Schwarzkehlchen

Schwarzkehlchen (Saxicola torquata)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00198

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Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Schwarzkehlchen und Braunkehlchen ähneln sich. Das Schwarzkehlchen wirkt ein wenig rundköpfiger und rundlicher und sitzt oft aufrecht und gut sichtbar auf den Spitzen von Büschen und Sträuchern oder anderer Warten. Dabei wippt es ständig mit Flügeln und Schwanz. Schwarzkehlchen sind mit 12,5 cm Körperlänge so groß wie Rotkehlchen. Die Männchen haben einen völlig schwarzen Kopf, ein weißes Band am Hals und eine rotbraune Brust. Das Weibchen hat einen braun gescheckten Kopf, eine etwas hellere rotbraune Brust und kein Halsband. Männchen und Weibchen sind am Flügel schmal weiß gestreift.

Schwarzkehlchen auf Rohr

Männchen haben einen weißen Fleck am Bürzel, der den Weibchen fehlt. Einen Überaugenstreif wie das Braunkehlchen haben Schwarzkehlchen nie. Häufig hört man anhaltend ein „ fid, tack, tack“ von schimpfenden Schwarzkehlchen. Diese Schimpflaute hören sich an als ob zwei Steine aneinander geschlagen werden. Der Gesang erinnert etwas an den der Heckenbraunelle und besteht aus zwitschernden, abgerissenen Strophen. Schwarzkehlchen singen von erhöhten Warten aus oder führen seltener Singflüge durch.

Schwarzkehlchen auf Ast

Lebensraum, Verbreitung und Bestand
Der typische Biotop des Schwarzkehlchens ist offenes, vorwiegend sonniges und trockenes Gelände. Die Vegetation sollte flächendeckend gegeben sein, doch darf sie nicht zu dicht sein. Höhere Sing- und Aussichtswarten sollten vorhanden sein. Deshalb findet man die Vögel in den Randzonen des Grünlandes, in Mooren und Heiden und auf Brach- und Ruderalflächen. Auch in Weinbergen finden Schwarzkehlchen heute wieder häufiger ihr Auskommen, vor allem wenn alte Böschungen vorhanden sind. In Mitteleuropa ist das Schwarzkehlchen ein seltener Brutvogel, der im Nordosten fehlt. Der Rückgang des Bestandes wurde in den letzten Jahren gestoppt. Verbreitet ist das Schwarzkehlchen in der borealen, gemäßigten und mediterranen Zone aber auch in der Steppen- und randlich in der Wüstenzone, auch in Gebirgsregionen. Das von den britischen Inseln bis Japan reichende Areal wird durch eine breite Lücke von Skandinavien bis ins aralo-kaspische Becken zweigeteilt.

Schwarzkehlchen auf Felsen

Ernährung:
Größtenteils werden Insekten und Spinnen aufgenommen, auch Asseln, Hundertfüßler und kleine Schnecken oder Würmer werden gefressen. Wichtigste Beutetiere sind Käfer, Schnabelkerfe, Wanzen, Hautflügler und Zweiflügler sowie Schmetterlinge und ihre Larven. Im Winterquartier ist die Nahrung nicht so vielfältig und Ameisen, die sonst kaum aufgenommen werden, gewinnen an Bedeutung in der Ernährung. Auch Flohkrebse können dann von Bedeutung sein und selbst kleine Fischchen werden von der Wasseroberfläche weggefangen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Am Ende des ersten Lebensjahres werden Schwarzkehlchen geschlechtsreif. Meist führen die Vögel eine monogame Saisonehe, doch gibt es auch Umverpaarungen nach einer Brut, wenn ledige Männchen in der Umgebung vorkommen. Bei Schwarzkehlchen besteht häufig ein nicht ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Weibchen und Männchen erscheinen meistens ziemlich gleichzeitig am Brutplatz; das Männchen gründet ein Revier, dessen Grenzen erst bei Anwesenheit des Weibchens festgelegt werden.

Den Nistplatz sucht das Weibchen aus. Meistens wird das Nest in einer kleinen Vertiefung am Boden angelegt, nach oben abgeschirmt durch Heidekraut, Ginster, Farn oder Grasbülten. Selten wird das Nest auch bis 1,20 m Höhe in das unterste Astgewirr von Sträuchern gebaut. Vereinzelte Nester wurden auch in Mauern, Erdhöhlen, Torfwänden und unter Erdschollen gefunden. Das Nest ist ein Napf aus trockenem Gras, Wurzelwerk und Moos, manchmal auch dürren Pflanzenstängeln, Blättern und Nadeln, Wolle oder anderem trockenem Material. Es ist fester als das Nest des Braunkehlchens und wird mit Haaren, Federn, Wolle, feinen Moosen und Gräsern ausgekleidet.

Für Nester früher Bruten wird mehr Material verwendet als für Nester späterer Bruten. Diese haben eine geringere Wandstärke und eine flachere Mulde mit weniger Moos. Das Weibchen baut das Nest allein, vor allem in den frühen Morgenstunden, wird aber vom Männchen begleitet, das von Sitzwarten aus singt. Nach manchmal schon 2 Tagen, manchmal aber auch erst zehn Tagen ist das Nest fertig gestellt. Für jede Brut wird ein neues Nest gebaut. Das Gelege besteht aus 3-6 Eiern, am häufigsten sind 5er - Gelege. Die Eier haben eine ziemlich helle grünlichblaue Grundfärbung. Sie sind oft fein rotbraun gewölkt, gepunktet oder gefleckt. Die Gelegegröße nimmt von März bis Anfang Juni zu. In Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen werden die meisten Gelege zwischen der 2. und 4. Aprilwoche begonnen. Meist beträgt die Brutdauer 13-14 Tage, mit der Brut wird mit Ablage des vorletzten oder letzten Eies begonnen. Die Jungen schlüpfen häufig nachts oder frühmorgens und bleiben 14-16 Tage im Nest, bei nasser Witterung auch 18 Tage. Bei Störungen flattern die Jungen im Alter von 10 oder 11 Tagen bereits aus dem Nest. Im Alter von 14 Tagen können Schwarzkehlchen kurze Strecken fliegen, sie werden noch 4-5 tage von ihren Eltern betreut. Danach beginnt das Weibchen die nächste Brut und das Männchen betreut die Jungen noch weitere zehn Tage, bevor es sie vertreibt. Mindestens zweimal brüten Schwarzkehlchen, auch 3 Jahresbruten kommen vor.

Verluste von Eiern und Jungen gehen vor allem auf Bodenfeinde zurück. Katzen, Hunde, Wiesel, Igel, Mäuse und Ratten sind die häufigsten Predatoren, Flugfeinde kommen weniger in Frage. Auch kalte Regenperioden wirken sich negativ aus.
Nur wenige Schwarzkehlchen werden vier Jahre alt; die ältesten Ringvögel wurden 6- und mindestens 7jährig.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/1- Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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