Eichelhäher

Eichelhäher (Garrulus glandarius)

Familie: Krähen (Corvidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00192

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Zu der Familie der Krähenvögel gehören mit der Elster, der Dohle, der Aas- und Saatkrähe, dem Kolkraben und eben dem Eichelhäher die bei vielen Menschen am schlechtesten angesehenen Arten in unserer Vogelwelt. Kaum andere Arten erregen so den Ärger vieler Menschen wie diese Vögel. Oft nämlich kann man Krähenvögel, die in der Literatur auch als Rabenvögel bezeichnet werden, beim Plündern von Singvogelnestern oder beim Tothacken von eben flüggen Meisen oder Finken beobachten.

Dabei ist der Eichelhäher ein prächtiger Vogel. Bei einem Gewicht von etwa 170 g ist der Eichelhäher mit 33-35 cm knapp taubengroß, hat einen relativ langen, ziemlich gerade abgeschnittenen Schwanz, breite, runde Flügel, einen kräftigen mittellangen Schnabel und etwas verlängerte Kopffedern, die er zu einer „Haube“ aufstellen kann.  Der Oberkopf ist überwiegend hell bis weißlich und mit kräftigen schwarzen Streifen versehen. Diese Streifen wirken wie ein Bart und werden deshalb auch als Bartstreifen bezeichnet. Die Oberseite ist insgesamt rötlich grau, der graue Rücken hebt sich deutlich vom rötlicheren Hals ab. Die Oberschwanzdecken und der hintere Teil des Bürzels sind weiß. Die Flügeldecken sind auffällig schwarz-blau gebändert.

Im Fluge sind Eichelhäher leicht zu erkennen; das Flugbild des Eichelhähers wird durch die breiten, runden Flügel charakterisiert. Dabei heben sich der schwarze Schwanz, der auffällig weiße Bürzel und die ebenfalls weißen Unterschwanzdecken deutlich ab. Auch die leuchtend blauen Flügeldecken sind ein typisches Erkennungszeichen.

Eichelhaeher

Verbreitung und Vorkommen:

In Europa ist der Eichelhäher fast überall verbreitet. Nur Island, Teile Schottlands und den äußersten Norden besiedelt er nicht.  Er bewohnt bevorzugt Laub- und Mischwälder, kommt aber auch in Parks, auf Friedhöfen und in großen Gärten, selbst in Nadelwäldern vor. Er fehlt in Mitteleuropa eigentlich nur in völlig waldfreien Gebieten. Neuerdings wird er auch immer mehr zum Stadtvogel und kommt bis in die Zentren der Großstädte. Im Gebirge hat er noch bis etwa 1400 m Höhe eine flächendeckende Verbreitung. Höchste Brutvorkommen in der Schweiz liegen bei etwa 1700 m.

In Deutschland sind Eichelhäher sehr häufige Brutvögel mit einem Bestand von geschätzten 650.000 Paaren. Allerdings beanspruchen diese Rabenvögel  relativ große Reviere, die sie gegen Artgenossen  intensiv verteidigen. Als Standvogel bekommt der Eichelhäher im Winter noch Gesellschaft von Artgenossen aus dem Norden und Osten. Manchmal finden riesige Invasionen nordischer Eichelhäher statt. Nicht in jeden Jahr, aber in besonders strengen nordischen Wintern, kommt es in Mitteleuropa auch zu große Einflügen nordischer Tannenhäher, die mit dem Eichelhäher nahe verwandt sind.

Nahrung:
Überwiegend nimmt der Eichelhäher pflanzliche Nahrung zu sich. Seinen Namen erhielt er, weil Eicheln seine Lieblingsnahrung sind. In seinem Kehlsack kann er bis zu zehn Eicheln gleichzeitig transportieren und nicht selten trägt er noch eine weitere Eichel im Schnabel. Eichelhäher vergraben Eicheln als Wintervorrat im Boden und finden mit ihrem exzellenten Gedächtnis  bei Nahrungsknappheit fast alle Eicheln auch unter Schnee wieder. Doch einzelne Eicheln können auch auskeimen und zu neuen Nahrungsbäumen heranwachsen.
Neben Eicheln frisst der Häher auch gern Bucheckern und Haselnüssen, die ebenfalls als Wintervorrat versteckt werden. Mais, Getreide, Esskastanien, Erbsen, Bohnen, Beeren und Früchte werden gerne genommen. Die jungen Eichelhäher erhalten vor allem Insekten und deren Larven. Kleinsäuger, kleine Reptilien, Vogeleier, Nestlinge und Jungvögel stehen zudem auf dem Speiseplan. Nie aber rottet der Eichelhäher (oder ein anderer Vogel) seine Beutetiere aus und Untersuchungen haben gezeigt, dass Eichelhäher oder Elstern keinen Einfluss auf den Bestand von Singvögeln haben. Indirekt nutzen Häher und Elstern ihnen eher, denn die Amsel wird beim nächsten Brutversuch, den sie meistens direkt nach Verlust des ersten Geleges unternimmt, vorsichtiger sein und ihr Nest nicht mehr einfach auf einem Balkonkasten anlegen, sondern Gelege und Nest umsichtiger verstecken. Der Eichelhäher wird sich in erster Linie von dem ernähren, was für ihn am leichtesten erreichbar ist.

Stimme: 
Kaum ein Spaziergänger im Wald wird sein lautes Rätschen, das er bei Erregung und als Alarmruf ausstößt, noch nicht gehört haben. Weniger laut sind weitere Rufe und Imitationen anderer Vogelarten, die er von sich gibt. Häufig hört man ein „“hijäh“, das dem Ruf eines Mäusebussards zum Verwechseln ähnlich ist oder ein krähenartiges „kraah“.  Sein schwätzender Gesang hat offenbar keine Funktion als Reviermarkierung.

Eichelhäher am Boden

Fortpflanzung:
Eichelhäher werden offenbar im ersten Lebensjahr geschlechtsreif, doch brüten viele auch im zweiten Kalenderjahr noch nicht. Sie leben monogam in einer Saisonehe zusammen; viele Standvögel gehen auch eine Dauerehe ein. Im Vorfrühling finden die Paare zusammen und grenzen zugleich ihre Territorien ab. Das Männchen sucht in der Regel den Nistplatz aus, der in kräftigen Astgabeln von Büschen oder Bäumen, selten auch an Gebäuden in Nischen gewählt wird. Sehr häufig werden Gelege oder Junge von Predatoren erbeutet, deshalb spielt eine gute Deckung eine wichtige Rolle. Das Nest wird aus Zweigen und Aststücken angelegt und innen mit feineren vom Boden aufgelesenen Materialien  wie Tierhaaren oder feinen Wurzeln ausgestattet. Beide Partner bauen am Nest. Das Weibchen legt dann drei bis sieben, am häufigsten fünf Eier, ab. Ab Ende März bis Anfang April beginnen Eichelhäher mit dem Brutgeschäft. Nach 16- 19 Tagen schlüpfen die Jungen. Nur das Weibchen brütet und wird vom Männchen aus dem Kropf gefüttert. Nach 21-23 tagen verlassen die Jungen ihr Nest, doch sind sie erst mit 6-8 Wochen selbstständig.

Bei jungen Eichelhähern ist die Sterblichkeit sehr hoch. 61 % gehen im ersten Lebensjahr zugrunde; doch können einzelne Vögel sehr alt werden: 16 und 17 Jahre sind durch Ringfunde belegt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.



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