Trottellumme

Trottellumme (Uria aalge)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Alken (Alcidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00200

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Beschreibung
Die zur Familie der Alken (Alcidae) gehörende Trottellumme ist mit 42 cm Länge und einer Flügelspannweite von 70 cm ungefähr entengroß. Trottellummen sind schlank und werden bis zu 1000 Gramm schwer. Lummen haben am Bauch ein weißes Gefieder und sind an Kopf, Hals und Rücken tiefschwarz gefärbt. Im Sommer ist die Kehle schwarz, im Winter weiß. Ähnlich gefärbt wie die Altvögel im Winter sind auch junge Trottellummen. Manche Trottellummen haben um das Auge einen dünnen weißen Ring, von dem ein feiner, weißer Strich zum Nacken weist. Diese Lummen werden auch Ringlummen genannt, obwohl sie keiner eigenen Art oder Rasse angehören. Wie beim ähnlichen Tordalken bilden die weißen Spitzen der Armschwingen am geschlossenen Flügel eine weiße bogenförmige Linie und im Flug einen weißen Saum am Hinterrand der Flügel. Der schmale schwarze Schnabel ist wesentlich schlanker als der Schnabel des Tordalken. Wie bei allen Hochseevögeln sind die Füße der Lummen mit Schwimmhäuten ausgestattet.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Trottellummen sind an den Küsten und Inseln des Nord-Atlantiks, der Barentssee und des Nordpazifiks verbreitet. Im Westen kommen sie vom St.Lorenz-Golf und Neufundland über Grönland, Island, die Färöer, die Britischen Inseln und Norwegen bis zur Halbinsel Kola und südwärts bis in die Ostsee, Nordwest-Frankreich, Nordwest-Spanien und Portugal vor. Kein anderer Alkenvogel brütet so weit südlich wie die Trottellumme. Nur in der Brutzeit gehen die Lummen an Land und brüten an Felsküsten und Steilwänden, sonst halten sie sich überwiegend auf dem offenen Meere auf. Weltweit gesehen gehören Trottellummen nicht zu den seltenen oder gar gefährdeten Arten, obwohl der Bestand zurückgegangen ist. Man schätzt in aber immer noch auf weltweit 20 Millionen Vögel. Trottellummen werden auch heute noch in großen Zahlen verzehrt und ihre Eier werden gesammelt. In Deutschland haben die Vögel nur auf Helgoland ein Brutvorkommen. Rund 2200 Brutpaare wurden dort 2003 gezählt.

Trottellumme am Felsen

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Frühestens mit 4 Jahren, meistens erst aber mit 5 Jahren werden Trottellummen geschlechtsreif. Sie brüten in riesigen Kolonien offen und ohne jeglichen Sicht- und Wetterschutz auf nacktem Felsen. In den Vogelfelsen besetzen Lummen die mittleren Etagen; Papageitaucher und Eissturmvögel brüten über ihnen, Krähenscharben und Grillteisten unter ihnen. Auf Helgoland teilen sie sich die Plätze mit Basstölpeln und Dreizehenmöwen, wenigen Tordalken und Eissturmvögeln. Sie beanspruchen nur wenige Quadratdezimeter als Brutplatz für sich und die einzelnen Paare sitzen meist eng zusammengeschmiegt.

Trottellummen legen nur ein einziges, konischspitzes Ei. Wenn es angestoßen wird, rollt es deshalb auf einer engen Kreisbahn. Das Ei ist mit 81 mm fast so groß wie ein Gänseei. Kein Ei gleicht dem anderen völlig. Die Grundfarbe kann weiß, rahmfarben, gelbgrün, grau oder olivgrau sein, auch grünlichblau oder selten auch braun. Auch die Flecken variieren stark und können aus Wurm- und Schlangenlinien bestehen oder aus Zeichnungen in Kranz-, Netz- oder Kappenform. Jede Lumme kann ihr Ei von anderen Eiern unterscheiden.

Trottellumme im Flug

Ab April sind die Trottellummen ständig an den Brutfelsen zu finden, die Eier werden aber erst im Mai gelegt. Nach 30-35 Tagen schlüpfen die Lummenküken mit bereits offenen Augen und wollig-grauem Dunenkleid. Sie sind aber noch völlig hilflos. Zwei bis dreimal am Tag werden die Küken mit einem etwa zehn Gramm schweren Fisch gefüttert und sind nach 20 Tagen gut faustgroß. In diesem Alter springen die Jungen dann alle von den Felswänden in die Tiefe. Beim Sprung selbst verletzten sich die jungen Lummen so gut wie nie weil sie eine besonders dichte Brustbefiederung haben und der Sturz zudem durch ein Netz von Luftsäcken gedämpft wird. Allerdings landen viele in Felsspalten und kommen dort jämmerlich um. Die Überlebenden dieses „Lummensprunges“ ziehen mit den Eltern aufs Meer.

Bis zum Erlangen der Geschlechtsreife überleben in Wales nur etwa 20% der Junglummen, etwa 30 % sind es in Helgoland. Die meisten Ringe, die Helgoländer Lummen angelegt bekamen, hielten der Abnutzung und Salzwasserkorrosion nicht statt; die älteste beringte Helgoländer Lumme wurde im Alter von 32 Jahren wieder gefunden, eine weitere Trottellumme wurde im Alter von 23 Jahren tot aufgefunden. Die Lebensdauer einer Generation Trottellummen beträgt durchschnittlich 9 Jahre.

Nahrung:
Trottellummen fangen zur Brutzeit und zur Jungenaufzucht vor allem Sandaale, aber auch andere im freien Wasserraum lebende Fische. Außerhalb der Brutzeit ist der Speiseplan viel vielfältiger. Dann verzehren Trottellummen neben Fischen auch Muscheln, Meereswürmer, Krebse und selbst Quallen. Bleiben die großen Fischschwärme aus, verhungern viele Lummen in den Kolonien.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1I: Charadriiformes (3. Teil), Sternidae- Alcidae, Wiesbaden.
Delin, Hakan und Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart.
Sauer, Frieder, Wasservögel, München.



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