Schafstelze

Schafstelze (Motacilla flava)

Familie: Stelzen (Motacillidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00206

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Beschreibung und Stimme
In Mitteleuropa gibt es zwei gelbe Stelzen, die Gebirgsstelze und die Schafstelze. Von der Schafstelze gibt es zudem noch verschiedene Rassen, deren Männchen man an ihrer Kopffärbung und Kopfzeichnung unterscheiden kann.
Schafstelzen sind ein wenig kleiner als Bachstelzen und haben einen kürzeren Schwanz als Bach- und Gebirgsstelzen. Der Rücken ist olivgrün gefärbt (bei Jungvögeln olivbräunlich), die Unterseite gelb. Diese olivgrüne Färbung ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zur Gebirgsstelze, die einen grauen Rücken hat. Schafstelzen-Weibchen und die Jungen sind blasser als das Männchen. Die in Europa lebenden Unterarten lassen sich auch im Felde unterscheiden.

Schafstelze im Schilf

In Mitteleuropa ist die Unterart Motacilla flava flava verbreitet, die einen blaugrauen Kopf hat. Motacilla flava flavissima ist eine in Großbritannien vorkommende Unterart mit gelben Kopf. Motacilla flava feldegg hat einen schwarzen Oberkopf und wird deshalb auch Maskenstelze genannt. Bei der Unterart M. flava cinereocapilla hat das Männchen im Prachtkleid einen dunkler schiefergrauen Oberkopf als M. flava flava und dunklere Ohrdeckel. Bei der Unterart M. flava thunbergi hat das Männchen ebenfalls einen schiefergrauen Oberkopf und Stirn und Scheitel sind manchmal grauschwarz. Das Männchen der Unterart M. flava beema hat im Prachtkleid einen hellgrauen Oberkopf und einen breiten weißen Überaugenstreif.
Der sehr einfache Gesang der Schafstelze besteht aus der Aneinanderreihung eines „zip-zip-zipsi“ oder „srisrisir“ und wird vom Männchen von einer Warte oder im Singflug vorgetragen. Der Ruf ist ein lautes und wohltönendes „psüip“ oder ein raueres „zier“.

Schafstelze Abflug

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Im niederländisch-deutsch-polnischen Tiefland ist die Schafstelze in großflächig verbreiteter und gebietsweise häufiger Vogel. In den Beckenlandschaften, den Strom- und Flusstälern und in der Kleinen und Großen Ungarischen Tiefebene ist die Schafstelze nur ein unregelmäßig verbreiteter und nur stellenweise häufiger Brutvogel. Sehr lückenhaft verbreitet in nur geringer Dichte ist die Schafstelze in Mittelgebirgslagen, im Alpenvorland und im Schweizer Mittelland.

Schafstelze am Boden

In den Niederlanden brüten etwa 40.000-70.000 Brutpaare, auch die Unterart flava flavissima kommt in etwa 200-350 Paaren vor; in Belgien wird der Bestand der gesamten wallonischen Region auf 2000-2500 Brutpaare geschätzt; am dichtesten besiedelt ist West- und Ostflandern, im ganzen Land liegt der Bestand bei etwa 10000 bis 12000 Brutpaaren. In Luxemburg gibt es 500-1000 Brutpaare und in Deutschland leben geschätzte 60.000 Paare.

Größere Bestände gibt es noch in Schweden und Finnland ( je rund 400.000 Brutpaare der Unterarten M. flava flava und flava thunbergi).
Schafstelzen sind Zugvögel, die ganz überwiegend im tropischen Afrika und Asien überwintern. Die ersten Schafstelzen treffen schon Mitte bis Ende März in Mitteleuropa ein, der Wegzug beginnt schon Ende Juli, hat seinen Höhepunkt von Mitte August bis Anfang September und endet im Oktober.

Biotop und Nahrung:
Unsere Schafstelzen findet man auf Viehweiden, in Mooren, Sümpfen und Heiden sowie im Kulturland. Schafstelzen brüten auf weitgehend ebenen, mit Seggen und Gräsern bestandenen kurzrasigen Flächen. Die Böden sollten wenigstens teilweise nass oder feucht sein. Typische Biotope sind Feuchtwiesen; seit einigen Jahren werden auch zunehmend Hackfruchtäcker, Getreide-, Kleeschläge und selbst Kartoffeläcker besiedelt.
Fliegende Insekten wie Fliegen und Mücken sind die Hauptbeute von Schafstelzen. Daneben werden aber auch Larven, Käfer, Heuschrecken und vereinzelt Spinnen und kleine Schnecken und Würmer gefressen. Bei entsprechendem Angebot nehmen Schafstelzen auch Schmetterlinge, Raupen und Blattläuse an.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Schafstelzen werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und gehen eine Saison- oder Brutehe ein. Die Männchen treffen ein bis zwei Wochen vor den Weibchen in den Brutgebieten ein und besetzen die Reviere. Den Nistplatz sucht das Weibchen in Begleitung des Männchens aus. Fast immer wird das Nest in einer kleinen Vertiefung am Boden gut gedeckt durch Vegetation gebaut. Es wird sorgfältig aus dürren Halmen und Gräsern, Stängeln, Wurzeln und Moos erbaut, hat einen tiefen Napf und wird mit feinen Pflanzenfasern und Säugetierhaaren ausgekleidet. Das Weibchen baut das Nest allein, wird aber beim Sammeln der Materialien vom Männchen begleitet. Das Gelege besteht gewöhnlich aus 5-6 Eiern, Legebeginn ist im Mai oder Anfang Juni. Die Brutdauer beträgt 12-13 Tage. Das Weibchen brütet in der Nacht alleine, tagsüber wird es manchmal vom Männchen abgelöst. Die Jungen werden von beiden Partnern gefüttert und bis zum 5. Lebenstag gehudert. Im Alter von 11 oder 12 Tagen verlassen die Jungen das Nest und sind mit 14 bis 16 Tagen voll flugfähig. Meistens wird nur einmal im Jahr gebrütet, seltener findet eine Zweitbrut statt.
Die ältesten bisher gefundenen Ringvogel waren 8 Jahre und 11 Monate sowie 8 Jahre und 5 Monate alt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 10/II- Passeriformes (1.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a. : Die Vögel Europas, Hamburg, Berlin.
Versluys, Engelmoer, Blok en Van der Wal: Vogels van Ameland, Leeuwarden.



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