Steinschmaetzer

Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00196

► mehr Vögel


Beschreibung und Stimme:
Steinschmätzer werden knapp 15 cm lang. Beide Geschlechter haben einen auffallend weißen Bürzel und weiße Schwanzseiten, die deutlich abstechen zu dem Schwarz von Mitte und Ende des Schwanzes. An dieser charakteristischen schwarz-weißen, T - förmigen Schwanzfärbung sind die Vögel auch im Flug immer sicher zu bestimmen. Die Männchen haben im Brutkleid im Frühjahr und Sommer einen blaugrauen Rücken und Scheitel und einen schwarzen Augenstreif, der sich bis auf die Wangen zieht und von da etwas verbreitert, so dass er wie eine Maske wirkt. Über dem schwarzen Augenstreif ist ein breiter weißer Streifen. Die Brust ist rahmfarben und der Bauch weiß, die Flügel schwarz. Die Weibchen sind ähnlich gefärbt, nur etwas weniger kontrastreich und die schwarze Maske im Gesicht ist nicht so ausgeprägt; die Flügel sind mehr braun als schwarz. Im Ruhekleid ist der Rücken der Männchen ebenfalls bräunlich gefärbt; die Weibchen sehen aus wie Männchen im Ruhekleid.

Steinschmätzer

Die Vögel lassen häufig ein hartes „töck“, „töck-jiw“, „jiw-töck“ oder ähnliche Laute hören. Der Gesang ist ein kurzes lerchenartiges Zwitschern und verbindet gepresste und wohltönende Laute miteinander. 

Steinschmaetzer auf Ast

Verbreitung, Lebensraum und Bestand
Steinschmätzer sind als Brutvögel in ganz Eurasien von den Britischen Inseln bis zur Inneren Mongolei und auf Alaska übergreifend verbreitet. In Mitteleuropa sind Steinschmätzer fast überall als spärliche oder seltene Brutvögel anzutreffen.  Typische Biotope sind die Gebirge und die Küstendünen, wo die Bestände ziemlich stabil sind. Darüber hinaus bewohnen Steinschmätzer aber auch andere Landschaften; sie bevorzugen dabei offenes, steiniges Gelände. In Deutschland sind die Vögel selten; der Gesamtbestand betrug 1986 circa 2700 - 4400 Brutpaare.  Während des Zuges sieht man Steinschmätzer aber noch regelmäßig auf Feldern und Wiesen rasten. Sie überwintern in Afrika und kommen außer in Eurasien auch in Kanada und Alaska, Grönland und Sibirien vor.

Ernährung:

Steinschmätzer fressen überwiegend Insekten, aber auch Spinnen, kleine Schnecken und Regenwürmer. Die Nestlinge werden mit Raupen, Schnaken, Schnellkäferlarven und mit Heuschrecken gefüttert. Im Herbst fressen Steinschmätzer u.a. auch Beeren.

Steinschmaetzer mit Schaf

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Steinschmätzer werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Partner führen eine monogame Saisonehe, doch kommt es vor, dass sich die Partner zu einer zweiten Brut neu finden. Die Paarbildung erfolgt erst im Brutrevier. Zuerst erscheinen die Männchen, die Weibchen folgen erst Tage (bis 2 Wochen) später. Da die Vögel reviertreu sind, können sich auch immer wieder dieselben Partner treffen.

Das Männchen sucht geeignete Nistplätze, die es dem Weibchen zeigt, das dann die endgültige Wahl trifft. Das Nest wird in Höhlen und Spalten am Boden  oder in Bodennähe angelegt. Geeignete Nistplätze sind Felsspalten, Hohlräume unter Fels- und Gesteinsblöcken, auch unter Reisighaufen und Holzstapeln, Löcher in Steinmauern, aber auch Kaninchenhöhlen. Das Nest wird meistens am Ende eines kleinen, aber auch bis zu einem Meter langen Gang angelegt. Es wird aus trockenem Pflanzenmaterial erbaut; die Mulde wird dick mit feinen Halmen, Federn, Haaren und Wolle ausgepolstert. Die Feinarbeiten an der Nestmulde erledigt das Weibchen alleine, das grobe Nest errichten beide Partner in 6-9 tägiger Arbeit. Ein Vollgelege besteht meistens aus 4-6 Eiern.

In Mitteleuropa beginnen die Weibchen ab dem letzten Aprildrittel mit der Eiablage. Im den Alpen ist Legebeginn ab Mitte Mai. Im Tiefland fangen Steinschmätzer noch bis Ende Juni Zweitbruten an, in den Alpen bis zum Ende des ersten Julidrittels. Nach 13-14 Tagen Brutdauer schlüpfen die Jungen, die 13-15 Tage im Nest bleiben. Kommt es zu Störungen, verlassen die Jungen aber schon früher das Nest. Mit 17-19 Lebenstagen sind Steinschmätzer schon voll flugfähig. Sie werden aber noch 10-15Tage in der Nestumgebung weiter gefüttert.

Zwei Drittel der jungen Steinschmätzer sterben bis Ende des ersten Lebensjahres. Das in der Natur bisher festgestellte Höchstalter betrug aber mehr als 7 Jahre.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/1- Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Steinschmätzer

Natur-Lexikon.com