Sichelstrandläufer

Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea)

Gattung: Strandläufer (Calidris)
Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00210

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Beschreibung, Verhalten und Stimme:
Sichelstrandläufer sind mit 19 cm Größe etwa starengroß. Im Brutkleid sind sie rostbraun mit dunkler Fleckung und durch die Kombination von gebogenen Schnabel und rostroter Brust sicher zu bestimmen. Im Ruhekleid sind sie nur wenig heller als die häufigen Alpenstrandläufer und leicht mit diesen zu verwechseln; allerdings sind sie geringfügig größer und merklich hochbeiniger als Alpenstrandläufer. Der leicht abwärts gebogene Schnabel ist in der Regel etwas länger als beim Alpenstrandläufer. Da der Schnabel aber unterschiedlich lang und unterschiedlich gebogen sein kann, ist er kein sicheres Bestimmungsmerkmal. Im April und August trägt der Sichelstrandläufer ein Übergangskleid. Bei fliegenden Vögeln wird der auffallend weiße Bürzel sichtbar.

Sichelstrandläufer bewegen sich langsamer und ruhiger als Alpenstrandläufer und sind stärker auf Sondieren spezialisiert. Häufiger sieht man die Vögel auch bis zum Bauch im Wasser stehen.
Ein schnurrendes „djürri“, „dirrit“ oder ähnlich ist der häufigste Ruf dieses Strandläufers. Der Ruf klingt heller und weicher als beim Alpenstrandläufer. Im Brutgebiet ist auch ein mehrteiliger Gesang mit „tschik“- Elementen zu hören.

Verbreitung und Bestand:
Der Sichelstrandläufer ist ein Brutvogel der arktischen Tundra Nord-Sibiriens. Der Gesamtbestand umfasst etwa 1,35 Millionen Vögel. Es gibt vier Flyway - Populationen. Flyway-Populationen sind biogeographisch abgegrenzte Populationen, die alljährlich eine mehr oder weniger klar definierte Flugstrecke zwischen Brutgebiet und Winteraufenthalt zurücklegen. Die westlichste dieser Flyway-Populationen zieht von Zentralsibirien über Kontinentaleuropa und das Mittelmeer bis Westafrika und umfasst rd. 740.000 Individuen.

Lebensraum und Nahrung:
Der Sichelstrandläufer ist ein Brutvogel der arktischen Küstentundra auf Dauerfrostböden. Zudem ist er auf Flussbänken anzutreffen. Auf dem Durchzug ist er am Meer im reinen Schlickwatt oder auf Schwemmsandanlagerungen an Flussmündungen anzutreffen. Seltener als an der Küste trifft man ihn auch im Binnenland auf Schlammbänken von Flüssen und Seen sowie an Klär- und Fischteichen und in Rieselfeldern an. Er ernährt sich rein animalisch von Borstenwürmern, kleinen Muscheln und Schnecken, Crustaceen, von Insekten und deren Larven. Am Brutplatz ernährt er sich hauptsächlich von Schnaken und Zuckmücken.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Sichelstrandläufer werden erst spät geschlechtsreif und zwar frühestens im 3. Kalenderjahr. Die Paarbildung erfolgt schon im Winterquartier oder direkt nach Ankunft am Brutplatz. Zur Brutzeit sind die Vögel territorial und markieren ihre Reviere mit Singflug. Das Gelege besteht aus vier Eiern, die frühestens Anfang Juni gelegt werden. Die Hauptlegezeit beginnt aber erst Mitte Juni. Frühestens ab Mitte Juli sind erste flügge Junge anzutreffen. Der älteste wieder gefundene Ringvogel in den Niederlanden war 17 Jahre alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Literatur und Anhang, Wiebelsheim 2005.



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