Schneefink

Schneefink (Montifringilla nivalis)

Klasse:
Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Sperlinge (Passeridae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00187

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Beschreibung:

Der Schneefink, der richtiger auch Schneesperling genannt wird, ist etwas größer als ein Haussperling. Das Männchen hat einen grauen Oberkopf und graue Kopfseiten. Der Rücken ist graubraun mit helleren Säumen und oft wenig vom Kopf abgesetzt. Der Bürzel und die Oberschwanzdecken sind schwarzbraun mit helleren bräunlichen Säumen; die seitlichen Oberschwanzdecken sind weiß; das mittlere Steuerfedernpaar ist schwarz mit hellbraunen bis weißlichen Säumen, die anschließenden Steuerfedern sind weiß mit einem nach außen abnehmenden schwarz-braunem Endband. Die Handschwingen sind schwarz, die inneren mit weißen Spitzensäumen, die Armschwingen sind weiß, die Schirmfedern braun mit hellbraunen Säumen.

Die Unterseite ist weiß bis gräulich-weiß; der schwarze Kehlfleck ist mehr oder weniger stark von grauen Kehlfedern verdeckt. Im Prachtkleid ist der Oberkopf dunkler schiefergrau und deutlicher von nun mehr braunen Rücken abgesetzt.

Beim Weibchen ist der Kehlfleck undeutlicher und manchmal sogar im frischen Kleid ganz verdeckt; die Unterseite ist oft mehr bräunlichweiß.

Der Schnabel ist schlanker und spitzer als bei anderen Sperlingen; der gekerbte Schwanz ist länger als bei der Schneeammer. Die Flügel sind lang und reichen bis über die Schwanzmitte.

Verbreitung und Bestand:
Der Schneesperling ist in Mitteleuropa Brut- und Jahresvogel in den Alpen oberhalb der Baumgrenze. Daneben kommt er auch in den Pyrenäen, den Abruzzen, in Gebirgen Montenegros und Nord- und Mittel-Griechenlands, in mehreren Gebirgen und Schluchten Anatoliens, im Kaukasus, in Gebirgen Mittel- und Zentralasiens bis zur Mongolei und Westchina vor. Insgesamt ist sein Verbreitungsgebiet in viele kleine Verbreitungsinseln aufgesplittert. Die höchsten Brutnachweise fanden sich in über 3200 m Höhe.

Lokale Bestände sind manchmal stark schwankend. In der Schweiz wurden auf 19 qkm 600-800 Individuen festgestellt.

Schneefink an Brutnische
Schneefink an der Brutnische

Lebensraum:
Die alpine Region ist die Welt des Schneesperlings. Zwischen 1800 m Höhe, dort wo der Wald seine Höhengrenze erreicht hat und 2100 m, einer Höhe auf der im Sommer die Hälfte des Bodens mit Schnee bedeckt bleibt, liegt sein Reich. Manchmal geht er auch ein wenig tiefer herunter, wenn sich dort eine gute und geeignete Nisthöhle findet, die dunkel ist und vor Beutegreifern Schutz bietet. Solche geeigneten Nisthöhlen sind im Hochgebirge nämlich selten.  Allzu gern nimmt der Schneespatz deshalb außer natürlichen Löchern in Felswänden auch Quartiere in Schutzhütten und Berggasthöfen an, seien es Löcher im Mauerwerk oder auch eigens für ihn bereitgestellte Nistkästen oder Nischen in Straßenmauern. Längst ist der Schneesperling zum Kulturfolger geworden, den man zum Beispiel  an Gebäuden entlang der Großglockner-Straße antreffen kann.

Nahrung:
Zur Brutzeit ernährt sich der Schneefink fast nur von Käfern, Spinnen und Zweiflüglern, die er vom Boden aufsammelt. Wichtigste Nahrung für die Jungen sind Schnakenlarven sowie Raupen. Im Winter ernährt der Schneefink sich ausschließlich von Samen. Dann ist er auch rund um die Berghütten und Bergstationen anzutreffen, stellt sich auf Futterplätzen ein und ist auf schneefreien Bändern zu finden. Er bleibt als Standvogel das ganze Jahr über in seiner Brutregion, wandert nur ausnahmsweise (gelegentlich überwintern Vögel der Alpen in den Vogesen und im Jura).

Schneefink mit Futter
Schneefink mit Futter

Lautäußerungen:
Der Gesang des Schneefinken besteht aus verschiedenen Elementen, die fortlaufend vorgetragen werden. Zu Winteranfang, wenn die kürzesten Tage beginnen, verstummt der Vogel völlig, doch kann man ihn ab den 10. Januar wieder leise hören. Nur die Männchen singen schallend; sie sitzen dabei auf einem Felszacken oder tragen ihren Gesang im Schwebeflug, in einer Kreisbahn oder einer Schlinge vor. In der äußeren Kurve schwebt der Schneefinkenmann auf und nieder, öffnet und schließt dabei Flügel und Schwanz und zeigt dadurch betont ein lebhaftes Wechselspiel von Schwarz und Weiß. Der Gesang ist von Region zu Region sehr unterschiedlich und ist mal sehr einfach und mal höchst kompliziert aufgebaut.

Schneefink im Abflug
Schneefink im Abflug

Paarbildung und Jungenaufzucht:
Die Weibchen sind zu Beginn der Paarbildung erst sehr bescheiden und demütig. Nach dem Kennen lernen duckt sich das Weibchen, hebt leicht den Kopf und Schwanz und flüstert „sieb-sieb-sieb“. Die zu Beginn gezeigte Demutshaltung wird aber schon bald aufgegeben und danach macht sie ihm schnell den Schlafplatz streitig. Nicht selten muss das Männchen das Quartier in der Felswand aufgeben, wenn sie das erste Ei abgelegt hat. Das Weibchen dominiert so stark, dass das Männchen Demutshaltungen fast wie eine Dauergeste einnimmt.

So trägt das Männchen stets die Scheitelfedern als Demutsgeste erhoben, wenn es neben dem Weibchen dahertrippelt. Ihm fällt die Aufgabe zu, ihr eine Höhle zur Verfügung zu stellen. Das Nest wird dann von ihr aus abgebissenen Grashalmen errichtet. Zum Schluss wird der Innenraum des Nestes mit Federn ausgekleidet. Die relativ großen reinweißen Eier werden dreizehn oder vierzehn Tage bebrütet. Besonders auf den letzten Schneeflächen sucht der Schneefink gezielt die Nahrung für die Jungen, denn vom gutem Wetter verleitet und vom Wind verdriftet landen hier viele Insekten und erstarren nach und nach und können dann leicht eingesammelt werden. Auch aus dem Schmelzrand der Schneeflächen holen sich Schneefinken die überwinternden Insekten, Schnakenlarven und Laufkäferlarven mit instinktiver Sicherheit heraus. Die Jungen werden nur vom Männchen gefüttert. Zuvor hat sie das Nest gebaut und die Eier alleine bebrütet. Erst im Alter von drei Wochen werden die Jungen flügge und beginnen die Nisthöhle zu verlassen. Noch weitere 12 Tage werden die Jungen gefüttert und abends zu einer Schlafhöhle geleitet. Im Jahr findet nur eine Brut statt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Delin, Hakan, Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 14- Passeriformes (5.Teil), Wiesbaden.Der Falke: Das Journal für Vogelbeobachter, Heft 3/2000, Wiebelsheim.
Naturmagazin draußen, Kärnten-Gailtaler und Karnische Alpen, Hamburg, Heft 47.



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