Hohltaube am Boden

Hohltaube (Columba oenas)

Familie: Tauben (Columbidae)
Ordnung:
Taubenvögel (Columbiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00194

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Besonderheiten:

Von den vier in Mitteleuropa heimischen Taubenarten ist die Hohltaube die einzige, die in Höhlen brütet. In Höhlen sind die Eier und Jungvögel vor Nesträubern wie der Rabenkrähe, der Elster oder dem Eichelhäher sicher. Hohltauben bauen in der Bruthöhle ein echtes Nest. Deshalb kann man annehmen, dass auch die Hohltaube wie die drei anderen bei uns heimischen Taubenarten und wie die Vielzahl der über 300 Taubenarten weltweit ursprünglich ein Freibrüter gewesen ist.

Als Höhlenbrüter sind Hohltauben folglich auf alte, morsche Bäume mit natürlichen Höhlungen und den Schwarzspecht und die von ihm gezimmerten Höhlen angewiesen. In unseren Wirtschaftswäldern ist das Angebot an alten, knorrigen, morschen Bäumen und damit auch an Höhlen knapp. Viele andere Tiere wie Dohlen und Waldkäuze, Kleiber, Stare, Fledermäuse oder Hornissen interessieren sich für dieselben Wohnungen und konkurrieren um diese; so zieht die Hohltaube oft den Kürzeren im Kampf um die begehrten Brutplätze. Aufgrund dieser Wohnungsknappheit bei der Hohltaube ist es sinnvoll, Nistkasten - Aktionen durchzuführen. Diese haben fast immer schnell Erfolg und heute ist die Hohltaube längst nicht mehr so bedroht wie noch vor einigen Jahrzehnten. Selbst auf Friedhöfen und in Parks kann man dieser Taube wieder häufiger begegnen, wenn nur einige für Hohltauben geeignete Nistkästen angebracht worden sind.

An der Küste brüten Hohltauben auch in den Kaninchenbauten der Dünengebiete. Brandenten sind dort Konkurrenten um diese Bauten, manchmal auch Mitbewohner in diesen.

Hohltaube

Beschreibung:
Mit 33 cm Größe ist die Hohltaube deutlich kleiner als die häufige Ringeltaube, etwa gleich groß wie die Türken- und deutlich größer als die Turteltaube. Hohltauben sind recht einfarbig grau, haben zwei undeutliche schwarze Binden im Flügel und keinerlei weiße Farbe im Gefieder. Am Hals schimmern grünliche Federn. Zu verwechseln ist die Hohltaube am ehesten mit der Felsentaube,  die in Mitteleuropa allerdings nicht vorkommt oder mit manchen Haustauben, die aber einen hellgrauen oder weißlichen Rücken haben. Von der deutlich größeren und langschwänzigeren Ringeltaube unterscheidet sie sich auch noch durch das  Fehlen einer weißen Flügelbinde und durch raschere Flügelschläge.

Hohltaube auf Ast

Verbreitung und Vorkommen:
Hohltauben sind über ganz Mitteleuropa verbreitet, aber überwiegend an die Waldgebiete gebunden. Darüber hinaus kommen sie in Südskandinavien, den größten Teilen Südeuropas, in Westasien und in Nordwest-Afrika vor. Als Lebensraum bevorzugen die Vögel größere Waldinseln in offener Landschaft und sind in Laub-, Misch- und Kiefernwald anzutreffen. Normalerweise sind Hohltauben Vögel des Tieflandes und bleiben unterhalb von 600 m Höhe, stellenweise gehen sie aber wie im Schwarzwald und im Schweizer Jura auf Höhen von über 1000 m.

Hohltaube an einer Mauer

Nahrung:
Bucheckern, Eicheln, Nadelholz- und Unkrautsamen sind die bevorzugte Nahrung dieser Taubenart. In Gärten tut sie sich auch an Erbsen und Beeren gütlich, auch an anderen Samen. Gern fallen Hohltauben im Getreide ein. Fast immer findet man die Vögel beim Nahrungserwerb am Boden, besonders in der offenen Landschaft auf brach liegenden oder frisch gepflügten Feldern.

Hohltaube auf Stromleitung

Fortpflanzung und Jungenaufzucht:
Hohltauben werden spätestens zum Ende des ersten Winter (im März) ihres Lebens geschlechtsreif und lassen manchmal schon im Alter von 8-9 Wochen ihren Revierruf vernehmen. Die Partner leben in einer Saisonehe zusammen, doch nicht selten finden sie auch im nächsten Jahr zusammen. Bei Standvögeln in wintermilden Gebieten bleiben die Partner oft in einer Dauerehe zusammen. Bei Ankunft am Brutplatz beginnen die Vögel mit der Balz, in Mitteleuropa schon im Februar, selten schon Ende Januar. Oft kommen die bereits verpaarten Vögel gemeinsam am Brutplatz an. Die Männchen bieten dem Weibchen einen Nistplatz an, doch das Weibchen wählt immer aus. Gebrütet wird in Höhlen, deren Öffnung mindestens einen Durchmesser von 10-20 cm haben sollten.

Da die Hohltauben selbst ein Reisignest bauen, sind sie mit weniger komfortablen und wassergefährdeten Höhlen zufrieden. Die Höhlenbäume können auch in einem dichten Bestand liegen, doch Fichten werden meistens gemieden, da ihre Wuchsform den Höhlenanflug behindert. Während in Nord- und Osteuropa nur in Bäumen gebrütet wird, weichen die Vögel Westeuropas auch auf andere Nistweisen auf. Sie brüten zum Beispiel in Erdbauten von Kaninchen, in Taubenschlägen und anderen menschlichen Gebäuden und unter Dachvorsprüngen, immer häufiger auch frei in Bäumen und Sträuchern. Allerdings brauchen sie dann ein freies Nest von z.B. einem Habicht oder einer Elster oder einen Hexenbesen. Hohltauben legen zwei Eier. Meistens beginnen sie mit der Brut erst, wenn die Höhlenkonkurrenten Dohle, Schwarzspecht und Wald- oder Raufußkauz mit ihrer Brut fertig sind und die Höhle geräumt haben. Zwei oder drei Bruten hintereinander sind nicht ungewöhnlich, selbst vier sind keine Seltenheit. 16-18 Tage dauert es, bis das zweite Hohltaubenküken schlüpft. Die Nestlingsdauer beträgt je nach Wetter zwischen 18 Tagen bei warmen Sonnenwetter und 28 Tagen (dann meist im August/September). Wenige Tage nach dem Ausfliegen der Jungen legt das Weibchen erneut Eier.

Sterblichkeit und Lebenserwartung
Dohle, Eichelhäher, Elster, Wald- und Steinkauz, Eichhörnchen, Marder und Gartenschläfer plündern Gelege und rauben Nestjunge; besonders die Erstgelege erleiden hohe Verluste. Altvögel fallen Habicht, Wanderfalke und Waldkauz zum Opfer. Auch die Verfolgung von Hohltauben durch den Menschen dürfte  großen Einfluss auf Hohltaubenbestände haben. Besonders die in Südwestfrankreich und anderen mediterranen Regionen überwinternden Hohltauben sind durch den Menschen gefährdet. Durchschnittlich werden Hohltauben wohl weniger als ein Jahr alt; das bisher bekannt gewordene Höchstalter liegt bei 12 Jahren und 7 Monaten (Schweiz).

Literatur:
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9- Columbiformes  -Piciformes, Wiesbaden.
Stern, Horst u.a.: Rettet die Vögel...wir brauchen sie, Bonn.



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