Blauracke

Blauracke (Coracias garrulus)

Familie: Racken (Coraciidae)
Ordnung: Rackenvögel  (Coraciiformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00211

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Beschreibung und Stimme
Blauracken sind häherartige, kräftige Vögel mit einem starken Schnabel, der an der Spitze etwas hakig ist. Das Gefieder ist hell azurblau; die lebhaft blauen Flügel sind –wie im Flug zu sehen- schwarz gesäumt. Der Rücken ist leuchtend rötlichbraun gezeichnet. Der Schwanz ist grünlichblau; die mittleren Steuerfedern sind düster gefärbt. Blauracken werden 30,5 cm groß. Ihr Ruf ist krähenartig, tief und laut und hört sich an wie „krak-ak“, „rä-rä-rä“ oder „kr-r-r-r-ak“.

Verbreitung und Bestand:
Von Nordwest-Afrika und Südeuropa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Blauracke nach Nordosten und Osten bis ins Baltikum und nach Russland bzw. bis zum Himalaya und in den Altai. Verbreitungsschwerpunkte in Europa sind Spanien, Russland, die Ukraine, die Türkei, Bulgarien und Rumänien. Der Bestand in Europa ist aber überall stark rückläufig und beträgt nur noch 53.000 bis 110.000 Brutpaare, davon etwa 30.-60.000 in der Türkei und 6.-20.000 in Russland. Mehr als 4000 Brutpaare gibt es auch noch in Rumänien.
In nennenswerter Zahl brüten Blauracken in Mitteleuropa nur noch in Ungarn (400-700 Paare) und in Polen (100-150 Paare). In Österreich, in Slowenien und in der Slowakei gibt es noch kleine Reliktvorkommen. In Deutschland gab es zuletzt 1994 in Baden-Württemberg einen Brutversuch, jetzt ist die Art aber ausgestorben. Der gesamte mitteleuropäische Bestand wird auf 500-900 Brutpaare geschätzt.

Blauracke auf Stromkabel

Biotop und Nahrung:
Im Norden des Verbreitungsgebietes bewohnen Blauracken lichte, höhlenreiche Eichen- und Kieferwälder, Heidegebiete, auch Waldränder, alte Parkanlagen, Alleen und Ufer begleitende Baumbestände in warmen Ebenen und Tallagen.
Im Süden des Verbreitungsgebietes werden vor allem Waldinseln in Steppengebieten, Auwälder und Pappelanpflanzungen besiedelt. Alte Bauwerke, Steilufer in Lehm und Löss, sowie zerklüftete Felswände bieten der Blauracke außerdem noch Lebensraum. Im Winter halten sich die Vögel hauptsächlich in der Trockensavanne auf.

Große und mittelgroße Käfer, Geradflügler und große Insekten sind die Hauptbeute der Blauracke. Außerdem sind noch Tausendfüßler und Regenwürmer, kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen und Lurche in der Ernährung von größerer Bedeutung. Auf dem Zug werden auch Beeren gefressen. Blauracken sind Wartenjäger, die von Zweigen, Pfählen, Leitungsdrähten aus ihre Beute fangen und nach dem Fang auf ihre Sitzwarte zurückkehren.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Blauracken sind erst mit 2 Lebensjahren geschlechtsreif. Ende April bis Mai kommen sie aus dem Winterquartier zurück ins Brutgebiet. Die Balz und Paarbildung erfolgte zuvor auf dem Heimzug. Das Männchen sucht einen geeigneten Nistplatz aus. In Mitteleuropa und Nordost-Europa ist das Nest fast nur in Baumhöhlen, in Grün- und Schwarzspechthöhlen und ausgefaulten Astlöchern, zu finden. Auch Nistkästen und Kunsthöhlen werden angenommen. Die Nisthöhlen befinden sich in einer Höhe von mehr als 2 Metern.
Außer in Baumhöhlen brüten Blauracken in Südeuropa auch in selbst gegrabenen Erdhöhlen in z.B. Lehm- und Lösswänden. Auch Bruten in Mauerlöchern sind nicht selten. Ab Ende Mai bis Mitte Juni legen Blauracken ihre meist 3-5, kurzovalen, glänzend weißen Eier in einem Abstand von 2-3 Tagen ab. Nach Ablage des vorletzten Eies beginnen beide Partner mit dem Brüten. Innerhalb weniger Tage schlüpfen die Jungen nach 18-19 Tagen. In den ersten Lebenstagen der Jungen füttert nur das Weibchen; das Männchen übergibt ihm die Nahrung. Später füttern beide Altvögel. Nach 26-28 Tagen fliegen die jungen Racken aus, sie werden aber noch weitere gut drei Wochen außerhalb des Nestes gefüttert, ehe sie selbstständig sind.
Es findet nur eine Brut im Jahr statt.
Der älteste wieder gefundene Ringvogel hatte ein Alter von 9 Jahren und 2 Monaten; in Gefangenschaft wurden Blauracken mehr als 12 Jahre alt.


Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes – Sperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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