Weidenmeise

Weidenmeise (Parus montanus)

Familie: Meisen (Paridae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00207

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Wie schon bei der Sumpfmeise beschrieben gibt es zwei ähnliche graue Meisenarten, die sich im Aussehen nur schwer voneinander unterscheiden lassen und aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit wie die beiden Laubsängerarten Fitis und Zilpzalp, Nachtigall und Sprosser oder Garten- und Waldbaumläufer auch Zwillingsarten genannt werden. Bis weit in das letzte Jahrhundert hinein glaubte man nicht an die Existenz zweier Graumeisenarten. Am Gesang, aber auch am Verhalten kann man beide Arten jedoch durchaus sicher unterscheiden. Nahe verwandte Arten würden miteinander sehr stark konkurrieren, wenn sie nicht unterschiedliche Lebensraumansprüche hätten und eine ganze Reihe von Merkmalen und Verhaltensweisen ausbildeten, die eine direkte Konfrontation und Konkurrenz verhinderten. So leben Weiden- und Sumpfmeisen in verschiedenen Nischen, obwohl sie sich äußerlich kaum unterscheiden.

Weidenmeise auf Ast

Beschreibung und Stimme
Weidenmeisen sind kleiner als Kohlmeisen und haben einen etwas größeren Kopf und einen dickeren Hals als Sumpfmeisen. Der Schwanz wirkt leicht gerundet. In der Färbung unterscheiden sich Sumpf- und Weidenmeise nicht. Die Kopfplatte ist bei der Weidenmeise mattschwarz; die weißlichen Außensäume der Armschwingen bilden ein helles Flügelfeld, das im Sommer oft kaum erkennbar ist, im Frühling aber gut zu sehen ist. Der Kinnfleck ist etwas größer als bei der Sumpfmeise und wirkt an den Rändern diffus. Oberseits ist die Weidenmeise oft deutlich brauner als die Sumpfmeise; das helle Kopf- und Halsseitenfeld ist größer und kontrastreicher. Die schwarze Kopfplatte ist am Ende im Nacken oft breiter als bei der Zwillingsart und reicht auch weiter in den Nacken hinein. Der Schnabel der Weidenmeise ist schwarz, der Lauf blaugrau und die Iris ist dunkelbraun.

An den Rufen sind Weiden- und Sumpfmeisen leicht zu unterscheiden. Die Weidenmeise hat als Stimmfühlungs- oder Warnruf nach einem leisen „zisi“ ein breites „däh-däh-däh-däh“, den man oft hört (der scharfe und oft wiederholte Ruf der Sumpfmeise klingt wie „zitjä zidju sisistjä“; daneben hört man ein helles, schnelles, schimpfendes „zistje, dädädädä und weich flötende Laute). Daneben lassen Weidenmeisen einen Triller hören, der dem der Klappergrasmücke ähnelt.

Weidenmeise am Beutel

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Die Weidenmeise ist Brutvogel der borealen und gemäßigten Zone sowie in Gebirgsregionen der Paläarktis. Sie besiedelt Europa in verschiedenen Rassen. Die nordeuropäische Rasse (Paris montanus borealis) ist heller gefärbt und hat reinweiße Kopfseiten. In den Alpen brütet Parus montanus montanus, die etwas größer ist als die anderen Unterarten.

In Belgien brüten rund 20.000 Paare, in den Niederlanden 40.000-60.000, in Großbritannien 50.000 bis 100.000 Paare. 1-2 Millionen Brutpaare weist Finnland auf, allein in Schonen in Schweden gibt es 15.000 Brutpaare. Ob die Weidenmeise längerfristig zurückgegangen ist oder ihren Bestand halten konnte, lässt sich nicht sagen, da sie früher nur unvollständig von der Sumpfmeise getrennt wurde.
Die Vögel sind selbst in den Alpen und in ihren nördlichen Brutgebieten Standvögel, die im Brutareal überwintern.

Weidenmeise frisst

Biotop und Nahrung:
Weidenmeisen lieben Wälder und Gehölze mit einem hohen Anteil an morschem Holz. Laub- und Mischwald, borealer, montaner und subalpiner Nadelwald, subarktischer Birkenwald wird genauso besiedelt wie mehr oder minder feuchte Auwälder und Weidenbestände. Selbst wenn genügend Totholz vorhanden ist, fehlt die Weidenmeise meist in trockenen Wäldern, Buchenwäldern und Nadelforsten. Auf feuchten Standorten kommt sie selbst in verwilderten Feldgehölzen, Parks und Gärten vor. Im Winter kommt die Weidenmeise gern an Futterstellen. Im Frühjahr und Sommer lebt sie von Insekten und deren Larven. Spinnen werden ganzjährig gefressen und vom Hochsommer an wird Samennahrung aufgenommen. Sie ernährt sich nicht so vielseitig wie die Sumpfmeise, geht aber in den Alpen häufiger an Koniferensamen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Weidenmeisen werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und leben üblicherweise in einer monogamen Dauerehe zusammen. Es kommt aber auch zu Trennungen von Paaren. Bei Jungvögeln kommt es oft schon im Sommer zur Paarbildung. Das Revier wird dann auch bereits bald bezogen oder im Verlaufe des ersten Winters, wenn die Tiere herumstreifen. Wahrscheinlich halten Weidenmeisen ihr Leben lang an ihrem Revier fest, nachgewiesen wurde dies zumindest für sechs Jahre. Im Frühjahr durchstreifen die Vögel ihr Revier auf der Suche nach geeigneten Höhlenbäumen. Weidenmeisen können morsches Holz sehr gut von gesundem Holz unterscheiden, denn sie behacken nie gesundes Holz. Das Nest wird in selbstgehackten Höhlen in morschen und sehr weichen Hölzern angelegt. Manchmal werden auch unbehandelte Nistkästen und Spechthöhlen bezogen.

Eine Präferenz für bestimmte Holzarten scheint es nicht zu geben, ausgesucht wird nach Verfügbarkeit von morschen Hölzern. Die Bruthöhle führt üblicherweise vom Eingang nach unten und ist am Ende zu einer Kammer erweitert. Die Tiefe der Höhle beträgt 15 bis 16 cm. Als Unterlage für die Eier wird Moos verwendet. Beide Weidenmeisen-Partner bauen rund 11-13 Tage an der Fertigstellung ihrer Bruthöhle. Das Nest wird dann vom Weibchen alleine errichtet. Am häufigsten legt das Weibchen 7-9 gefleckte Eier, die es dann in durchschnittlich 13-15 Tagen alleine ausbrütet. Legebeginn ist meist Ende April/Anfang Mai, im Bergwald sogar oft erst Anfang Juni. Das Männchen füttert das Weibchen teilweise auf dem Nest. Die Jungen bleiben 17-20 Tage in ihrem Nest und werden von beiden Eltern gefüttert. Nach dem Ausfliegen werden die jungen Weidenmeisen nach zwei weitere Wochen betreut. Eine Jahresbrut ist der Normalfall, im Bergland kommt es häufiger auch zu Zweitbruten.
Die ältesten bekannten Ringvögel wurden 12 Jahre und 11 Monate und 9 Jahre alt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.
Philipp, Klaus: Vogelstimmen nach Volksmundversen erkannt, Karlsfeld.



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