Wintergoldhähnchen

Wintergoldhähnchen ( Regulus regulus)

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00197

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Beschreibung:
Das Wintergoldhähnchen ist mit dem Sommergoldhähnchen der kleinste europäische Vogel, wird nur 9 cm groß und wiegt gerade mal 5 Gramm. Es hat eine rundliche Gestalt und ist blass olivgrün gefärbt. Im Unterschied zum Sommergoldhähnchen hat das Wintergoldhähnchen keinen Augenstreif; der gelbe Scheitel wird von zwei schwarzen Längsstreifen begrenzt. Besonders in der Mitte ist der gelbe Scheitel beim Männchen oft intensiv orangefarben gefärbt. Die Kopfseiten sind hell und lassen dadurch die Augen größer wirken als beim Sommergoldhähnchen. Die Körperunterseite ist weißlich grün oder rahmfarben; die Flügel weisen zwei weiße Binden und ein schwarzes Band auf; der Schnabel ist schwarz, die Beine sind dunkelgelb bis hornfarben.

Wintergoldhähnchen

Stimme, Gesang:
Das Männchen lässt aus Nadelbäumen ein feines, hohes auf- und absteigendes Wispern ertönen, das am Ende einen kurzen, zwitschernden Endschnörkel aufweist. Die einzelnen Strophen dauern etwa 3 Sekunden. Der Ruf ist hoch, fein und hört sich an wie „sri-sri“.

Wintergoldhähnchen von vorn

Verbreitung und Bestand:

In ganz Mitteleuropa sind Wintergoldhähnchen verbreitet. Auch weite Teile Skandinaviens und Südeuropas werden besiedelt. In Island und Lappland dagegen gibt es keine Wintergoldhähnchen. Bei Wintergoldhähnchen kommt es immer wieder zu kurzfristigen Bestandsschwankungen. Besonders nach  kalten Wintern kann der Bestand ziemlich zusammengeschrumpft sein. Solche Verluste werden aber recht schnell wieder ausgeglichen.  Der Bestand ist in Mitteleuropa ungefährdet; überall ist die Art recht häufig, wenn entsprechende Lebensräume vorhanden sind. Geschätzter Bestand in der Schweiz: 450.000-590.000 Brutpaare, in Schweden rund 3 Millionen Brutpaare, in Finnland 1-2 Millionen, in den Niederlanden 40.000- 80.000 Paare. In Baden-Württemberg gab es 1987-88 rund 280.000 Wintergoldhähnchen-Brutpaare.

Biotop und Nahrung
Zur Brutzeit leben Wintergoldhähnchen bevorzugt in Fichtenwäldern. Neben älteren Beständen werden auch geschlossene Jungfichtenbestände besiedelt. Mindestens 16 Fichten muss das Brutareal umfassen. Neben Fichten werden zur Nahrungssuche auch Lärchen und Kiefern angeflogen. Außer in Nadelwäldern sind Wintergoldhähnchen auch in Mischwäldern mit großen Nadelholzanteil verbreitet. Im Winter kommen sie auch in Gärten und Parks. Goldhähnchen leben von kleinen Insekten und Spinnen, die von Nadeln und Zweigen abgelesen werden und manchmal auch im Rüttelflug vor Zweigen gejagt werden. Im Winter nehmen die Vögel auch kleine Samen auf und im Frühjahr auch Nektar und Pollen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Im ersten Lebensjahr werden die Vögel geschlechtsreif und beziehen Ende Februar, Anfang März ihr Revier. Die Partner leben in einer Saisonehe monogam zusammen, bleiben sich also auch bei mehreren Bruten hintereinander treu.

Goldhähnchen bauen ein kugeliges, dickwandiges Filznest in 4-15 m, meistens aber in 10-12 m Höhe. Es wird meistens in hängende Nebenäste von Fichten und Tannen eingewoben und besteht aus Moos, Flechten, Haaren, Gespinsten und wird mit Federn ausgelegt. Die Nester sind in der Regel  im Windschatten angelegt, sind sehr gut getarnt, elastisch, windsicher und hervorragend isoliert. 

Am Nest bauen die Vögelchen im März oft mehr als einen Monat lang, im Mai benötigen sie nur 16 Tage zum Bau des Nestes. Das Gelege besteht aus 5-13 Eiern. Ab Mitte März wird das erste Ei gelegt, meist aber erst ab Anfang April. Die ersten flüggen Jungen sind ab Ende April anzutreffen, die letzten noch Ende August. Späte Zweitgelege werden noch Anfang August begonnen. Nach 14-17 Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern. Sie bleiben sehr lange im Nest, viel länger als die Jungen anderer Freibrüter, nämlich 18-22 Tage lang. Beide Eltern füttern die Jungen auch noch mindestens 12 Tage nach dem Ausfliegen. Erst mit 34 Lebenstagen sind sie selbstständig.

Das bisher im Freiland festgestellte Höchstalter eines Goldhähnchens betrug 3,7 Jahre. In der Voliere wurden zweimal Wintergoldhähnchen älter als 10 Jahre alt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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