Purpurreiher

Purpurreiher (Ardea purpurea)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00190

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Familie, Verwandtschaft, Aussehen
Reiher sind langbeinige Stelzvögel mit S-förmig geknicktem Hals und geradem, spitzen Schnabel, die sich schreitend nur zur Nahrungssuche bewegen, aber fliegend flüchten. Sie belauern, beschleichen oder verfolgen ihre Beute und packen oder spießen sie auf durch blitzschnelles Vorschnellen des Kopfes.

Weltweit gibt es 69 verschiedene Reiherarten, von denen in Europa neun regelmäßig brüten: am bekanntesten ist der überall vorkommende Graureiher, die weißen Seiden- und Silberreiher erweitern derzeit gerade ihr Verbreitungsareal, der Kuhreiher ist aus Afrika eingewandert, Rohrdommel und  Zwergrohrdommel leben versteckt in Schilfdickichten, der kleine Rallenreiher ist mehr in Süd- und vor allem Südosteuropa zu finden wie auch der Nachtreiher, der erst in der  Dämmerung aktiv wird und schließlich der hier vorgestellte Purpurreiher.

Purpurreiher im Flug

Im Aussehen ähneln die heimlichen und scheuen Purpurreiher dem bekannteren Graureiher; sie sind jedoch etwas kleiner und schlanker. Im Fluge fallen auch auf größere Entfernung die viel größeren Füße mit den längeren Zehen auf sowie der stärker unter der Brust „durchhängende“ Hals. Mitunter ist es bei schlechten Lichtverhältnissen dagegen nicht möglich, Grau- und Purpurreiher an der Färbung zu unterscheiden.

Purpurreiher werden knapp 80 cm groß, haben dunkelgraue Flügel und eine dunkelgraue Oberseite und vom Rücken herabhängende weißliche und rostrote Schmuckfedern, eine schwarze Kopfplatte, einen kastanienbraunen Hals mit einem schwarzen seitlichen Längsstreifen und eine weißliche Unterseite. Weibchen und Männchen unterscheiden sich nicht. Im Flug ähneln Purpurreiher Graureihern, doch wirken sie insgesamt dunkler, der bereits erwähnte durchhängende Hals fällt auf und der Flügelschlag ist schneller als beim Graureiher.

Purpurreiher im Schilf

Verbreitung, Bestand und Lebensraum:
In drei voneinander getrennten Erdregionen ist der Purpurreiher verbreitet: in Afrika südlich der Sahara, in Süd- und Südostasien und in der westlichen Paläarktis, also in Europa, Nordafrika und Westasien.

In West- und Mitteleuropa ist der Purpurreiher nur sehr lückenhaft verbreitet. Seine nördlichsten Brutgebiete liegen in den Niederlanden. Außerdem gibt es Brutvorkommen in Portugal und Spanien und in Frankreich. In Frankreich kommen Purpurreiher vor allem im Westen, in Zentralfrankreich und in Südfrankreich in der Camargue vor, in der auch die Fotos entstanden sind und in der rund 1500 Brutpaare leben. Weiter östlich brüten Purpurreiher vereinzelt in Süddeutschland, in der Schweiz und in Österreich. Östlich von Österreich ist das Brutvorkommen mehr oder weniger zusammenhängend. In Ungarn ist der Purpurreiher ein häufiger Brutvogel. In Europa sind Purpurreiher Zugvögel, die in klimatisch milderen Gebieten das Winterhalbjahr verbringen. Die afrikanischen Purpurreiher dagegen sind Standvögel.

Purpurreiher sind Bewohner ausgedehnter Schilf- und Rohrdickichte. Sie sind durch kürzere Läufe, längeren Hals und auffallend lange Zehen hervorragend an das Leben im Schilfwald angepasst und sitzen nur selten an Bäumen oder an deckungslosen Wasserstellen.

Nahaufnahme vom Purpurreiher

Nahrung und Nahrungserwerb:
Je nach den ökologischen Verhältnissen im Lebensraum ändert sich die Zusammensetzung der Nahrung stark. Fische von 10-20 cm Länge sind die Hauptnahrung, doch Kaulquappen, Frösche, Molche, Eidechsen, Schlangen, viele Kleinsäuger und Insekten stehen neben Krebstieren und Spinnen ebenfalls auf dem Speiseplan. Da auch Fische dieser Größenordnung wirtschaftlich unbedeutend sind, kommt der Purpurreiher im Unterschied zum Graureiher nur selten in Konflikt mit dem Menschen, der ihm seine Beute neidet. Der Nahrungsbedarf eines Purpurreihers liegt bei etwa 200 Gramm je Tag. Purpurreiher sind Pirsch- und Ansitzjäger, die nicht wie der Graureiher an offenen Stellen  der Gewässer anzutreffen sind, sondern in der Sumpfvegetation und im Schilf von Gräben und kleineren Wasserlöchern. Dabei bewegen sie sich sehr geschickt mit Hilfe der langen Zehen durch und über dichte Sumpfvegetation. Daneben jagt der Purpurreiher nicht selten auch ohne jede Deckung auf abgeernteten Getreidefeldern Mäuse.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Die meisten Purpurreiher werden am Ende des zweiten Lebensjahres geschlechtsreif, die Weibchen auch eher. Purpurreiher brüten vorzugsweise in Kolonien, selten auch in einzelnen Paaren. Das Männchen sucht den Nistplatz aus, der gewöhnlich 70-120 cm über dem Wasser liegt. Das Nest wird auf umgebrochenen vorjährigen Schilf, auf Rohrkolben oder niedrigen Weidengebüsch, selten auf Büschen und Bäumen, errichtet.

Das Nest wird aus 50-100 cm langen trockenen Rohrhalmen lose aufeinander geschichtet, hat ungefähr einen Durchmesser von 50-80 cm, eine Höhe von 20-40 cm und eine eingearbeitete flache Mulde von 5-10 cm. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau, der ungefähr 7-12 Tage dauert. Meist legen Purpurreiher 4-5 etwa 50 g schwere Eier. Ende April, Anfang Mai ist das Gelege in Mitteleuropa komplett. Es wird 25 –30 (meistens 26) Tage vom ersten Ei an bebrütet; schon sehr früh verlassen Purpurreiher wie junge Rohrdommeln ihr Nest und beginnen mit Kletterausflügen ins Schilf der Horstumgebung. Schon mit 8-10 Tagen flüchten sie bei Störungen ins Schilf. In den ersten drei Lebenswochen werden die jungen Reiher sehr oft gehudert oder von einem Elternteil beschattet. Mit 7-8 Wochen sind sie flugfähig. Es findet eine Brut im Jahr statt.

Von 64 Wiederfunden beringter Purpurreiher in der Schweiz wurden nur 5 Reiher mehr als 4 Jahre alt. Die meisten Purpurreiher wurden in Südfrankreich und Spanien erlegt. Der bisher älteste wieder gefundene Ringvogel stammt aus den Niederlanden und wurde über 16 Jahre alt.

Literatur:
Bauer und Glutz, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Wiesbaden.
Naturmagazin draußen, Camargue,  HB-Atlas 37, Hamburg.



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