Mantelmöwe

Mantelmöwe (Larus marinus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00199

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Beschreibung und Stimme:
Die gewaltigen Mantelmöwen erreichen Gänsegröße und sind somit die größten Möwen Europas. Bis zu 75 cm groß können ausgewachsene Mantelmöwen werden bei einer Flügelspannweite von 170 cm und einem Gewicht von 2 kg. Ihren Namen hat die Mantelmöwe wegen ihrer mantelartigen schieferschwarzen Flügeldecken erhalten. Schieferschwarz ist auch der Rücken gefärbt. Die Unterseite ist weiß wie auch die Spitzen der Flügel und die Flügelränder.

Mantelmöwe schwimmt

Ein gutes Erkennungsmerkmal der Mantelmöwe sind die fleischfarbenen Beine. Heringsmöwen, die zwar deutlich kleiner sind, aber sonst sehr ähnlich sein können, haben immer gelbe Beine. Der kräftige gelbe Schnabel hat am unteren Teil einen roten Punkt. Junge Mantelmöwen sind lehmbraun quergestreift, haben dunkle Schwingen und haben eine schwarze Schwanzbinde. Sie ähneln jungen Silbermöwen sehr, sind aber natürlich viel größer und kontrastreicher gezeichnet.

Der Ruf der Mantelmöwe klingt sehr wie „ga-ga-ga“ oder „skjau“ , ist sehr tief und wird in verschiedenen Tonlagen vorgetragen. Im Vergleich zur Silbermöwe hören sich die Rufe tiefer und sonorer an.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
In den letzten Jahrzehnten haben Mantelmöwen ihr Brutgebiet weit nach Norden und Süden ausgedehnt. Auch auf Spitzbergen siedelten sie sich an. An der Ostküste Amerikas weiteten sie ihr Brutgebiet innerhalb von 20 Jahren um 700 km nach Süden aus. Die Vögel kommen an Küsten, Küstengewässern und Flussmündungen vor und sind ganzjährig stärker an die Küste gebunden als die übrigen Großmöwen. Im Winter streifen sie an allen Küsten Mitteleuropas herum und halten sich bevorzugt an See -exponierten Stränden auf. Im Winter findet man die Vögel auch in Küstenstädten.

Mantelmöwe Jungtier

Dort wo für sie auch im Winter Fischereihäfen und Müllkippen erreichbar sind, stieg ihr Bestand überall an. Mantelmöwen brüten auf felsigen Inseln, die der Küste vorgelagert sind. Mehr als 40.000 Brutpaare Mantelmöwen nisten allein an der Küste Norwegens, in Schweden leben mehr als 20.000 Paare, in Frankreich mehr als 1000 Paare (350 davon etwa in der Normandie), auf den britischen Inseln ca. 22.500 Paare.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Erst im Alter von 4, häufiger von 5 Jahren werden diese Großmöwen geschlechtsreif. Der Brutplatz wird oft schon im Winter besucht, der Nistplatz wird aber nicht vor Ende März/Anfang April bezogen. Die beiden Partner leben in einer Saisonehe zusammen. Aus dürrem Gras, Heidekraut, manchmal auch aus Tang, Moos oder Federn wird das Nest erbaut, das fast immer auf kleinen windexponierten Erhebungen errichtet wird. In Klippen brüten Mantelmöwen überall- vom Fuß der Klippe bis zum oberen Rand. Wenn Mantelmöwen in Kolonien mit anderen Möwen zusammenleben, stehlen sie diesen das Nistmaterial so lange, bis diese den Nistplatz räumen. Auch übernehmen sie manchmal einfach das Nest anderer Möwen.

Mantelmöwen legen fast immer 3 Eier, die größer als Hühnereier sind. Nach Norden des Brutgebietes hin verschiebt sich der Legebeginn. In den Schären bei Stockholm ist der früheste Legebeginn um den 21. April, in Island findet man ab Ende April die ersten Eier. Bei kühler Witterung kann sich der Legebeginn bis Ende Mai herauszögern. Die Jungen schlüpfen nach 26-28 Tagen aus den Eiern und sind mit etwa 7 Wochen flugfähig. Es findet nur eine Jahresbrut statt.
Der älteste Ringvogel, der wieder gefunden wurde, hatte ein Alter von 23 Jahren und 3 Monaten; auch ein 20 Jahre alter Vogel wurde gefunden.

Nahrung:
Fast ausschließlich animalisch ernähren sich diese Großmöwen. Mollusken, Anneliden und Crustaceen werden ebenso aufgenommen wie z.B. Larven und Puppen von Tangfliegen oder andere Insekten. Seesterne werden gern gefressen, auch Fische und Säuger. So können in Lappland Lemminge mitunter zur Hauptnahrung werden. Kaninchen werden ebenso erbeutet wie Junghasen und gelegentlich in Island Junglämmer. Vögel, deren Eier und Junge werden oft gejagt und erbeutet. Krabbentaucher, Papageitaucher oder Blässhühner stehen auf der Beutetierliste. Für die Jungenaufzucht sind Fische von großer Bedeutung. In großen Seevögelkolonien werden jährlich Tausende von Sturmtauchern und 500-1000 Papageitaucher (Davis) von Mantelmöwen erbeutet, auch Eiderentenkolonien werden von Mantelmöwen gezehntet. Ist aber Fisch gut erreichbar, halten sich die Verluste in den Seevögelkolonien in Grenzen.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden
Delin, Hakan und Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart
Charadrius, Zeitschrift für Vogelkunde, Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, 32. Jahrgang 1996, Heft 4.
Sauer, Frieder, Wasservögel, München.



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