Gelbbauchunke

Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Scheibenzüngler (Discoglossidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00186

► mehr Lurche


Zur Familie der Scheibenzüngler (Discoglossidae) gehören unsere drei einheimischen Froschlurche, die Geburtshelferkröte, die Rotbauch- und die Gelbbauchunke. Gelbbauchunken sind kleine gedrungene Froschlurche mit abgeflachtem Körper, warziger Oberseite und kontrastreich gefärbter Unterseite. Sie werden bis 5 cm lang; ihre Körperoberseite variiert zwischen dunkelbraun und aschgrau und ist häufig dunkel gefleckt. Zur Körperoberseite bildet die blaugraue bis schwarze Bauchseite einen deutlichen Kontrast. Die Bauchseite weist unregelmäßige zitronen- bis dottergelbe Flecken auf, die je nach geographischer Lage sich ausgeprägt unterscheiden.. Diese gelb-schwarze Warnfärbung soll Angreifer abschrecken. Dazu biegt eine Unke, die an Land überrascht wird, den Rücken durch und dreht ihre Gliedmaßen an den Seiten nach oben, bis die Unterseite sichtbar wird. Neben der Warnfarbe soll auch ein abgesonderter Schaum, der seifenartig ist und Schleimhautreizungen verursacht, Angreifer abschrecken. Ringelnattern, die Gelbbauchunken ergreifen, lassen diese aufgrund des im Schaum enthaltenen giftigen Hautgiftes sofort wieder los. Das Hautgift ist deutlich stärker als zum Beispiel das von Erdkröte oder Feuersalamander.

Gelbbauchunken besitzen im Unterschied zur Rotbauchunke keine Schallblase. Ihre Rufe sind deshalb leiser und hören sich wie leises Flöten an. Diese Flötentöne kann man sowohl tagsüber als auch nachts aus den von der Sonne durchwärmten flachen Pfützen in Lehm- und Kiesgruben hören. Auch in mit Regenwassern gefüllten Rad- und Baggerspuren im Wald oder auf Bauplätzen können Gelbbauchunken leben. Wochenlang halten rufende Männchen bestimmte Uferstellen besetzt, die sie nur verlassen, wenn der sinkende Wasserstand sie dazu zwingt. Immer halten die rufenden Unkenmännchen einen bestimmten Abstand zu anderen Rufern ein. Dieses „Distanzverhalten“ wird durch das Rufen anderer Unken bewirkt, auf das die Männchen hören. Neben Paarungsrufen geben diese Unken auch Imponierrufe und Befreiungsrufe von sich.

Von April bis August finden die Paarungen statt. Das Männchen umfasst das Weibchen vor den Hinterbeinen. Das Paar legt den Laich in kleinen Klümpchen an senkrechten Pflanzenstängeln oder an Gras, das ins Wasser ragt, ab. Die Entwicklung der Kaulquappen kann sich in wenigen Wochen vollziehen, viel mehr Zeit bleibt den Unken in ihren flachen, stets von Austrocknung bedrohten Pfützen auch meist nicht. Die frisch verwandelten kleinen Unken sind dann erst 12- 15 mm groß. Oft dauert die Verwandlung aber auch viel länger und Kaulquappen, die aus dem im August abgelegten Laich entstehen, müssen überwintern. Im Alter von zwei Jahren werden Gelbbauchunken geschlechtsreif. In Gefangenschaft erreichten Berglandunken - wie die Tiere aufgrund ihrer im Unterschied zur Tiefland- oder Rotbauchunke mehr ans Bergland gebundenen Verbreitung auch genannt werden- ein Alter von bis zu 12 Jahren.

Das Verbreitungsgebiet der Gelbbauchunken erstreckt sich von Frankreich über Luxemburg, über den mittleren und südlichen Teil Deutschlands, die Schweiz, Österreich, Ungarn, durch Tschechien und die Slowakei, über das südliche Polen bis in die Ukrainischen Karpaten und von dort nach Süden bis nach Griechenland. Auf der Iberischen Halbinsel fehlt die Art, auch auf den Balearen, auf Korsika, Sardinien und Kreta sowie in Dänemark und Skandinavien.

Gelbbauchunken ernähren sich von allen wirbellosen Tieren, die sich bewegen und derer sie habhaft werden können. Im Allgemeinen kommen in ihren Lebensräumen nur wenige Fressfeinde vor. Schwimmwanzen, Gelbrandkäfer, Stichlinge können den Larven nachstellen, auch Kamm, Berg- und Teichmolch. Wasserfrösche wurden beim Verzehr junger Berglandunken beobachtet. Vögel dagegen wurden nur äußerst selten als Prädatoren nachgewiesen.

Bei Gefahr flüchten die Larven, aber auch die Unken selbst im Wasser zum Bodengrund. Dort wühlen sie sich kurzfristig ein. Das aufgewirbelte Bodensubstrat macht die Tiere dabei sofort unsichtbar. Wenn an Land eine Flucht nicht möglich ist, nehmen die Tiere den oben beschriebenen Unkenreflex ein.

In Deutschland sind Gelbbauchunken auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten zu finden (RL 2).

Bei Gefahr flüchten die Larven, aber auch die Unken selbst im Wasser zum Bodengrund. Dort wühlen sie sich kurzfristig ein. Das aufgewirbelte Bodensubstrat macht die Tiere dabei sofort unsichtbar. Wenn an Land eine Flucht nicht möglich ist, nehmen die Tiere den oben beschriebenen Unkenreflex ein.

In Deutschland sind Gelbbauchunken auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten zu finden (RL 2).


Literatur:
Grzimek, Bernhard (Hrsg.): Grzimeks Tierleben, Band 5, Fische 2- Lurche, Zürich.
Petersen, Ellwanger u.a. (Bearb.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000- Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH - Richtlinie in Deutschland, Band 2:Wirbeltiere, Münster.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Gelbbauchunke

Natur-Lexikon.com