärzliche Beine.

Alpedohle im Flug

Verbreitung, Vorkommen und Bestand:
Die Alpendohle ist ein Brutvogel in Hochgebirgen der Paläarktis (die Paläarktis ist eine Faunenunterregion der nördlichen Erdhälfte der alten Welt und umfasst Afrika bis zum Südrand der Sahara und die eurasiatische Landmasse mit Arabien, aber ohne Südasien).
In Mitteleuropa ist die Alpendohle oberhalb der Baumgrenze, etwa ab 1400m bis 3000m Höhe, in den Alpen verbreitet. In Südosteuropa und in der Türkei kommt die Alpendohle häufig auch unterhalb einer Höhengrenze von 1000 m vor. Der Brutbestand in Österreich beträgt ungefähr 8000-16000 Paare; in der Schweiz und in Liechtenstein brüten rund 10.000 bis 15.000 und in Deutschland etwa 2000-4000 Paare. Der europäische Gesamtbestand beträgt 130.000 bis 310.000 Paare.

Nahrung:
Alpendohlen leben überwiegend von Insekten wie Grillen, Käfern, Heuschrecken, Ameisen, Raupen, von Spinnen und Schnecken, Regenwürmern und manchmal auch kleinen Wirbeltieren, die sie in der Alpin- und Montanstufe auf Weiden, Geröllhalden oder auf frisch gemähten Wiesen im Talbereich suchen. Bisweilen erbeuten sie auch Jungvögel. Aas wird nicht verschmäht. Im Herbst und im Winter nimmt der Anteil an vegetarischer Nahrung stark zu und dann ernähren sich die Vögel vor allem von Beeren, Obst, von Knospen, Flechten, Blättern. Nicht nur im Herbst und im Winter nehmen die Vögel heute auch Lebensmittelreste und Abfälle aller Art an Rastplätzen, Gipfelstationen oder Berggasthöfen zu sich.

Stimme:
Häufige Lautäußerung ist ein hoher, durchdringender Ruf, der sich wie „srii“ oder schärfer „szii“ anhört. Außerdem hört man ein gedämpfteres „dschirr“ oder „prii“ als Begrüßungsgeschrei. Insgesamt sind die Alpendohlen recht ruffreudig und haben ein größeres Repertoire an Kontakt- und Warnrufen zur Verfügung. Bei ihrer Gruppenbalz stimmen die Vögel einen „Plaudergesang“ an. Gelegentlich imitieren Alpendohlen auch Geräusche wie die Rufe des Kolkraben.

Alpendohle Gruppe

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
In freier Natur beginnen Alpendohlen im 3.Lebensjahr zu brüten. Sie gehen eine monogame Dauerehe ein. Paare bleiben oft 7 oder 8 Jahre zusammen. Zu Umverpaarungen kommt es nur sehr selten. Die Brutplätze werden ab März bezogen. Das Weibchen sucht den Nistplatz aus. Dieser liegt meistens in Spalten, Nischen und Höhlen von Felswänden, manchmal auch in Türmen, Tunnel oder auf Felssimsen und ist für Nesträuber unerreichbar. Die Neststandorte werden oft viele Jahre hintereinander besetzt. Aus Zweigen und Wurzeln und anderem verfügbaren Material werden die Nester errichtet. Die Nestmulde wird mit feinerem Pflanzenmaterial dick ausgepolstert. Beide Partner bauen gemeinsam am Rohbau, später hilft das Männchen nur noch beim Materialeintrag. Ältere Paare stellen nach 3-6 Tagen Bauzeit ihr Nest fertig, unerfahrene Paare benötigen 9 oder sogar 10 Tage. Frühestens ab Mitte April, meistens aber erst ab Mitte Mai beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Das Gelege besteht aus 2-5 ovalen, leicht glänzenden, rauen Eiern. Mit Ablage des 1., 2. oder 3. Eies beginnt das Weibchen zu brüten. Es brütet alleine und lässt sich vom Männchen füttern. Die Jungen schlüpfen innerhalb von 1-3 Tagen nach 18-21 Tagen Brutdauer, werden nur vom Weibchen gehudert, aber von beiden Eltern gefüttert. Je nach Wetterlage verlassen die Jungen nach 29-36 Tagen ihr Nest, kehren danach aber immer wieder zum Neststandort zurück. Noch lange werden sie von den Eltern, aber auch anderen erwachsenen Alpendohlen gefüttert. Bis in den Winter hinein bleiben die Jungen im Familienverband zusammen. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Ersatzgelege sind bisher nur in der Gefangenschaft belegt worden. Alpendohlen können recht alt werden; Ringvögel in der Schweiz wurden 21 und sogar 24 Jahre alt. Die Jungensterblichkeit ist niedrig. Im 1. Lebensjahr sterben nur etwa 23 % der Vögel, in späteren Jahren dann sogar nur 8-17 %.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes – Sperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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