Seidensänger

Seidensänger (Cettia cetti)

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00193

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Beschreibung und Stimme

Mit 14 cm Länge sind Seidensänger so groß wie Rohrschwirle. Kennzeichnend sind die kurzen runden Flügel und der stark gerundete Schwanz. Seidensänger haben eine rostbraune Oberseite, die an Bürzel und Oberschwanz besonders intensiv gefärbt ist. Die Arm- und Handschwingen sind braun mit schmalen helleren Außenfahnen. Der weißlich graue Überaugenstreif ist ein weiteres gutes Kennzeichen des Vogels. Da Seidensänger aber ausgesprochen versteckt leben, ist eine Bestimmung mittels Sichtbeobachtung besonders schwierig. Unverkennbar dagegen ist der Gesang. Er ist ausgesprochen laut, setzt völlig unvermittelt an und hört genau so abrupt auf. Diese explosiv einsetzende Gesangsreihe, die meist 1,5 bis 4 Sekunden dauert, wird von schnell wechselnden Singplätzen aus vorgetragen und nimmt beim Vortrag an Lautstärke ab. Die Strophen sind bei den einzelnen Vögeln individuell sehr verschieden. Seidensänger singen das ganze Jahr hindurch, sind also selbst in den Wintermonaten zu hören, aber am wenigsten im Juli und August.

Verbreitung

Im westlichen Mitteleuropa wanderte der Seidensänger vorübergehend als seltener Brutvogel ein. In der Schweiz brütete ein Seidensängerpaar zum ersten Mal 1975 und dann immer wieder bis 1981. Danach gab es bis 1986 nur noch einzelne Beobachtungen, nach 1986 überhaupt keine mehr. In Belgien brütete der Vogel 1964 erstmals und zwischen 1973 und 1977 gab es bis zu 180 Brutpaare. Mittlerweile ist der Bestand wieder erloschen.

In den Niederlanden tauchten Seidensänger 1968 auf und bestand ab 1974 Brutverdacht. Eine Brut wurde 1976 nachgewiesen. 60 Reviere wurden 1977 festgestellt, danach von 1978 bis 1983 10-20 Reviere. Auch in den Niederlanden erlosch der Bestand wieder. Brutverdacht gab es auch in Deutschland in mehreren Bundesländern und in mehreren Jahren. Als Ausser für die Arealerweiterungen sind  besonders milde Winter anzunehmen. Heute sind Seidensänger Brutvögel des Mittelmeerraumes und kommen in Marokko, Spanien, von Südfrankreich über Italien, Griechenland und Vorderasien bis nach Nord-Iran und Nord-Afghanistan vor und erreichen im Osten Kasachstan und Zentralasien.

Biotop und Nahrung:

Seidensänger leben versteckt in dichter Vegetation an Bächen und Gräben, wo sie nach kleinen Insekten, Würmern, Schnecken und Spinnen suchen. Gelegentlich nehmen sie auch Pflanzensamen auf.  Schilf, Brennnesseln, Brombeere und Weißdorn sind typische Deckungspflanzen. In Mittelmeerraum besiedeln die Vögel manchmal auch vollkommen trockene Brutgebiete.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:

Vermutlich werden Seidensänger schon im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Im Revier des Männchen erfolgt die Paarbildung. Das Nest wird meistens in einer Höhe von weniger als einem halben Meter im Brombeergestrüpp oder in Tamarisken, in Schilf und Brennnesseln in vertikalen Halmen, in Astgabeln, in Ranken oder auch auf Grasbülten errichtet. Das Weibchen baut das napfförmige Nest, das etwa 7-13 cm hoch ist und einen äußeren Durchmesser von etwa 9 cm hat, aus Halmen. Die Nestmulde wird mit feinerem Material ausgekleidet. Das Weibchen legt dann (3)4-5 breitovale, dunkelorange bis braunrötliche Eier. In Europa werden die Eier in der zweiten Aprilhälfte gelegt. Eine zweite Brut findet oft noch im Juni statt, die spätesten Jungen fliegen Anfang August aus. Die Brutdauer beträgt je nach Wetter 13-17 Tage. Nur das Weibchen bebrütet das Gelege und füttert auch die Jungen. Nach 14-16 Tagen werden die Jungen flügge. Nun beteiligt sich auch das Männchen an der Fütterung der Jungen. Das Seidensängerpaar führt eine Brutehe, bei zwei aufeinander folgenden Bruten auch eine Saisonehe. Die Vögel werden 6 (Männchen) bzw. 7 (Weibchen) Jahre alt.

Alle Fotos entstanden in der Camargue (Südfrankreich).

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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