Drosselrohrsänger

Drosselrohrsänger  (Acrocephalus arundinaceus)

Familie: Rohrsängerverwandte (Acrocephalidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00191

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Allgemeines, Aussehen und Beschreibung:

Rohrsänger sind schlanke Singvögel feuchter Pflanzendickichte in der Nähe von Gewässern. Ihr Schnabel ist schmal und abgeflacht. An der Schnabelbasis stehen einige gut entwickelte Borsten. Das Gefieder ist recht unscheinbar. Rohrsänger  tragen ihren wissenschaftlichen Namen Acrocephalus (bedeutet Spitzkopf) zu Recht, denn der  feine spitze Schnabel geht allmählich in den Kopf über, ohne eine abgesetzte Stirn.

Rohrsänger bewohnen hauptsächlich Verbindungszonen von Gewässern, wo sie geschickt durch Seggendickichte, Gebüsch und Rohrwälder schlüpfen. Die mitteleuropäischen Rohrsänger unterscheiden sich recht stark in der Wahl ihrer Vorzugshabitate. Seggenrohrsänger und Drosselrohrsänger besetzen die äußeren bzw. die inneren Habitate der Verlandungszonen von Gewässern mit der höchsten Vegetation im tiefen Wasser (Drosselrohrsänger) bzw. mit der niedrigsten Vegetation mit wenig Wasser (Seggenrohrsänger), während Teich-, Marisken-, Sumpf- und Schilfrohrsänger in dieser Reihenfolge in  zunehmend abnehmender Vegetationshöhe und Feuchtigkeit vorkommen.

Der Drosselrohrsänger ist mit 19 cm und einem Gewicht zwischen 25 und 37 g der größte Rohrsänger Europas. Er ist viel größer als der sonst ähnliche Teichrohrsänger, ist relativ langschwänzig und hat einen langen kräftigen Schnabel. Auf der Oberseite ist der Drosselrohrsänger einheitlich olivbraun gefärbt, der Scheitel ist etwas dunkler. Ein schmaler, rahmfarbener Streif zieht sich über dem Auge von der Schnabelbasis bis fast zum Nacken. Die Unterseite ist gelblich gefärbt, Kehle und Bauchmitte sind jedoch weiß.

Drosselrohrsaenger

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:

Der Drosselrohrsänger ist in Süd-, Mittel- und Osteuropa Brutvogel, in südlichen Teilen Skandinaviens sowie in Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas (Marokko, Algerien und Tunesien); im Osten ist er bis Westsibirien und in einer weiteren Rasse auch bis Nordasien verbreitet. Drosselrohrsänger sind Zugvögel, die bereits im August und September ihr Brutgebiet verlassen und im tropischen und südlichen Afrika überwintern. Ende April, Anfang Mai kehren sie zurück ins Brutgebiet. Der Vogel braucht große, dichte Schilfbestände und ist stärker als alle andere Rohrsänger ans Wasser gebunden. Die von ihm bevorzugten wasserseitigen Bereiche der Verlandungszonen sind durch Zerstörung von Feuchtgebieten, durch Schilfsterben und durch Erholungsbetrieb und Wassersport vielerorts zurückgegangen oder sehr störungsanfällig geworden. Seine höchste Siedlungsdichte erreicht er in 3-6 jährigen ausgedehnten Schilfbeständen.

In Mitteleuropa ist der Drosselrohrsänger stark zurückgegangen, nur im Nordosten und Südosten haben sich größere Brutbestände gehalten. In den Niederlanden brüten heute nicht mehr als 300 Paare, in der Schweiz rund 200, 5000 Brutpaare waren es Ende der 80er Jahre auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, weniger als 1000 Brutpaare sind es in den anderen deutschen Bundesländern. Am Neusiedlersee in Österreich gab es um 1990 noch ca. 10.000 bis 20.000 Brutpaare und in Ungarn ist der Drosselrohrsänger ein häufiger Brutvogel.

Singender Drosselrohrsänger

Nahrung:

Vor allem von Gliederfüßlern ernähren sich die Vögel, aber auch von kleineren Wirbeltieren wie jungen Fröschen. Drosselrohrsänger bevorzugen größere Beutetiere, die aber seltener im Angebot sind. Spinnen, Schnecken, Libellen, Käfer werden genommen. Die Jungen werden seltener als andere Rohrsängerjunge gefüttert, dafür sind die Futterportionen aber auch in Relation größer als bei diesen.

Stimme:

Der lautstarke Gesang ist leicht zu erkennen und weithin hörbar. Er besteht aus tiefen knarrenden lauten und übergangslos hohen Klängen und ist in relativ kurze Strophen gegliedert. Durch das „karre-karre-karre-kriitkriitkriit“ erkennt man den Gesang sofort wieder. Die Singwarte des Männchens liegt meistens auffällig im hohen Schilf. Der Vogel ist dadurch leichter zu entdecken als der Teichrohrsänger.  Das Weibchen singt ebenfalls, aber leiser als das Männchen mit piepsenden hohen Lauten und krächzenden elsterähnlichen „gagaga“ Rufen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:

Schon im ersten Lebensjahr werden Drosselrohrsänger geschlechtsreif. Die Partner leben in monogamer Saisonehe zusammen; Partnertreue über ein Jahr hinaus gibt es nur ausnahmsweise und sie kommt auch eher durch Ortstreue der Partner zustande. Nicht selten kommt bei dieser Art auch Polygamie vor, d.h. dass Männchen mit mehreren Weibchen brüten. Die besten Aussichten mehr als ein Weibchen zu gewinnen haben Männchen, die früh in ihrem Revier ankommen. Die Weibchen bauen das Nest alleine in Schilf oder Rohrkolben. Meistens ist der Neststandort im unteren Drittel der Vegetation zu finden. Nach Rohrsängerart wird das Nest kunstvoll zwischen einzelnen Schilfhalmen verknüpft; Das Nest ist dickwandig, hat einen tiefen Napf und besteht im Unterbau aus Fasern. Pflanzenwolle und alten Schilfblättern; die Nestwand besteht aus Schilfrispen, Gräsern, dünnen Halmen und alten Blättern. Meist legt das Weibchen 5 (4-6) Eier ab. Der Legebeginn ist frühestens vom 8.-12. Mai; die meisten Eier werden aber Ende Mai gelegt.. Meistens findet nur eine Brut statt; verloren gegangene Erstgelege werden aber ersetzt. Nach 13-15 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach weiteren 10-15 Tagen das Nest verlassen und bis zum Alter von 30 Tagen geführt werden. Männchen und Weibchen betreuen die Jungen. Der Aufzuchterfolg schwankt von Jahr zu Jahr. Durchschnittlich werden pro Nest und Jahr 2,0 – 3,4 Junge flügge. Durch Ringfunde konnte ein Alter von 9 und einmal von mindestens 10 Jahren belegt werden.

Wie die anderen Rohrsänger ist auch der Drosselrohrsänger ein beim Kuckuck beliebter Wirt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Delin, Hakan, Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 12/I- Passeriformes (3.Teil), Sylviidae, Wiesbaden.



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