Klappergrasmücke

Klappergrasmücke (Sylvia curruca)

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00205

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Beschreibung und Stimme
Mit 13,5 cm Länge sind Klappergrasmücken geringfügig kleiner als die ähnlichen Dorngrasmücken und etwa rotkehlchengroß. Von der Dorngrasmücke unterscheidet sich die Klappergrasmücke außerdem noch durch den kürzeren Schwanz, die viel grauere Oberseite, die dunklen Ohrdecken, die den Eindruck einer Maske hervorrufen und durch das Fehlen von Rostbraun auf den Flügeln.
Klappergrasmücken haben immer eine graue Oberseite; auch die Flügel sind grau. Die dunklen Kopfseiten kontrastieren zur weißen Kehle. Der Schnabel ist schiefergrau gefärbt, die Beine und Füße sind dunkel blaugrau bis grauschwarz. Die Iris ist dunkelbraun, bei Jungvögeln grau bis braungrau.
Die Klappergrasmücke ruft hart schmatzend „tack“ oder „tza“, bei größerer Erregung auch „tettettett“. Der Gesang besteht aus einem leise vorgetragenen schwatzenden Vorgesang und einer kurzen, lauten Klapperstrophe. Dieses „Klappern“ gab der Grasmücke ihren Namen. Es dauert 1,5 bis 2 Sekunden. Klappergrasmücken kann man auch während heißer Mittagsstunden singen hören.

Klappergrasmücke im Baum

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Die Klappergrasmücke ist in Europa und Asien verbreitet, kommt aber im äußersten Westen Europas, in Irland, in Spanien, in Portugal und im westlichen Frankreich nicht vor. Auch in Nordskandinavien und in fast ganz Italien fehlt die Art. Sie kommt insgesamt nur in geringer Dichte in ihren Brutgebieten vor. In der Schweiz leben ca. 10.000-15.000 Brutpaare, in den Niederlanden etwa 15.000 – 30.000, in Belgien etwa 12.000 und in Großbritannien rund 50.000 Brutpaare.

In den Alpen ist die Klappergrasmücke ein teilweise ausgesprochener Bergvogel, dessen höchste Brutnachweise mit der Waldgrenze zusammenfallen. Klappergrasmücken sind Langstreckenzieher, die hauptsächlich im Sudan und in Äthiopien überwintern, aber auch im Tschad und bis nach Niger, Mali und selbst in Arabien, Israel und Ägypten angetroffen wurden. Die Vögel treffen bei uns in der Regel ab Mitte April ein und verlassen Mitteleuropa von Ende August bis Ende September wieder.

Klappergrasmücke auf Baum

Biotop und Nahrung:
Klappergrasmücken sind Brutvögel des offenen und halboffenen Geländes. Sie benötigen niedrige Sträucher oder vom Boden ab dichte Bäume. In der Kulturlandschaft sind sie in Hecken, Knicks, an Dämmen und in Ödland und auch in kleinen bepflanzten Flächen anzutreffen. Im Tiefland sind diese Grasmücken meist in der Nähe menschlicher Siedlungen, oft sogar in Städten, anzutreffen. Weinberge, junge Waldpflanzungen, Baumkulturen, Hecken und Feldgehölze der Agrarlandschaft werden besondern gern besiedelt, geschlossener Wald wird gemieden.
Kleine, weichhäutige Insekten und deren Entwicklungsstadien werden bevorzugt gegessen. Im Sommer und Herbst, auch im Winterquartier, gehen die Vögel an Beeren und fleischige Früchte, jedoch nicht in dem Maße wie Mönchsgrasmücken. Auf dem Frühjahrszug ernähren sich Klappergrasmücken auch von Nektar und Pollen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Die Vögel werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und führen gewöhnlich eine monogame Saisonehe. Die Balz findet kurz nach der Rückkehr ins Brutgebiet statt und es kommt bald zu einer Paarbildung. Die Männchen kommen etwas eher als die Weibchen aus dem Winterquartier zurück und suchen ein Revier aus. Das Nest wird in niedrigen Zier- und Beerensträucher, in kleinen Koniferen oder in niedrigen Dornsträuchern erbaut, oft in Bodennähe, aber auch in bis zu 3 m Höhe. Es wird locker aus trockenen Halmen und Stängeln errichtet . Für den Innenausbau wird feineres Material verwendet. Das Rohnest wird vom Männchen erbaut, das Weibchen vollendet es und lässt sich beim Innenausbau mitunter vom Männchen unterstützen. Nach 2-3 Tagen, manchmal aber auch erst nach 6 Tagen, ist das Nest fertig. Meistens legt das Weibchen dann 5 Eier ins Nest; nach 11-15 Tagen schlüpfen die Jungen. Beide Partner brüten gemeinsam die Eier aus, doch da das Weibchen in der Nacht alleine brütet, ist sein Anteil am Brutgeschäft größer. Die Jungen werden auch von Männchen und Weibchen gemeinsam gefüttert und gehudert, bis sie nach 11-13 Tagen flügge sind. Nach dem Schlüpfen werden die Jungen noch mindestens drei Wochen weiter von den Altvögeln betreut. In der Regel findet nur eine Jahresbrut statt.
Der älteste bisher gefundene Ringvogel war 11 Jahre und 10 Monate alt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.



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